Pädagogische Fachzeitschriften 2006

Ball, Juliane; Lohaus, Arnold und Miebach, Christiane

Psychische Anpassung und schulische Leistungen beim Wechsel von der Grundschule zur weiterführenden Schule

Der Wechsel

Immer wiederkehrende alltägliche leistungsbezogene (z.B. erledigen der Hausaufgaben) und soziale Anforderungen (z.B. Streitereien mit Mitschülern) beeinflussen das physische und psychische Wohlbefinden der Jugendlichen. Diese Beeinflussung kann sich positiv (uplifts) und negativ (hassles) auswirken. Ein Schulwechsel führt zu Änderungen der leistungsbezogenen und sozialen Anforderungen. Außerdem befindet sich der Jugendliche in einer neuen, ihm noch nicht bekannten Umgebung. Die genannten Änderungen führen häufig zu der Annahme, dass ein Schulwechsel ein negatives, einschneidendes und belastendes Ereignis im Schülerleben ist. Begründen kann man diese Annahme mit Forschungsbefunden, von denen eine Mehrzahl einen Abfall der Noten beim Schulwechsel belegt. Der oben genannte, forschungstechnisch belegte Leistungsabfall begründet sich hauptsächlich in den veränderten Bewertungsmaßstäben. Das ist aber nicht der einzige Grund. Auch der Bezugsgruppenwechsel spielt eine wichtige Rolle. (vgl. Ball, Lohaus & Meibach, 2006, S. 101f) 

Diese Punkte tragen dazu bei, wie der Jugendliche den Schulwechsel erlebt, wie leistungsbezogene Persönlichkeitsvariablen entwickelt und wie er sich psychisch anpasst. (vgl. Ball, Lohaus & Meibach, 2006, S. 102) 

Uplifts und Hassles

Eine mangelnde psychische Anpassung bzw. Überforderung kann durch externalisierende (z.B. störendes, feindseliges Verhalten) oder internalisierende (z.B. sozialer Rückzug, depressive Stimmung) Symptome sichtbar werden. Generell kann nicht gesagt werden, dass ein Schulwechsel mit all seinen Änderungen (Leistungsanforderungen, …) nicht pauschal zu Problemen führt. Einige Studien zeigen, dass sich ein Schulwechsel auch durchaus positiv auf z.B. Selbstwertgefühl und Kompetenzüberzeugung auswirken können.

Erklären kann man sich die unterschiedlichen Studienergebnisse mit Unterschieden in der Durchführungsmethode, Stichprobeneigenschaften und Zeitpunkt des Schulwechsels. Auch der Zeitpunkt der Erhebung scheint von Bedeutung zu sein. (vgl. Ball, Lohaus & Meibach, 2006, S. 102) 

Unterschied der Geschlechter

Untersuchungen belegen einheitlich, dass Mädchen vermehrt internalisierende Symptome zeigen, Jungen legen mehr externalisierende Verhaltensweisen an den Tag. (vgl. Ball, Lohaus & Meibach, 2006, S. 101f)

Untersuchung

Die über 4 Jahre durchgeführte Untersuchung an 15 deutschen Grundschulen (204 Mädchen und 166 Burschen) ergab erwartungsgemäß, dass Mädchen vermehrt internalisierende Verhaltensweisen zeigen, während bei den Burschen vermehrt externalisierende Symptome beobachtet wurden. Bezüglich der Notenveränderungen konnte keine generelle massive Verschlechterung nach einem Schulwechsel festgestellt werden.

Es lässt sich der durchgeführten Untersuchung allgemein sagen, dass ein Schulwechsel im Durchschnitt eher al entlastendes Ereignis zu sehen ist. Es bleibt aber offen, ob sich die Belastungen weiteren Schulverlauf verstärken. (vgl. Ball, Lohaus & Meibach, 2006, S. 103ff)

Online im Internet

http://www.bmbwk.gv.at/schulen/service/psych/heuteschon.xml (06-11-22)

http://www.schulpsychologie.at/Lernleist.htm (06-11-22)

http://www1.uni-hamburg.de/psych-2/PP/fsmp/TEACH/SLIDES_MS/S05/PP05_IndivUnt2_sw4.pdf (06-11-22)

Quelle

Ball, Juliane; Lohaus, Arnold; Miebach, Christiane; (2006). Psychische Anpassung und schulische Leistungen beim Wechsel von der Grundschule zur weiterführenden Schule.bZeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 35, 101-109


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