Pädagogische Fachzeitschriften 2006

Schüler wollen für die Schule lernen, aber auch etwas anderes tun

Theorien der Lernmotivation in der Pädagogischen Psychologie

Die  Forschung der Lernmotivation stützt sich einerseits auf die sorgfältig ausgearbeitete Theoriebildung und andererseits bzw. gleichzeitig auf die Anwendung von, auf Erfahrung beruhenden Methoden. Lt. dem Autor dieses Textes, wird jedoch ein sehr wichtiger Aspekt im Bereich der Lernmotivation nicht berücksichtigt. Die schulische Lernmotivation wurde in den letzten Jahren durch den gesellschaftlichen Wandel stark geprägt. Lernen ist nur ein Teil des Schüleralltags und andere Ziele zu realisieren wird für Schüler immer wichtiger.
Der Autor unterteilt seinen Beitrag in 4 Abschnitte mit jeweils 1 bis 5 Untertitel, welche ich nun kurz zusammenfassen werde.

1.      „Schüler im kulturellen Umfeld“

Die Mehrheit der Schüler empfindet Schule als lästige Pflicht – Schule ist „nur“ Mittel zum Zweck – um einen Abschluss zu erhalten. Freizeitaktivitäten werden demgegenüber als erfreulich und angenehm angesehen.

Es entsteht eine Konkurrenz zwischen den Zielen die das Wohlbefinden fördern und den schulischen Zielen. Einerseits zwischen Schule und Freizeit und andererseits aber auch im Klassenzimmer, wenn Verhandlungen mit dem Lehrer über Leistungsanforderungen notwendig werden, wenn Freunde die gleiche Klasse besuchen und wenn leistungsorientierte Schüler als Streber ausgegrenzt werden.  

1.1.             „Lernmotivation im Umfeld geänderter gesellschaftlicher Werte“

      Werte sind persönliche Strukturen welche verschieden – abhängig von der Situation – angewendet werden. In den letzten Jahren haben sich diese Werte stark verändert. Diesem Wertewandel unterlagen soziale, wirtschaftliche und auch gesellschaftliche Bedingungen unseres Lebens. (z.B.: der Anstieg des Lebensstandards, Mobilität, usw.)

      Schule war bei den Schülern zwar noch nie wirklich beliebt, jedoch verstärkt der Wertewandel diese Konkurrenz. Das Angebot an alternativen Möglichkeiten um das Wohlbefinden zu steigern nimmt immer mehr zu. Daher wird es immer schwieriger solche Angebote aus dem Gedächnis zu verbannen. 

1.2.             „Lernmotivation bei verlängerter Ausbildungszeit“

      Aufgrund der langen Ausbildungszeiten – mindestens 4 Jahre im Anschluss an die gesetzliche Mindestschuldauer (9 Jahre) – um einen Abschluss zu erhalten, ist der Übergang vom Kind zum Erwachsenen erschwert. Außerdem ist der berufliche Erfolg in weiter Zukunft und aufgrund der verringerten Berufschancen oft unsicher. Schüler sind daher oft Gegenwartsorientiert. (vgl. Hofer, 2004, S. 80)

2.     „Motivationstheorien in der Pädagogischen Psychologie“ 

2.1.              „Die Theorie der Leistungsmotivation und ihre Nachfolgetheorien“

      Grundsätzlich suchen Menschen meistens Situationen auf, die eine Herausforderung sind und Anstrengung bedürfen. Ziel ist es, erfolgreich zu handeln. Um an das Ziel zu gelangen, werden lange Arbeit und Anstrengung in Kauf genommen. (vgl. Hofer, 2004, S. 82) 

2.2.             „Flow, Tätigkeitsanreiz und Interesse“

      Eine weitere Theorie besagt, dass Menschen eher Situationen aufsuchen die ihnen Freude bereiten. Man unterscheidet das Konzept des Tätigkeitsanreizes – Motivation durch positive Gefühle – und die Selbstbestimmungstheorie, welche besagt, dass die Vorraussetzung für motiviertes Handeln die Erfüllung der Bedürfnisse nach Unabhängigkeit, „sozialer Eingebundenheit und Kompetenz ist“. (vgl.Hofer, 2004, S. 83)

