Pädagogische Fachzeitschriften 2006

Fremde Schwestern. Zum Verhältnis von Allgemeiner Didaktik und empirischer Lehr-Lern-Forschung

Die Allgemeine Didaktik und die empirischer Lehr-Lern-Forschung beziehen sich auf denselben Gegenstandsbereich und trotz dieser Gemeinsamkeit ist ihr Verhältnis zueinander unklar und von Fremdheit und gegenseitiger „Nicht-Zur-Kenntnisnahme“ geprägt (vgl. Terhart 2002, S. 77). 

1. Beobachtungen: Allgemeine Didaktik und Lehr-Lern-Forschung 

Die Allgemeine Didaktik hat einen wichtigen Stellenwert in der Schulpädagogik und diese wiederum stellt die größte Teildisziplin in der Erziehungswissenschaft dar. Die grundlegenden Fragestellungen, mit denen sich die Allgemeine Didaktik befasst, sind Fragen des Lehrens und Lernens in allen Lernbereichen und auf allen Bildungsstufen. Das Ziel aller didaktischen Bemühungen besteht im erfolgreichen Lern- und Entwicklungsprozess der Schüler, jedoch stellen neben der großen Bedeutung des Lernens auch die Lerninhalte und ihre Begründung einen wichtigen Teil der Allgemeinen Didaktik dar (vgl. Terhart 2002, S. 77f). 

Momentan kann man innerhalb der Allgemeinen Didaktik vier verschiedene Theoriefamilien unterscheiden: 

Diese Ansätze sind wissenschaftstheoretisch der empirisch-analytischen Erziehungswissenschaft zuzuordnen. Ein Lehrer hat in diesem Zusammenhang die Aufgabe, unter Berücksichtigung des Lehrplanes und der Lernenden Entscheidungen über die Unterrichtsziele, Inhalte, Methoden sowie Medien zu treffen (vgl. Terhart 2002, S. 78). 

Da diese Ansätze untereinander sehr verschieden sind, ist ihre wissenschaftstheoretische Zuordnung sehr schwierig. Wichtig ist für das konstruktivistische Denken in der Didaktik, dass Lehrer das Lernen nicht erzeugen, sondern nur anregen können (vgl. Terhart 2002, S. 79). 

2. Lehr-Lern-Forschung 

Die Lehr-Lern-Forschung hat – genauso wie die Allgemeine Didaktik – das Lehren und Lernen in unterschiedlichen Kontexten zum Thema. Lehr-Lern-Forschung kann zusammenfassend als Sammelbegriff für empirische Forschungen gesehen werden, welche sich mit den Mikroprozessen von Unterrichts- und Lehr-Lern-Situationen beschäftigen. Grundsätzlich werden bei der empirischen Lehr-Lern-Forschung sämtliche Aspekte und Prozesse von Lehr-Lern-Lern-Situationen innerhalb und außerhalb institutioneller Kontexte betrachtet, jedoch dominiert de facto immer noch die Beschäftigung mit kognitiven Lernprozessen (vgl. Terhart 2002, S. 79f). 

Der entscheidende Unterschied zwischen der empirischen Lehr-Lern-Forschung und der Allgemeinen Didaktik besteht darin, dass die Lehr-Lern-Forschung ein Forschungsbereich innerhalb der Pädagogischen Psychologie ist. Im Gegensatz dazu ist die Allgemeine Didaktik ein Element des Ausbildungsprozesses von zukünftigen Lehrern. Somit haben die Allgemeine Didaktik und die empirische Lehr-Lern-Forschung zwar einen gemeinsamen Gegenstandsbereich, jedoch ist einerseits der inhaltliche Fragehorizont der Allgemeinen Didaktik weiter als der der Lehr-Lern-Forschung und andererseits die Allgemeine Didaktik - mit all den institutionellen und rechtlichen Folgen - eng in den Kontext der Lehrerbildung eingebunden (vgl. Terhart 2002, S. 80). 

3. Perspektiven für eine produktive Zusammenarbeit von Allgemeiner Didaktik und Lehr-Lern-Forschung 

Quelle

Terhart, E. (2002). Fremde Schwestern. Zum Verhältnis von Allgemeiner Didaktik und empirischer Lehr-Lern-Forschung. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 16, 77-86.


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