Aus der Lehre … Pädagogische Fachzeitschriften 2007

Kitze, K.; Hinz, A.; Brähler, E.

Das elterliche Erziehungsverhalten in der Erinnerung erwachsener Geschwister

In dem von mir behandelten Artikel „Das elterliche Erziehungsverhalten in der Erinnerung erwachsener Geschwister“ wird eine Studie beschrieben, die das Erziehungsverhalten der Eltern in Erinnerung der erwachsenen Geschwister beschreibt. In dem Text werden die unterschiedlichen Empfindungen der Erziehung von dem jeweiligen Elternteil bzw. der Geschwisterkonstellationen beleuchtet. Weiters gehen die Autoren auf das abweichende Erziehungsverhalten der Eltern ein, wenn ihre Kinder mit unterschiedlichen Altersabständen geboren werden.

Das Erziehungsverhalten

Primär ist zu bemerken, dass die eigenen Erfahrungen mit der Familie für das gesamte weitere Leben von großer Bedeutung sind. Hier spielt vor allem auch das Erziehungsverhalten der Eltern eine wichtige Rolle, da die elterlichen Erziehungsmethoden einen Einfluss auf den späteren Charakter und den Umgang mit anderen Menschen haben. Die Erlebnisse in der Kindheit prägen den Menschen weit über die Jugendzeit hinaus. Die Eltern müssen sich dessen bewusst sein, dass wiederum ihre eigenen Erfahrungen mit ihren Eltern eine Auswirkung auf ihre Kinder haben (vgl. Kitze, Hinz, Brähler, 2007, S. 59).

Das Erziehungsverhalten wird in die drei folgenden Kategorien eingeteilt: „Zuwendung vs. Zurückweisung“, „Kontrolle vs. Autonomie“ und „Strenge“ (vgl. Kitze, Hinz, Brähler, 2007, S. 60).

Geschwister und Erziehung

Bedford beschreibt die Geschwistererziehung als die in der Regel am längsten andauernde menschliche Beziehung, wobei die Geschwister untereinander oftmals das Verhalten der Eltern imitieren und das beobachtete Verhalten den Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung der Persönlichkeit des Kindes darstellt (vgl. Kitze, Hinz, Brähler, 2007, S. 60).

Obwohl sich Geschwister in etwa 50 Prozent ihrer Gene teilen, unterscheiden sie sich diese allerdings in geistigen Fähigkeiten und Persönlichkeitseigenschaften enorm. Es wurde erforscht, dass das Verhalten der Eltern dem Kind gegenüber von Geschlecht, Temperament und Alter abhängig ist. Des Weiteren ist belegt, dass das erstgeborene Kind ein höheres Maß an Strenge und Zurückhaltung zu spüren bekommt. Begründet wird dies durch die begrenzte Vorstellung und die hohen Erwartungen. Besonders schwierig ist es für Frauen, in der Mutterrolle Sicherheit und keine Ängstlichkeit zu empfinden (vgl. Kitze, Hinz, Brähler, 2007, S. 60f.).

Ebenfalls wurde über das Erziehungsverhalten bei Geschwistern in Bezug auf den Altersunterschied geforscht. Dabei wurde bemerkt, dass Geschwister mit einem Alterunterschied von sechs oder mehr als sechs Jahren als „keine vollen Geschwister“ betrachtet werden, denn diese gehören dann schon verschiedenen Generationen an. (vgl. Kitze, Hinz, Brähler, 2007, S. 62).

Während der Forschungszeit wurde auch ein Fragebogen, bei dem Daten von 112 Geschwisterpaaren im Alter von 18 bis 72 Jahren eingeholt wurden, ausgewertet. Der Fragebogen wurde zum „erinnerten elterlichen Erziehungsverhalten (FEE)“ und die Sence of Coherence Scale – Leipziger Kurzskala (SOC) eingesetzt (vgl. Kitze, Hinz, Brähler, 2007, S. 62).

Bei der Auswertung hat sich herauskristallisiert, dass die Anzahl der Geschwister einen bedeutenden Einflussfaktor auf die emotionale Wärme der Eltern und der Kinder darstellt, wobei jüngere Geschwister ihre Mütter als emotional wärmer beschreiben. Es hat sich auch gezeigt, dass die Empfindung der elterlichen Erziehung auch geschlechtsabhängig ist, denn gleichgeschlechtliche Geschwisterpaare beschreiben diese ähnlicher. Jedoch ist abschließend zu bemerken, dass Position der Geschwister keinerlei Wirkung auf das „erinnerte elterliche Erziehverhalten“ hat. Es steht nun in Diskussion, ob die Eltern ihre Kinder tatsächlich unterschiedlich erzogen haben, da hier die Beurteilung stark abweicht (vgl. Kitze, Hinz, Brähler, 2007, S.63-69).

