Pädagogische Fachzeitschriften 2006

Elektronische Textverarbeitung und Aufsatzleistung

Empirische Ergebnisse zur Nutzung mobiler Computer als Schreibwerkzeug in der Schule 

Im Rahmen einer Studie an einem nordrhein-westfälischen Gymnasium wurde der Einfluss elektronischer Textverarbeitung auf die Aufsatzleistungen im Deutsch-unterricht untersucht. Es sollte die Wirksamkeit der Computernutzung  auf die Schreibleistung von Schülern überprüfen. Weiters sollte untersucht werden ob die Computernutzung auch einen Kompetenztransfer auf das handschriftliche Schreiben bewirkt und ob Jungen oder Mädchen stärker durch die Computernutzung in Bezug auf die Schreibleistung beeinflusst werden. 

Die Untersuchung wurde in drei Laptopklassen und fünf Nicht-Laptopklassen (Kontrollgruppe) durchgeführt. Als Kontrollgruppe diente der gesamte Jahrgang 9 der Schule, der den getesteten Laptopklassen zwei Jahre vorausging. Der Test wurde also zeitlich versetzt zuerst in den Kontrollgruppen und zwei Jahre später in den Laptopklassen durchgeführt. (vgl. Schaumburg, 2006, S. 30) Die Untersuchungs-teilnehmer mussten beim Aufsatztest eine Erörterung  schreiben, wobei die Schüler diese Textform im Unterricht laut Lehrplan vorher durchgemacht haben. Die Kontrollgruppe sowie die Hälfte der Laptopklasse bearbeiteten die Aufgabe handschriftlich. Die andere Hälfte der Laptopklasse bewältigte den Arbeitsauftrag am Laptop. Zusätzlich zu dieser Untersuchung wurden Interviews mit einigen Lehrern und Schülern geführt, um Aussagen über das Lernverhalten und die fachlichen Leistungen machen zu können. 

Die Laptopschüler, die am Computer arbeiteten, schnitten bezüglich Inhalt, Aufbau und Ausdruck besser ab als die Gruppen, die die Aufgabe handschriftlich bearbeiteten. Die Schüler mit Laptop schrieben auch durchschnittlich um ein Viertel längere Aufsätze als ihre Mitschüler. Die Laptopschüler, die die Aufgabe auf Papier schrieben, waren die Besten in Bezug auf die sprachliche Richtigkeit. (vgl. Schaumburg, 2006, S. 34) Mädchen waren in allen Bereichen besser als die Jungen, jedoch kann man keinen Zusammenhang zwischen dem Geschlecht und der Schreibleistung in Bezug auf den Computer erkennen. Man kommt nun zu dem Erkenntnis, dass das Arbeiten am  Computer ausschlaggebend für eine bessere Aufsatzleistung ist, da Schüler des Laptop-Projekts, die den Aufsatz mit der Hand geschrieben haben, keine besseren Leistungen als die Kontrollgruppe zeigte. 

Die Interviews mit den Lehrern bestätigen, dass sich die Nutzung des Laptops positiv auf die Freude der Schüler am Schreiben auswirkt. Dabei werden vor allem das professionelle und saubere Aussehen und die einfachen Überarbeitungsmöglich-keiten als motivationsfördernd betrachtet. Außerdem wirkt sich die Nutzung des Computers nach  Meinung einiger Lehrer leistungsförderlich aus. Andere Lehrer differenzieren dabei nach dem Leistungsniveau und stellen fest, dass der Einsatz der Laptops besonders diejenigen Schüler auch langfristig motiviert, die ohnehin gerne und gut schreiben. (vgl. Schaumburg, 2006, S. 37) 

In den Schülerinterviews hörte man heraus, dass die Schüler mehr Spaß beim Schreiben haben, wenn sie die Möglichkeit haben am Computer zu arbeiten. Als positiv erwähnen diese vor allem das einfache Einfügen von Texten und das „spurlose“ Ändern von Texten. Die Thesaurus-Funktion wurde in keinem Interview erwähnt, deshalb geht man davon aus, dass diese nicht von den Schülern verwendet wird. 

Aus fach- und mediendidaktischer Sicht wird der Computer als Schreibwerkzeug ebenfalls befürwortet, da sich der Schreiber kontinuierlich mit dem Text auseinandersetzt und diesen von Anfang an immer wieder überarbeitet und außerdem die Möglichkeit hat, auf einfache Weise dem Text  Bilder und Grafiken hinzuzufügen.

Quelle

Schaumburg, H. (2006). Elektronische Textverarbeitung und Aufsatzleistung. Empirische Ergebnisse zur Nutzung mobiler Computer als Schreibwerkzeug in der Schule. Unterrichtswissenschaft, 34, 22-45


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