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Jürgen Raithel

Erziehungserfahrungen und Lebensstile Jugendlicher

Einleitung
Dieser Zeitungsartikel behandelt den Zusammenhang zwischen Erziehungserfahrungen und Lebensstilen Jugendlicher. Voraussetzung dafür ist die Überzeugung, dass die elterliche Erziehung Einfluss auf die Entwicklung der Kinder und somit auf deren späteren Lebensstil hat (vgl. Raithel 2005, S. 568).
Methode
Als Datengrundlage für die Untersuchung dienen die Aussagen von 608 Schülerinnen und Schülern zwischen 15 und 18 Jahren (vgl. Raithel 2005, S. 571).
Operationalisierungen
Bezüglich ihrer persönlichen Erziehungserfahrungen wurde zwischen vier verschiedenen Erziehungsstilen unterschieden: dem sanktionierenden Stil, bei dem häufig Strafen wie Hausarrest oder Taschengeldkürzung oder sogar Ohrfeigen als Erziehungsmethode angewandt werden, dem empathischen Erziehungsstil, der unter anderem das Trösten, Lieb haben, Beruhigen und Loben der Kinder durch die Eltern beinhaltet, dem inkonsistenten Stil, der durch Abstimmungsprobleme zwischen den beiden Elternteilen gekennzeichnet ist, und dem gleichgültigen Erziehungsstil, bei dem es den Eltern egal ist, was das Kind macht (vgl. Raithel 2005, S. 572).
Die Lebensstile der Jugendlichen werden über expressiv-ästhetische Verhaltensweisen in sechs Performanzbereiche operationalisiert: Freizeitverhalten, Kleidungsstil, Musikstil, Einrichtungsstil, Filmkonsum und Zeitschriftenkonsum. Daraus lassen sich vier verschiedene Lebensstile ableiten: der hochkulturelle Lebensstil, der darstellende Lebensstil, der zurückhaltende Lebensstil und der hedonistische Lebensstil(vgl. Raithel 2005, S. 572ff).
Über Erziehungserfahrungen und Lebensstile hinaus werden das gesundheitsrelevante/-riskante Verhalten und das delinquente Verhalten für die Untersuchung herangezogen sowie Geschlecht und Schulausbildung der Jugendlichen und Eltern als soziodemographische und soziostrukturelle Merkmale verwendet (vgl. Raithel 2005, S. 572f).
Ergebnisse und Diskussion
Bei der Auswertung der gesammelten Informationen kommt man zu dem Ergebnis, dass ein empathisches Erziehungsverhalten häufig zu einem hochkulturellen Lebensstil der Jugendlichen führt. Dieser Lebensstil mit ausgesprochen hohem Mädchen- und Gymnasiastenanteil beschäftigt sich in der Freizeit gerne mit Kulturgütern und hört anspruchsvolle Musik. Die Jugendlichen verhalten sich gesundheitsförderlich und lehnen delinquentes und gesundheitsriskantes Verhalten ab (vgl. Raithel 2005, S. 575 ff).
Der sanktionierende Erziehungsstil bewirkt häufig einen hedonistischen Lebensstil. Diese jungen- und hauptschuldominante Lebensstilgruppe geht in der Freizeit gerne aus, lehnt hingegen kulturelle Aktivitäten strikt ab, präferiert Filme des Actionformats und liest männerthematische Zeitschriften sowie Fachzeitschriften. Darüber hinaus führt die sanktionierende Erziehung der Eltern zur größten Delinquenzbelastung und am häufigsten zum gesundheitlichen Risikoverhalten von Jugendlichen. Hedonistische Jugendliche kommen meist aus einem „hinsichtlich Sozioökonomie und Bildung schwachen herkunftsfamiliären Milieu, in welchem aufgrund entsprechender Mentalität, angespannter finanzieller Situation und eines konflikthaften Beziehungsklimas“ (Raithel 2005, S. 579) eine strenge Erziehung vorherrscht (vgl. Raithel 2005, S. 577ff).
Die beiden weiteren Lebensstile, der darstellende und der zurückhaltende Lebensstil, liegen betreffend Erziehungserfahrungen, Risikoverhaltensweisen und Soziodemographie zwischen den beiden Extrema des hedonistischen und hochkulturellen Lebensstils (vgl. Raithel 2005, S. 580).
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass die elterliche Erziehung großteils vom kulturellen Kapital der Familie abhängig ist, welches aus dem sozioökonomischen Status, dem elterlichen Verhalten und deren Mentalität besteht. Der Lebensstil der Jugendlichen wiederum entwickelt sich aus diesen soziostrukturellen Bedingungen sowie aus individuellen Neigungen und Wahlhandlungen (vgl. Raithel 2005, S. 580).

 

Quelle

Raithel, Jürgen (2005). Erziehungserfahrungen und Lebensstile Jugendlicher. Zeitschrift für Pädagogik, 51, 568-581.

 


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