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Laut Untersuchungen beeinflusst ein Verbot von Körperstrafen in der Erziehung auch die Einstellung zur Gewalt positiv. Nach Schweden (1979) haben weitere zehn Länder, darunter auch Österreich, per Gesetz jede körperliche Bestrafung von Kindern verboten. Durch zusätzliche Informationskampagnen erzielte man in Schweden gute Erfolge. Gleichzeitig gingen bei Jugendlichen der Drogenkonsum, gewalttätige Angriffe auf andere und die Selbstmordrate zurück (vgl. Kuntsche & Wicki 2004, S. 189f).
Bei Kindern, die auf Grund von Verhaltensstörungen erhöhte Ansprüche an die erzieherischen Fähigkeiten der Eltern stellen, wird häufiger körperliche Gewalt angewendet. Wenn Kinder auf Strafe mit Trotz und Eltern darauf wieder mit Strafen reagieren, entwickelt sich aus den wechselseitigen Einflüssen ein Teufelskreis. Elterliche Gewalt führt zwar im Moment zu Gehorsam, jedoch im Nachhinein zu Verhaltensweisen wie gesteigerte Aggression oder Verschlechterung der Eltern-Kind-Beziehung. Viele Nachwirkungen zeigen sich auch noch im Erwachsenenalter (vgl. Kuntsche & Wicki 2004, S190f).
Das „Modelllernen“ bewirkt, dass sich gewalttätige Verhaltensweisen auch in der nächsten Generation fortsetzen und Eltern, die als Kinder misshandelt wurden, die Körperstrafe als Erziehungsmethode unterstützen. Bei Alkohol- und Drogenproblemen, bei finanziellen Schwierigkeiten oder beim Fehlen eines sozialen Umfeldes können Eltern an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stoßen und greifen zu gewaltsamen Mitteln. Die Schweiz beschloss daher 1996 finanzielle Mittel zur Finanzierung von präventiven Maßnahmen zur Verfügung zu stellen (vgl. Kuntsche & Wicki 2004, S. 191f).
1998 brachte eine durchgeführte Befragung von Schulkindern zwischen 11 und 16 Jahren folgende Ergebnisse: Die Elterliche Gewaltanwendung nimmt mit fortschreitendem Alter der Schüler ab. (vgl. Kuntsche & Wicki 2004, S. 192).
Das Ziel der Studie war, folgenden Fragen nachzugehen: Hat die Gewaltausübung gegenüber Kindern von 1998 bis 2002 abgenommen? Inwieweit besteht ein Zusammenhang zwischen dem Gewaltverhalten der Eltern und Ausübung von Gewalt bei Jugendlichen und hat sich dieser Zusammenhang verändert? Hat sich die intergenerationale Weitergabe von Gewalt innerhalb dieses Zeitraums verändert (vgl. Kuntsche & Wicki 2004, S. 192)?
In beiden Jahren kam verbale Gewalt bei etwa ¾ der 11-16-Jährigen am häufigsten vor. Von physischer Gewalt betroffen waren nur rund 27 % der 11-Jährigen und 6 % der 16-Jährigen. Verbale Gewalt hat im Vergleich zwischen den Erhebungsjahren signifikant abgenommen. Der Anteil der Jugendlichen, der unter physischer Gewaltausübung leidet, ist ungefähr gleich geblieben und hat sich bei den 16-jährigen Jungen sogar erhöht (vgl. Kuntsche & Wicki 2004, S. 194f).
Die Untersuchungen ergaben, dass das wahrgenommene Gewaltverhalten der Eltern mit der Häufigkeit, mit der die betroffenen Jugendlichen gegen ihre Mitschüler gewalttätig werden, zusammenhängt. Zwischen 1989 und 2002 hat sich dieser Zusammenhang sogar erhöht. Besonders ausgeprägt war die Zunahme bei den Jungen (vgl. Kuntsche & Wicki 2004, S. 196).
Die Befunde beider Erhebungswellen sprechen für eine Transmission aggressiver Verhaltensweisen von den Eltern auf die nächste Generation. Das beweist auch die Übereinstimmung der Schweizer Studie mit Studien aus Deutschland und den USA. Kinder aus betroffenen Familien übernehmen die Verhaltensweisen der Eltern und wenden sie an ihren Kindern an (vgl. Kuntsche & Wicki 2004, S. 197f).
Kuntsche, E. N. & Wikki, M. (2004). Wenn Eltern ihre Kinder schlagen – Veränderungen elterlicher Gewaltanwendung und Zusammenhänge mit dem Gewaltverhalten Jugendlicher von 1998 bis 2002 in der Schweiz. Psychologie in Erziehung und Unterricht (51, S. 189-200). München, Basel: Ernst Reinhardt Verlag