Pädagogische Fachzeitschriften 2006

Andreas  Hartinger

Interesse durch Öffnung des Unterrichts – wodurch?

1. Theorie und Fragestellung

Obwohl die Studien zur Thematik Auswirkungen einer Öffnung von Unterricht teils noch sehr abweichend und unvollständig sind,  wird immer wieder betont, dass der Lernzuwachs bei traditionellen Lernformen tendenziell etwas größer sei (vgl. Gruehn 2000 zit. nach Hartinger 2006, S. 273). Fölling-Albers und Hartinger (2002) hingegen heben hervor, dass gerade durch offene Unterrichtsformen Motivation und Interesse der Schüler am Unterricht gestärkt wird. Die Interessensforschung hat gezeigt, dass höheres Interesse längerfristig zu einem tieferen Verständnis der Inhalte führt. (vgl. Hartinger 1997 zit. nach Hartinger 2006, S. 273). 

Die Öffnung des Unterrichts kann auf verschiedene Art und Weise durchgeführt werden. Beispiele dafür sind inhaltliche Öffnung (Themen können frei gewählt werden) oder methodische Öffnung (freie Zeiteinteilung, freie Lernpartnerwahl, Formen der Selbstkorrektur. Voraussetzung dafür ist, dass diese Selbstbestimmungsmöglichkeiten nur innerhalb eines vorgegebenen Rahmens erfolgen können (vgl. Hartinger 2005 zit. nach Hartinger 2006, S. 273 ff).

Die Selbstbestimmungstheorie besagt also, dass die Öffnung von Unterricht zu Selbstbestimmungsempfinden und dies wiederum zu höherem Interesse führt.

Hartinger (2006, S. 274) betont in diesem Zusammenhang jedoch, dass es nicht bei jeder Form der Öffnung auch tatsächlich zum Selbstbestimmungsempfinden kommt.  Zumal ja der Begriff Öffnung des Unterrichts keine allgemeine Definition findet. So kann beispielsweise ein so genanntes Stationstraining als offener Unterricht geführt werden. Hier stellt sich die Frage, ob alleine aufgrund, dass die Schüler nicht an ihrem gewohnten Platz arbeiten, ein Selbstbestimmungsgefühl hervorgerufen wird.

2. Methode

Die Untersuchung wurde anhand einer Stichprobe durchgeführt (ca. 1100 Schüler aus 45 Klassen). Externe Beobachter wurden eingesetzt. Zudem wurden die Schüler über das Selbstbestimmungsempfinden befragt. Das Selbstbestimmungsempfinden sowie das Interesse wurden durch die Schüler anhand einer vierstufigen Likertskala eingeschätzt. Inwieweit die Öffnung des Unterrichts tatsächlich vorhanden war, wurde von erfahrenen Beobachtern anhand eines Beobachtungsbogens festgehalten. (vgl. Hartinger 2006, S. 277)

3. Ergebnisse

Hartinger (2006, S. 280) erklärt, dass die Ergebnisse anhand von drei Mehrebenanalysen dargestellt wurden, d.h. die Ergebnisse werden anhand von 3 Modellen erklärt. Das Ergebnis zeigt beispielsweise, dass sich Mädchen selbstbestimmter fühlen als Jungen und umso größer der Entscheidungsspielraum umso größer auch das Selbstbestimmungsgefühl. Jedoch zeigt das Ergebnis auch, dass abgesehen von der Unterstützung des persönlichen Bedürfnisses nach Selbstbestimmung es keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Öffnung des Unterrichts und dem Interesse gibt.  Es hat sich gezeigt, dass nicht alle Schüler durch Öffnung des Unterrichts Selbstbestimmungsempfinden haben und somit auch ihr Interesse nicht stärken konnten (vgl. Hartringer 2006, S. 283). Genau hier kommen andere Einflussfaktoren zum Tragen. Hartringer (2006, S. 284) betont weiters, dass es genau in diesem Fall dafür zu sorgen ist, dass die Schüler den offenen Unterricht, also die eingeräumten Freiräume auch wirklich wahrnehmen und empfinden können. Nimmt ein Schüler die freien Entscheidungsmöglichkeiten nicht als solche wahr, ist es auch nicht möglich Selbstbestimmungsempfinden zu entwickeln und somit die Motivation wie auch das Interesse zu stärken.

Quelle

Hartringer, A. (2006). Unterrichtswissenschaft. Zeitschrift für Lernforschung, 272-287.


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