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Sandra Sikorski

Differenzierungsprozesse in städtischen Schullandschaften: Das Beispiel der Hauptschule

1. Einleitung

Die Folgen des demografischen Wandels zeigen sich in ländlichen und städtischen Räumen nicht unbedingt auf die gleiche Weise: in ländlichen Gebieten sind Schulen vom Bevölkerungsrückgang geprägt während in städtischen Gebieten neben dem Bevölkerungsrückgang auch regionale Wanderungsbewegungen und internationaler Zuzug von Bedeutung sind. Die daraus resultierenden Segregationsprozesse wirken sich auch auf die lokalen Schulangebotsstrukturen aus, besonders betroffen davon ist das Hauptschulangebot und ihr Stellenwert (vgl. Sikorski 2007, 284).

In diesem Artikel sollen nun die Differenzierungsprozesse innerhalb städtischer Hauptschullandschaften analysiert werden. Nun stellt sich die Frage wie man die Schüler zusammensetzt, die aufgrund des Schülerrückgangs sowieso übrig sind. Die Aufgabe der Hauptschulen ist es, Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Herkunftsmerkmalen zu integrieren. Dabei hilft diese Schulform den anderen Schulformen wie Gymnasium oder Realschule, da Hauptschulen als „Sammelbecken“ für Absteiger Wechsler gelten. Aus diesem Grund kommt es in Hauptschulen mittels Klassenwiederholungen zu einer sehr leistungsheterogenen, aber auch sozial und ethnisch homogenen Schülerpopulation. In diesem Artikel soll nun untersucht werden, wie der Umgang von Hauptschulen in zwei unterschiedlichen städtischen Kontexten mit den beschriebenen Rahmenbedingungen aussieht (vgl. Sikorski 2007, 285).

2. Differenzierungsprozesse städtischer Hauptschulen

Die Untersuchungen basieren auf den jährlichen Erhebungen der amtlichen Schulstatistik in NRW für das Schuljahr 2004/05 in Bochum und Münster. Berücksichtigt werden sowohl die Aufnahme als auch die Abgabe von Schülern durch die betroffenen Hauptschulen (vgl. Sikorski 2007, 286f).

Beide Städte weisen unterschiedliche Kontextbedingungen auf, die sich auf die Übergänge von Grundschulen zu Hauptschulen auswirken: In Bochum ist eine der neun Hauptschulen eine katholische Konfessionsschule und somit kann diese Schule ihre Schüler ohne Beachtung des Schuleinzugsbereich auswählen; in Münster hingegen gelten alle acht Hauptschulen als Gemeinschaftshauptschule und außerdem gibt es keine Schuleinzugsbereiche. Aufgrund dieser unterschiedlichen schulpolitischen Strategien lassen sich Hauptschulen in Stadtteilschulen, Sammelschulen und Vorortschulen einteilen (vgl. Sikorski 2007, 287f).

Daraus folgend kann man drei Hauptschulen in Münster als Sammelschule bezeichnen, da dort Schüler von vielen Grundschulen aufgenommen werden, beispielsweise kann es so zu einem großen Anteil ausländischer Schüler kommen. Zwei weitere Hauptschulen gelten als Stadtteilschulen, da hier die Schüler fast ausschließlich aus dem eigenen Stadtviertel kommen. Die übrigen drei  können als Vororthauptschule charakterisiert werden, welche in Randbezirken des Stadtgebietes liegen und wo die Schüler aus dem eigenen Stadtbezirk kommen, aber auch aus exurbanen Gemeinden der angrenzenden Kreise (vgl. Sikorski 2007, 288).

In Bochum kommen Schüler aufgrund der Existenz von Schuleinzugsbereichen meist aus dem eigenen Stadtteil bzw. Stadtbezirk. Vier Hauptschulen können als Stadtteilschulen bezeichnet werden, vier weitere als Vorortsschulen und die städtisch-katholische Hauptschule kann als Sammelschule charakterisiert werden. Diese Schule weist den niedrigsten Migrantenanteil auf (vgl. Sikorski 2007, 288f).

Auch das Angebot an Gesamtschulen wirkt sich in beiden Städten folgenreich aus: In Bochum wurden in den letzten Jahrzehnten sechs Gesamtschulen eingereichtet, in Münster hingegen nur eine, die ihre Schuler auswählen kann, da sie sich in der Trägerschaft des Bistums befindet. In Bochum wechseln ca. 40 % der von den Hauptschul-Abgängern in die gymnasiale Oberstufe, davon mehr als die Hälfte in die Oberstufe der Gesamtschulen. In Münster werden hauptsächlich Wechsel zu Realschulen aufgewiesen; wahrscheinlich fehlt es hier an Integrationsmöglichkeiten der Gesamtschulen. Eine Folge darauf ist der in Bochum deutlich höhere Anteil der Schüler, die in höher qualifizierende Schulformen übergehen: immerhin 53,9 % im Vergleich zu 28,6 % in Münster. Dafür ist der Anteil der Absteiger in Münster niedriger: 48,6 % im Vergleich zu 66,7 % in Bochum. Dies liegt vor allem am Austausch mit Förderschulen in Münster (vgl. Sikorski 2007, 290f).

Ein weiterer Aspekt der Untersuchung war die informelle „Aufgabenteilung“ zwischen den einzelnen Hauptschulen; diese können in die folgenden Gruppen unterteilt werden: Schüler mit Migrationshintergrund, nicht versetzte Schüler und Schüler anderer Sekundarschüler (vgl. Sikorski 2007, 292ff).

3. Fazit
Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind aufschlussreich für lokale Schulentwicklungsforschung und –politik: In beiden Städten weisen die Hauptschulen Arbeitsteilung auf und man kann nicht mehr von der Hauptschule sprechen, da jede Hauptschule bestimmte Aufgaben übernimmt.

Quelle

Sikorski, S. (2007). Differenzierungsprozesse in städtischen Schullandschaften: Das Beispiel der Hauptschulen. Zeitschrift für Pädagogik, 2007, 284-298.

 


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