Es wurde angenommen, dass Jugendliche, die Diskrepanzen zwischen bereits erreichter und angestrebter Autonomie verspüren aber auch jene Jungendliche, die von ihren Eltern nach sehr strengen Regeln erzogen werden, vermehrt von Selbstabwertung betroffen sind. Sehr schlecht für den Selbstwert der Jugendlichen ist es auch, wenn die Eltern und die Jugendlichen nicht der selben Auffassung über die Kontrolle und Autonomie sind.
Es wurden mittels eines Regressionsmodell die Angaben von 618 Berliner Jugendlichen untersucht. Es hat sich ergeben, dass Selbstwertprobleme sowohl durch erhöhlte Autonomiebestrebungen als auch durch besondere Strenge der Eltern hervorgerufen wird.
Ein ausgeprägter Selbstwert im Jugendalter hat eine sehr große Bedeutung. Es ist damit auch die Auswahl der Freunde bzw. die Jugendgruppen, in denen sich die Jugendlichen befinden, mitverantwortlich.
Durch einen schlechten Selbstwert gerät man schnell in deviante oder delinquente Gruppen, wo der Selbstwert durch Alkoholkonsum oder Rauchen gestärkt werden soll.
Das erfolgreiche meistern von Entwickungsaufgaben hintereinander kann zum erlangen von Autonomie führen und wird sich positiv auf die Jugendlichen auswirken. Sie dürfen auf keinen Fall überfordert sein oder zu viele Aufgaben auf einmal bewältigen müssen. Wenn zu viele Aufgaben gleichzeitig gefordert werden, kann der Selbstwert darunter leiden.
Der Selbstwert hängt auch sehr stark von der eigenen Wertschätzung ab, die ein Jugendlicher von seinen Bezugspersonen, wie Eltern, Klassenkammeraden und Freunden, erhält.
Unter Autonomie kann die Unabhängigkeit von den Eltern verstanden werden daher entstehen sehr viele Autonomiekonflikte, die mit den Eltern gelöst werden müssen. Zum Beispiel bei Fragen um die eigene Kleidung und gegengeschlechtliche Freundschaften. Die Sichtweisen zur Klärung von Autonomiefragen passen sich jedoch immer mehr denen der Eltern und Kindern an. Bei Eltern, die sich keinen Diskussionen stellen, und die stur auf ihre Regeln beharren, wird der Selbstwert der Kinder sehr darunter leiden.
Es wurde eine Stichprobe bei 618 deutschen Jugendlichen verwendet.
Im Fragebogen wurden folgende Fragen gestellt.
Autonomieziele nein ja fehlend
„Auf eigenen Beinen stehen“ 410 200 8
„Sich in best. Art geben/kleiden“ 416 191 11
„Freund/in haben; verliebt sein“ 316 281 21
Die Selbstabwertung erwies sich in der durchgeführten Stichprobe als nicht besonders ausgeprägt.
In der Untersuchung wiesen Jugendliche mit rigiden Eltern eine höhere Selbstabwertung auf, als jene mit nicht so strengen Eltern.
Bei Autonomiebestrebung und elterliche Strenge handelt es sich um zwei unabhängige Faktoren. Es ist nicht der Fall, das Jugendliche auf übermäßige elterliche Strenge mit einem erhöhten Autonomiebedürfnis reagieren oder umgekehrt.
Jugendliche sind bei einem Höchstmaß an Autonomiebestrebung verstärkt auf das Verständnis der Eltern angewiesen. Wenn sie das nicht erhalten, sondern die Eltern auf die Einhaltung ihrer Regeln bestehen, steigen Selbstwertprobleme sprunghaft an.
Es kann dann das Problem entstehen, dass Jugendliche dadurch in schlechte Kreise geraten, da sie glauben, dadurch mehr Selbstwertgefühl zu erhalten.
Aus der Umfrage hat sich noch ergeben, dass bei Jugendlichen, bei denen keine Diskrepanzen zwischen angestrebter und bereits erreichter Autonomie standen, die Selbstabwertung sehr niedrig war.
Kuntsche, Reitzle & Silbereisen. Elterliches Erziehungsverhalten, Autonomiebestrebungen und Selbstabwertung im Jugendalter. Zeitschrift Psychologie in Erziehung und Unterricht.