Pädagogische Fachzeitschriften 2006

Marita Kampshoff

Geschlechtertrennung und Schulleistung

Ein Blick auf deutsche und englische Studien

Schulerfolg der Mädchen durch Geschlechtertrennung

In Deutschland wird ständig nach neuen Methoden gesucht, um Mädchen in den Naturwissenschaften, vor allem in Physik, Chemie, Mathematik und im technischen Bereich zu fördern. Dabei kommt es oft zur Bildung von monoedukativen Gruppen.

Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass zum Beispiel durch monedukativen Physikunterricht die fachbezogenen Selbstkonzepte der Schülerinnen gestärkt, darüber hinaus die Schulleistung in Physik und die aktive Unterrichtsbeteiligung erhöht werden können.

Im BLK Modellversuch wurde der Physikanfangsunterricht in sechs Gymnasien überprüft. Und zwar wurde in der 7. Klasse auf drei unterschiedliche Arten unterrichtet. Eine Gruppe wurde in wöchentlich wechselnd in monoedukative Halbklassen oder im gesamten Klassenverband unterrichtet, eine Gruppe wöchentlich wechselnd in koedukativen Halbklassen oder im gesamten Klassen verband und die dritte Gruppe durchgängig im gesamten Klassen verband unterrichtet. Vor und nach diesen Untersuchungen wurde das Wissen, das Interesse und das Fähigkeitsselbstkonzept der Schüler gemessen.

Die Ergebnisse zeigen, dass Schülerinnen der ersten Gruppe ein wesentlich besseres Wissen über Physik haben, als die anderen Schülerinnen. Dies ist auf die Geschlechtertrennung zurückzuführen.

In den Studien von Hannover Kessels wird auf die Ergebnisse dieser Studien aufgebaut.

Doch die Mädchen zeigen nicht nur beim Physikanfangsunterricht, sondern auch in höheren Jahrgängen bessere Leistungen. Auch im Technik- und Mathematikunterricht konnten gute Erfahrungen mit der Bildung von Mädchengruppen gemacht werden.

Grundsätzlich lässt sich aus all den Studien schließen, dass die Schulleistungen der Mädchen in den untersuchten Fächern nicht alleine durch Monoedukation, sondern auch durch umfassende Fördermethoden steigern. Die Stärken dieser deutschen Studien liegen darin, dass dadurch umfassende Fördermethoden für Mädchen gefunden wurden. Eine Schwäche ist jedoch die Vernachlässigung der Jungen. 

Gründe für leistungsstarke Lernende in „Single-Sex“ Schulen (englische Studie)

Mädchen- oder Jungeschulen bzw. Mädchen- oder Jungenklassen haben in England einen äußerst guten Ruf, da diese Schulen bei Leistungsvergleichen besonders gut abschneiden.

Studien fanden heraus, dass die Leistungen der Schülerinnen aus Mädchenschulen deutlich besser waren, als jene von koedukativen Schulen. Dies gilt jedoch nicht für Jungenschulen.

In England wird auch oft gesagt, dass die Organisationsform der Schule keinen Einfluss auf die Schulleistungen hat. Studien haben dazu die Vorkenntnisse der Schüler berücksichtigt und so wurde kein Unterschied zwischen Schülern aus „Single-Sex“- und jenen aus koedukativen Schulen festgestellt. Grundsätzlich fand man jedoch heraus, dass Mädchen aus „Single-Sex“ Schulen bessere Leistungen erbringen als Mädchen aus koedukativen Schulen. Bei Jungen ist dies genau umgekehrt.

In einer weiteren Studie wurde die Eingangsselektivität an englischen Schulen untersucht. Es zeigte sich, dass Schulen die eine solche Eingangsselektivität betreiben besser abschneiden als nicht selektierende Schulen.

Fallstudie einer Schule

Um ein genaueres Bild von Schulleistungen an „Single-Sex“ Schulen zu bekommen wurde dazu eine Schule genaure betrachtet. Es handelt sich dabei um eine Schule, die nach außen hin koedukativ ist, weil sie Mädchen und Junge aufnimmt, nach innen ist sie jedoch monoedukativ da SchülerInnen in „Single-Sex“ Klassen unterrichtet werden. Es stellte sich in anschließenden Interviews heraus, dass Schüler, Eltern und Lehrende eine jeweils unterschiedliche Sichtweise über „Single-Sex“ Schulen aufweisen.

Eltern wählen diese Schule für ihre Kinder aus da „Single-Sex“ Klassen gebildet werden und sie sich dadurch bessere Leistungen als auf einer gemischten Schule erhoffen.

Schüler und Schülerinnen sind sehr zufrieden mit „Single-Sex“ Klassen, da sie dadurch ungestört lernen können.

Die Sichtweise der Lehrenden unterscheidet sich teilweise von der Sicht der Eltern und der Lernenden. Sie halten „Single-Sex“ Klassen für Mädchen vorteilhaft, da sie bessere Leistungen erbringen würden ohne sozialen Nachteil. Im Bezug auf die Jungen, besonders aus leistungsschwachen Gruppen, sei eine gemischte Klasse eher von Vorteil.

Abschließend lässt sich sagen, dass sowohl die Selektivität vieler Einrichtungen, als auch Geschlechtertrennung einige von mehreren Faktoren sind, die zu besseren Schulleistungen beitragen. Doch man sollte auch nicht die individuelle Einflüsse, wie die soziale Herkunft vergessen.

Quelle

Die Deutsche Schule, 98. Jahrgang 2006 / Heft 3, S.322-336


Zum Inhaltsverzeichnis


Aus Pädagogischen Fachzeitschriften ...

impressum stangl.eu