Aus Psychologischen Fachzeitschriften

Familien mit Jugendlichen: Familiäre Unterstützungsbeziehungen und Familientypen 

In den letzten Jahren verläuft die Forschung dahin, das komplexe System Familie als Beziehungsgeflecht zu erforschen und nicht bloß Einzelbeziehungen zu betrachten. Grund für diese Entwicklung ist die Variation der verschiedenen Einzelbeziehungen je nach Einfluss weiterer Faktoren. 

Um den Zusammenhang der Beziehungen analysieren zu können, wurde die Clusteranalyse geschaffen, mit Hilfe derer man Familien typisieren und die Bedeutung der Beziehungen für die einzelnen Familienmitglieder messen kann. Unter Verwendung dieser Forschungsmethode wurde schon häufig die wahrgenommene Unterstützung des Einzelnen ergründet. 

1995 teilten van Lieshout und van Aken, um die Qualität der Beziehungen beschreiben zu können, die wahrgenommenen Unterstützungsbeziehungen zwischen Kinder bzw. Jugendlichen und deren Eltern in 4 Arten ein:

Ein weiteres wichtiges Kriterium zur Beurteilung der Unterstützung ist die Akzeptanz durch den Partner. 

Die Studie von Schauerte, Branje und Aken baut auf diesen Grundlagen auf, da die wahrgenommene Unterstützung Einzelner für das Familienleben von entscheidender Bedeutung ist. 

Bei der Analyse des Problemverhaltens und Wohlbefindens der Familienmitglieder wurde zuerst die wahrgenommene Unterstützung der einzelnen Familienmitglieder erfasst und dadurch die Bedeutung für die gesamte Familie abgeleitet.

Ablauf und die Ergebnisse der Studie

288 niederländische Familien, bei denen zwei Kinder zwischen 11 und 15 Jahren vorhanden waren, mussten einen umfangreichen Fragenkatalog ausfüllen. Dabei sollte jeder Einzelne die wahrgenommene Unterstützung durch die Familienmitglieder beurteilen. Bei dieser Analyse kamen die 4 oben erwähnten Arten der Unterstützungsbeziehungen und die Akzeptanz von van Lieshout und van Aken ins Spiel. Auf diese Ergebnisse aufbauend wollten die Forscher auch das Problemverhalten und Wohlbefinden der Familienmitglieder unter die Lupe nehmen. Für diesen Zweck wurden die Teilnehmer gebeten, alle Familienmitglieder unter Zuhilfenahme von Eigenschaften zu beschreiben und das allgemeine Wohlbefinden der Familie einzuschätzen. 

Dann wurden die Werte hinsichtlich der wahrgenommenen Unterstützung des jüngsten Kindes, des ältesten Kindes, der Mutter und des Vaters untersucht und in 6 Typen eingeteilt: 

Familientyp

I

II

III

IV

V

VI

positive Unterstützung

Mutter

ältestes Kind

Vater

ältestes Kind

jüngstes Kind

Vater

Mutter

ältestes Kind

jüngstes Kind

Vater

Mutter

Mutter

ältestes Kind

jüngstes Kind

 

negative Unterstützung

Vater

jüngstes Kind

Mutter

 

ältestes Kind

jüngstes Kind

Vater

Vater

Mutter

ältestes Kind

jüngstes Kind

Anteil an Stichprobe in %

18

34

14

11

14

10

 

Bei dieser Einteilung konnten keine Unterschiede zwischen Geschlecht und Alter der Geschwister und Eltern festgestellt werden. 

Bezugnehmend auf das Problemverhalten und Wohlbefinden ergab die Studie, dass diese Faktoren nur bei Typ III und VI auffällig waren. Familientyp III hatte ein höheres Wohlbefinden und ein niedrigeres Problemverhalten als die anderen Gruppen, bei Familientyp VI war dies genau umgekehrt. 

Vergleicht man zum Beispiel die Unterstützung des Vaters bei II bzw. IV und I bzw. V, so konnten keine Auffälligkeiten des Vaters in Zusammenhang mit den unterschiedlichen Ergebnissen gebracht werden. Resultierend aus diesem Ergebnis ist die wahrgenommen Unterstützung und somit das Problemverhalten und Wohlbefinden einer Person von nicht so großer Bedeutung als jene der gesamten Familie.

Quelle

Schauerte, C. Branje, S. Aken, M. (2003). Familien mit Jugendlichen. Familiäre Unterstützungsbeziehungen und Familientypen. In H. Rauh, E. Hany, A. Krapp, S. Walper, Psychologie in Erziehung und Unterricht. (129-142). München: Ernst Reinhardt Verlag München Basel.


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