Aus Fachzeitschriften

Mechthild Schäfer, Astrid Albrecht

„Wie du mir, so ich dir?“ Prävalenz und Stabilität von Bullying in Grundschulklassen

 

Einleitung

Schikane ist in Schulzeiten weit verbreitet. Viele nationale und internationale Untersuchungen bestätigen, dass Schüler durch andere Mitschüler oftmals systematisch schikaniert werden. Bis jetzt wurden jedoch meist weiterführende Schulen bezüglich Schikane unter Schülern untersucht. Studien zeigen jedoch, dass Bullying schon in viel früheren Schulphasen beginnt. „Die Prävalenzraten für Opfer sind deutlich höher als in der weiterführenden Schule (Smith, Madsen & Moody, 1999), aber die Stabilität der Opferrolle ist deutlich geringer als in der weiterführenden Schule“ (Schäfer & Albrecht 2004, S. 137). Diese Erkenntnis veranlasste Schäfer und Albrecht (2004) anzunehmen, dass Bullying ein fortlaufender Prozess ist, der sich mit der Zeit nur auf wenige geeignete Opfer richtet. (vgl. Schäfer & Albrecht 2004, S. 136f).

Prävalenz und Stabilität von Bullying

Nachfolgend werden jene Kinder als Opfer bezeichnet, die schikaniert wurden. Als Täter werden Schüler bezeichnet die aktiv andere Schüler schikaniert haben. Schüler die schikaniert wurden als auch selbst andere schikaniert haben werden als Opfer/Täter bezeichnet. Studien zeigten, dass „zwischen dem achten und 16ten Lebensjahr […] eine stetige Verringerung der Prävalenzraten für Opfer nachweisbar“ (Schäfer & Albrecht 2004, S. 137) ist, wobei die Prävalenzraten für Täter keinem bestimmten Trend folgen. Festgestellt wurde auch, dass die Stabilität der Opferrolle in Grundschulzeiten gering ist wohingegen in weiterführenden Schulen stabile Opferrollen auftreten. Diese sinkende Prävalenzrate für Opfer in Verbindung mit der steigenden Stabilität der Opferrolle wird durch die Annahme erklärt, dass Bullying ein selektiver Prozess ist der sich schlussendlich auf die Schwächeren konzentriert. (vgl. Schäfer & Albrecht 2004, S. 137ff)

Ziel der Untersuchung

Schäfer und Albrecht (2004) wollten mit ihrem Vorhaben klären ob das Bullying in Grundschulen als systematisch und wiederholend im Bezug auf die Opferrolle zu sehen ist und somit dem Bullying in weiterführenden Schulen entspricht. Weiters wollte man herausfinden, wie schon andere Studien andeuteten, ob die Schikane in Grundschulen hohe Prävalenzraten und niedrige Stabilität aufweist im Gegensatz zu niedrigen Prävalenzraten und hoher Stabilität in weiterführenden Schulen. (vgl. Schäfer & Albrecht 2004, S. 140)

Ergebnis der Untersuchung

Das Ziel der Untersuchung war, Bullying im Grundschulalter zu analysieren sowie die Prävalenz und Stabilität von erlebter und aktiver Schikane zu spezifizieren. Bezüglich der Rollenstabilität konnten nur wenige Kinder zu beiden Messzeitpunkten als reine Opfer bezeichnet werden, wobei auch die Rolle der Täter instabil war. Nur jene, die Opfer/Täter waren, unterlagen dem erhöhten Risiko bei der nächsten Messung wieder Opfer/Täter zu sein. In Übereinstimmung mit der Literatur konnten Schäfer & Albrecht (2004) belegen, dass sich in Grundschulen keine hohe Stabilität der Opferrolle herauskristallisiert. Auch bei den Prävalenzraten konnte man schlussendlich feststellen, dass diese sich mit europäischen Vergleichswerten deckten – also im Gegensatz zu weiterführenden Schulen, hoch waren. (vgl. Schäfer & Albrecht 2004, S. 144f)

Schlussfolgerungen

„Latent hohe Prävalenzraten für Opfer, aber eine äußerst geringe Stabilität der Opferrolle und eine bemerkenswerte Assoziation von erlebter und aktiver Schikane“ (Schäfer & Albrecht 2004, S. 147) prägen das Bild von Bullying in Grundschulen. Diese hohe Prävalenzrate für Opfer und die niedrige Stabilität der Opferrolle liegt in den limitierten Fähigkeiten der Grundschüler, Dominanzstrukturen und Beziehungsnetze aufzubauen und aufrechtzuerhalten, begründet. Diese Tatsache impliziert, dass sich der Achtungsgewinn vor Mitschülern jeden Tag aufs Neue entscheidet. Somit ist ein direkter Vergleich von Bullying in Grundschulen und Bullying in weiterführenden Schulen nicht zielführend. (vgl. Schäfer & Albrecht 2004, S. 147f)

Siehe auch Bullying

Quelle

Schäfer, M. Albrecht, A. (2004). „Wie du mir, so ich dir?“ Prävalenz von Bullying in Grundschulklassen. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 51, 136-150.


Zu weiteren Fachartikeln - Diesen Artikel diskutieren



quellenangaben ::: impressumstangl.eu