Abstract

Der nachstehende Artikel handelt von dem elterlichen Erziehungsverhalten in Erinnerung der erwachsenen Geschwister. Hier werden Unterschiede der Empfindungen der Erziehung von Vater und Mutter bzw. der Geschwisterkonstellation aufgezeigt. Es wird auch auf die Erziehung von Geschwistern mit unterschiedlichen Altersabständen eingegangen.

Das Erziehungsverhalten

Im Leben eines jeden Menschen spielt die Familie eine prägende Rolle im Leben. Die Herausbildung individueller Persönlichkeitsmerkmale und Einstellungen wird von den elterlichen Erziehungspraktiken geprägt. Sie beeinflusst das Leben eines Menschen weit über Kindheit und Jugend hinaus. Von Bedeutung sind dabei das Wissen der Eltern und auch die Erfahrung der Eltern mit ihren eigenen Erziehern (vgl. Kitze, Hinz, Brähler, 2007, S. 59).

Das Erziehungsverhalten lässt sich in drei Faktoren untergliedern. Diese sind „Zuwendung vs. Zurückweisung“, „Kontrolle vs. Autonomie“ und „Strenge“ (vgl. Kitze, Hinz, Brähler, 2007, S. 60).

Geschwister und Erziehung

Die Geschwisterbeziehung wird als die in der Regel am längsten währende, unaufkündbare, annähernd egalitäre menschliche Beziehung bezeichnet. Aufgrund des Einflusses der Eltern werden deren Verhalten und Einstellungen von Kindern oft übernommen. Dies stellt die Ausgangsbasis für die Weiterentwicklung des eigenen Verhaltens und Denkens dar (vgl. Kitze, Hinz, Brähler, 2007, S. 60).

Es wurde beobachtet, dass Eltern gegenüber ihrem ersten Kind ein strengeres und emotional zurückhaltendes Verhalten aufzeigen. Dies wird durch die engen Vorstellungen und hohen Erwartungen begründet. Verstärkt wurde dieses Verhalten bei Müttern, aufgrund von Unsicherheit und Ängstlichkeit bezogen auf die Mutterrolle, begründet. Weiters wurde herausgefunden, dass bei einer größeren Zahl von Geschwistern es eine geringere emotionale Wärme und Überprotektion der Eltern gibt. Jeder Elternteil hat einen härteren und energischeren Umgang mit dem Kind des eigenen Geschlechts. Wo dem Kind des eigenen Geschlechts höhere Forderungen gestellt werden, geht jeder Elternteil mit dem Kind des anderen Geschlechts nachsichtiger um. Es treten jedoch wiederum Unterschiede auf. Söhne erleben zwar Väter emotional kühler als Töchter, aber Töchter ihre Mutter nicht strenger und kühler als die Söhne. Es ist erwiesen, dass Eltern mehr Zeit mit verschiedengeschlechtlichen Geschwistern verbringen, diese aber inkonsequenter behandeln, als gleichgeschlechtliche (vgl. Kitze, Hinz, Brähler, 2007, S. 61).

Beobachtet wurde auch das Erziehungsverhalten bei Geschwistern bezogen auf den Altersunterschied. Geschwister mit einem Alterunterschied von sechs oder mehr als sechs Jahren werden als keine vollen Geschwister gesehen, sondern gehören schon verschiedenen Generationen an (vgl. Kitze, Hinz, Brähler, 2007, S. 62).

Weiters wurden Berechnungen, bei denen Daten von 112 Geschwisterpaaren im Alter von 18 bis 72 Jahren verwendet wurden, durchgeführt. Hier wurden der Fragebogen zum erinnerten elterlichen Erziehungsverhalten (FEE) und die Sence of Coherence Scale – Leipziger Kurzskala (SOC) eingesetzt. Dabei hat sich ergeben, dass die Gesamtzahl der Geschwister einen großen Einfluss auf die emotionale Wärme der Eltern hat. Dabei empfanden jüngere Geschwister ihre Mutter als emotional wärmer. Weiters kam zum Vorschein, dass gleichgeschlechtliche Geschwisterpaare die elterliche Erziehung gleicher empfinden, als gemischt geschlechtliche Geschwister. Noch zu erwähnen ist, dass die Geschwisterposition keinen Einfluss auf das erinnerte Erziehverhalten der Eltern hat (vgl. Kitze, Hinz, Brähler, 2007, S. 62-68).

Im nachstehenden Artikel geht es um die Überprüfung von Hypothesen betreffend der Einflüsse und Gründe des elterlichen Erziehungsverhaltens. Hierbei wurde imzuge einer quantitativen Erhebung die Verifizierung sowie Falsifizierung gültiger Hypothesen durchgeführt um als Ziel Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen Geschwistern in der Erinnerung an das elterliche Erziehungsverhalten wieder zu spiegeln.