2.3.             „Zieltheorien“

      Der Mensch hat mehrere Ziele – Ziele um Zustände zu erreichen, aufrecht zu erhalten oder zu vermeiden. Zustände können Anliegen, Projekte und Bestrebungen sein welche jemand  im Alltag verfolgt und in Zukunft realisieren möchte.
Um Ziele zu erreichen müssen Handlungen koordiniert werden. Dies ist jedoch ein komplexer Vorgang, da eine Durchsetzung oft durch Ressourcenknappheit oder andere Hindernisse erschwert wird. (vgl. Hofer, 2004, S. 83) 

2.4.             „Willenstheorien“

      Sind Ergänzungen zur Zieltheorie – Gegenstand ist die Wahrnehmung der Ziele, die Reaktion und die Vermeidung von Zielkonflikten.

      Der Wille ist der Entschluss am Ende eines Abwägungsprozesses und die Handlungsausführung bei konkurrierenden Impulsen und störenden Ablenkungen. (vgl. Hofer, 2004, S. 84)

3.     „Die Theorie motivationaler Handlungskonflikte“

Es gibt drei Möglichkeiten, wie es zu solchen Konflikten kommen kann:

  1. Die Erreichung mehrere Ziele wird angestrebt
  2. Die Erreichung jeweils nur eines Zieles
  3. Ausschluss eines Zieles um ein anderes zu erreichen

Nur im letzten Fall entsteht ein tatsächlicher Handlungskonflikt, da zu einem bestimmten Zeitpunkt mehrer Tätigkeiten hoch bewertet werden, jedoch aufgrund der Zeit nur die Ausführung einer möglich ist. Auch wenn man sich, auf Kosten einer anderen,  für eine Tätigkeit entscheidet, bleibt der Konflikt weiterhin bestehen. Das Bestreben nach der nicht ausgeführten Tätigkeit stört die ausführende Handlung. Schüler denken z.B.: während dem Lernen an das Computer spielen, da sie auf dieses verzichten mussten. (vgl. Hofer, 2004, S. 85)

4.     „Pädagogische Implikationen“ 

4.1.             „Pädagogische Zielvorstellungen“)

      Lehrer wollen Schüler, die wie oben unter Punkt 3.1. das Erreichen mehrer Ziele anstreben. Welche versuchen so weit es geht, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Außerdem sind Schüler erwünscht, die selbst Prioritäten setzen und so ihre Handlungen steuern und planen können. (vgl. Hofer, 2004, S. 89 

4.2.             „Das Schaffen von Struktur in Pädagogischen Umwelten“

      Dies kann erreicht werden, wenn Schulen und Familien den Schülern helfen. Sei es ihnen Rahmenbedingungen zu schaffen oder beim Lernen zu helfen.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist, wie oben schon erwähnt, die Umwelt. Diese soll neben den schulischen Anforderungen Raum für Wohlbefinden und die Möglichkeit anderen Interessen nachzugehen geben. Dies kann mit Hilfe von Strukturen – geregelten Zeitabläufen -  erreicht werden. (vgl. Hofer, 2004, S. 89) 

4.3.             „Die Förderung der Kompetenz zur Selbstregulation“

      Als Resumé fasst der Autor zusammen, welche Schüler diesem Artikel nach, eine Förderung benötigen: Schüler welche ihr Wohlbefinden als sehr wichtig empfinden jedoch wenig Struktur in ihre außerschulischen Tätigkeiten bringen und aufgrund dessen ihre Ziele schwer verfolgen können. Diese Schüler unterliegen daher oft motivationalen Handlungskonflikten. Ein Willenstraining wäre hier ein Ansatzpunkt:

      Wichtig wären eine Zielformulierung, eine Zielhierarchisierung und die Stärkung der Zielbindung.

      Viele Schulen bieten daher eine Unterstützung von Lernkompetenz bereits an. Diese wird von Schülern gern in Anspruch genommen wird. (vgl. Hofer, 2004, S. 89)

Quelle

Hofer, M. (2004). Schüler wollen für die Schule lernen, aber auch etwas anderes tun. Theorie der Lernmotivation in der Pädagogischen Psychologie.  Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 18.Jg., S. 79 bis 92.


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