Pädagogische Fachzeitschriften 2006

Elmar Souvignier & Judith Mokhlesgerami

Implementation eines Programms zur Vermittlung von Lesestrategien im Deutschunterricht

Grund und Methode der Studie

Die gesamte Studie beruht auf die Frage: Welchen Einfluss haben Lehrermerkmale (Unterrichtsgestaltung, Überzeugung, ...) auf den Lernerfolg der Schüler? Um auf diese Frage eine klare Antwort zu bekommen, musste zuerst eine Methode entwickelt werden, um die Auswirkung diverser Merkmale „messbar“ zu machen.

Bei der Studie hat man sich auf vier Lehrermerkmale festgelegt, die besonders analysiert werden sollten. Die pädagogische Überzeugung der Lehrenden, die Strukturierung des Lernstoffs, die Unterstützung und das Klassenklima waren die vier Kernthemen der Beobachtung. Jedes Merkmal wurde ferner in weitere Unterpunkte gegliedert. Beispielsweise wurde das Merkmal Klassenklima in Übergänge zwischen den Unterrichtsphasen (kurz, lang, reibungslos,...) und Effektivität der Zeitnutzung (Abschweifungen, Nebensächlichkeiten, ...) unterteilt.

Insgesamt haben an der Studie 20 Gymnasialklassen der 5. und 6. Schulstufe in Deutschland teilgenommen. 3 Klassen dienten als Kontrollklassen, daher wurden die Beobachtungen nur in 17 Klassen durchgeführt. Das durchschnittliche Alter der Schüler betrug 10,8 Jahre. Die Programmbeobachtung war freiwillig. Beobachtungsdaten für die Auswertung lagen von 16 Klassen vor, da eine Lehrerin keine Beobachtung zuließ (vgl. Souvignier & Mokhlesgerami 2005, S. 251f).

Das Unterrichtsprogramm, welches für die Studie verwendet wurde, bestand aus einer Kombination von Konzepten selbstregulierten Lernens und Komponenten zur Förderung der motivationalen Selbstregulation. Das Programm umfasste Lesestrategien zur Elaboration, zur Organisation von Texten und metakognitive Strategien wie Umgang mit Textschwierigkeiten. Die Lehrkräfte mussten das Programm nicht wörtlich verfolgen und wurden sogar dazu aufgefordert, Abweichungen vorzunehmen und den Unterricht den Schülern anzupassen. Außerdem mussten die Lehrkräfte über ihre Unterrichtsbeobachtungen Lehrertagebücher verfassen. Die Beobachtungen wurden von studentischen Mitarbeitern durchgeführt. Es wurden insgesamt 55 Unterrichtsstunden beobachtet und analysiert. Die verschiedenen Merkmale wurden mit Hilfe einer siebenstufigen Skala bewertet (-3 bis +3). Umso näher man sich am Programm orientierte, umso mehr wurde man im positiven Teil der Skala bewertet (vgl. Souvignier & Mokhlesgerami 2005, S. 251ff).

Um die Lernerfolge der Schüler feststellen zu können, wurden drei Fragebögen entwickelt, die den Schülern am Ende der dreimonatigen Studie vorgelegt wurden. Diese Fragebögen testeten die Kenntnis von Lesestrategien, das Verständnis von Lesestrategien und die Anwendung von Lesestrategien. 

Ergebnisse und Fazit

Im Artikel werden nur die Ergebnisse der Fragebögen Verständnis und Anwendung von Lesestrategien dargestellt.

Beim Verständnis der Lesestrategien waren die Klassen der Experimentalgruppen gegenüber den Klassen der Kontrollgruppen eindeutig besser. Auch bei der Anwendung von Lesestrategien gibt es ein ähnliches Ergebnis. Die Experimentalklassen sind den Kontrollklassen deutlich überlegen. Bei der Auswertung der Lehrertagebücher wurde festgestellt, dass das Programm in allen 17 Klassen vollständig durchgeführt werden konnte. Es wurden durchschnittliche 18,5 Unterrichtsstunden dafür benötigt. In den Bereichen inhaltliche Nähe und Flexibilität lieferten die Beobachtungen vorwiegend positive Ergebnisse, auch die Unterrichtsqualität und die Überzeugung der Lehrkräfte fiel durchaus positiv aus. Aus den Ergebnissen ist zu erkennen, dass der Leistungserfolg am stärksten von der Motivierungsqualität des Unterrichts abhängt. Je besser es Lehrern gelingt bei den Schülern für Interesse und Aufmerksamkeit zu sorgen, desto höher sind deren Lernerfolge. Die Strukturierung des Lernstoffs, ist ebenfalls ein wirksames Kriterium für den Lernerfolg (vgl. Souvignier & Mokhlesgerami 2005, S. 255ff).

Weniger erwartet, wurde das Ergebnis, dass eine höhere Flexibilität im Umgang mit dem Unterrichtsprogramm zu eher niedrigeren Lernerfolgen führte. Man sollte daher versuchen, im Unterricht ein gewisses Maß an Flexibilität zu bewahren, jedoch nie die Nähe zum Unterrichtskonzept verlieren. Der Unterricht sollte gleichzeitig lehrergesteuert und schülerorientiert sein (vgl. Souvignier & Mokhlesgerami 2005, S.259f).

Quelle

Souvignier, E. Mokhlesgermai, J. (2005). Implementation eines Programms zur Vermittlung von Lesestrategien im Deutschunterricht. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 19, 249-261.


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