Pädagogische Fachzeitschriften 2006

N.Ken Shimahara

Die berufliche Weiterbildung von Grund- und Sekundarschullehrern in Japan 

Begriff Handwerk im Zusammenhang mit dem Berufsbild Lehrer

Man unterscheidet ein „pädagogisches Inhaltswissen“ vom „generellen pädagogischen Wissen“ (Shulman zit. nach Shimahara 2001, S. 82). „Im Unterschied zum rein fachbezogenen Wissen lassen sich diese beiden genannten Aspekte professioneller Kompetenz eines Lehrers kaum durch Universitätsvorlesungen vermitteln, sondern ergeben sich vorwiegend aus den gemachten Erfahrungen mit einer sich wiederholt abspielenden Auseinandersetzung mit Problemen, die unmittelbar in der Unterrichtspraxis auftreten“ (Shimahara 2001, S. 82).  Es wird also handwerkliches Können in Verbindung mit pädagogischem Wissen durch Praxis erlernt. Zudem ist Unterricht eine Form von Kunst, denn es wird eine tägliche Leistung erbracht, die es oftmals erfordert mit neuen, schwierigen Situationen richtig umzugehen. Um dem gewachsen zu sein, absolviert jeder Neuanfänger ein verpflichtendes Ein-Jahres-Praktikum, bei dem er mehrmals die Schulen wechselt, um möglichst vielfältige Erfahrungen zu sammeln. Gleichzeitig steht er unter der Supervision mehrerer älterer Kollegen, die die Einführung des neuen Kollegen als Gemeinschaftsaufgabe erleben. Somit dient der erste Teil dieses Praktikums der Orientierungs- & Erprobungsphase. Im zweiten Teil kommt es zur Stabilisierungsphase und der abschließende dritte Teil gilt der Übernahme von Schlüsselfunktionen wie zum Beispiel des Kommissionsvorsitzes. Die gesammelten Erfahrungen können auf sechs Einflussfaktoren beschränkt werden: den größten Einfluss haben erfahrene Kollegen, sowie das unterstützende Umfeld, persönliche Lebensereignisse, der regelmäßige Austausch mit Kollegen auch aus anderen Schulen, die Übernahme von verantwortungsvollen Tätigkeiten und die berufsbegleitende Weiterbildung. Die gesamte Unterrichtskultur in Japan zeigt deutlich, dass Wert auf gemeinsames Handeln gelegt wird und die Weitergabe von pädagogischen Erfahrungen als selbstverständlich gesehen wird. Die Isolation der Lehrkörper wie in westlichen Ländern wird stark kritisiert. Mit der Ausweitung der Aufgaben auf die Schulverwaltung, Weiterbildung usw. und der Erhöhung des Einkommens hat der Beruf an sozialem Ansehen gewonnen.

Weiterbildung

Japan bietet eine Vielzahl von Weiterbildungsmöglichkeiten an, bei denen die Mehrheit durch Lehrerinitativen entstanden ist. So gibt es beispielsweise Lehrerzentren oder Lern- und Demonstrationsklassen, bei denen Lehrer jährlich ein Feedback bekommen. Zudem werden Magazine herausgegeben und Sommer-Workshops angeboten. Oftmals führt das Gemeinschaftsnetzwerk in Japan dazu, dass die Informationen zwar weitergegeben werden, allerdings nicht in schriftlicher Form aufliegen und außerhalb der staatlichen Kontrolle liegen, weil schulinterne Weiterbildungsangebote zur Gänze den Lehrern selbst überlassen sind. Diese zusätzlichen Belastungen neben den alltäglichen, schulischen Tätigkeiten, können des Öfteren zu Burn-out Syndromen oder Ähnlichem führen. Dennoch sind diese unabhängigen Lehrerinitativen oftmals die einzig annehmbaren Weiterbildungs-möglichkeiten, denn universitäre Aufbaustudien werden oftmals nur als Vollzeit-Studien angeboten, die natürlich unmöglich gleichzeitig mit dem Beruf ausgeübt werden können. Generell lässt der Zusammenhang zwischen Universität und Schule zu wünschen übrig, da sich Universitäten auch nicht oder nur selten mit der Forschung und Entwicklung neuer Unterrichtsmethoden beschäftigen.

Quelle

Shimahara, N. (2001). Die berufliche Weiterbildung von Grund- und Sekundarschullehrern in Japan. Zeitschrift für Pädagogik, 47, S. 81-101.


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