Theoretische Hintergründe

Die Familie spielt in Leben eines Menschen eine prägende Rolle. Besonders individuelle Persönlichkeitsmerkmale werden in dieser Umgebung gebildet, welche den Menschen weit über seine Kindheit und Jugend hinaus beeinflussen. Hierbei kommt es zur Interaktion zwischen Eltern und Kindern, welche sich als elterliches Erziehungsverhalten bezeichnet. Die hier Wirkenden Interaktionskräfte lassen sich in folgende Faktoren untergliedern „Zuwendung v. Zurückweisung“, Kontrolle vs. Autonomie“ und „Strenge“.

Hierbei kommt es zu verschiedensten Zusammenhangshypothesen, welche sich wie folgt definieren:

H1:Die Unterschiede zwischen Geschwistern sind in bedeutsamem Masse auf nicht geteilte Umwelteinflüsse zurückzuführen.

H2: Geschwister unterscheiden sich trotz ihrer durchschnittlichen 50 Prozentigen genetischen Gleichheit voneinander. Somit bedarf es einer Fokussierung auf die genetischen Eigenschaften der Geschwister und nicht der nicht Genetischen.

H3: Erstgeborene werden strenger, restriktiver und emotional zurückhaltender behandelt als Nachgeborene.

H4: Je großer die Zahl von Geschwistern desto geringer die emotionale Wärme.

H5: Eltern verbringen mehr zeit mit verschiedengeschlechtige Geschwistern behandeln sie jedoch inkonsequenter.

Quantitative Befragungszusammenhänge

Grundlage für die quantitative Befragung bildeten 112 Geschwisterpaare im Alter von 18 bis 72 Jahren.  Hierbei wurde als Untersuchungsinstrument der Fragebogen zum erinnerten elterlichen Erziehungsverhalten (FEE) und die Sence of Coherence Scale – Leipziger Kurzskala (SOC) eingesetzt. Der FEE stellt die deutsche Version des EMBU – Fragebogens dar. Die überaus erfreulich hohe Rücklaufquote von 61 Prozent ermöglicht eine überaus hohe Stichprobe, welche jedoch nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass die erlangten Ergebnisse nicht repräsentativ sind. Grund dafür bietet die asymmetrische Gewichtung von Töchtern und westdeutschen Teilnehmern in der Grundgesamtheit. Die aus der Untersuchung hervorgegangenen Ergebnisse beweisen jedoch, dass:

  1. jüngere Geschwister ihre Mutter emotional wärmer in Erinnerung haben
  2. gleichegeschlechtige Geschwisterpaare beurteilen die elterliche Erziehung gleicher, als      gemischt geschlechtige Geschwister.
  3. Die Geschwisterposition hat keinen Einfluss auf das erinnerte elterliche Erziehungsverhalten
  4. Die Gesamtzahl der Geschwister hat einen hohen Einfluss auf die „Emotionale Wärme“
  5. Geschwister mit geringem Altersabstand erleben ihre Mutter als kontrollierender und übermassig beschützend als Geschwister mit größerem Altersabstand

Wie schon eingangsdiskutiert, gibt es belege für die Unterschiedlichkeit von Geschwistern[7] somit ergibt sich die Unterschiedliche Erinnerung an die Erziehung. Aus dieser wenig übereinstimmenden Erziehungserinnerung kann das Erziehungsverhaltes somit zu den nicht geteilten Umwelteinflüssen im sinne des Konzeptes „non-shared environment“ gezählt werden. Maßgebliche Einflussfaktoren bilden hierbei Hypothesenbestätigungen Geschwisterkonstellation – Geschwisterposition, Geschwisterzahl und Altersdifferenz.

Literatur:

Adler, A. (1976). Kindererziehung. Deutsche Erstausgabe. Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag.

Dunn, J., et al.(1996). Warum Geschwister so verschieden sind. Stuttgart: Klett-Cotta.

Elder, G. H. (1962). Structural variations in the child rering relationshio. Sociometry. 25 S.241 ff.

Perris. C., et al. (1986). Perceived depreiving parental rearing and depression.British Journal of Psychiatry, 148, S. 170 ff.

Rowe, D. C., et al. (1981) The importance of nonsharede (E1) environmental influences in behavioural development. Developmental Psychology, 17, S. 517 ff.

Schneewind, K. A.., et al. (1980). Erziehungsstilforschung. Bern: Hans Huber Verlag.

Trautner, H.M. (1994). Geschlechterspezifische Erziehung und Sozialisation (S. 167 ff). In Enzyklopädie der Psychologie – Pädagogische Psychologie, Bd. 1.

Quelle

Kitze, K. Hinz, A. & Brähler, E. (2007). Das elterliche Erziehungsverhalten in der Erinnerung erwachsener Geschwister. Psychologie in Erziehung und Unterricht (S.59-70).


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