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Eva Schachinger

„Alle Wege führen nach Rom!“: Frühpädagogik im internationalen Vergleich

 

Warum werden pädagogische Rahmenkonzepte heute auch für Kindertageseinrichtungen verstärkt gefordert?

Auch für nichtschulische Einrichtungen soll nun ein gewisses Rahmenkonzept entwickelt werden um in diversen Kindertagesstätten vergleichbare Entwicklungen in der frühen Bildung feststellen zu können und um den Pädagogen eine Richtlinie der Erziehung zu geben. Ein Grund warum ein solcher Ansatz schon bei Kindern unter 6 Jahren gemacht wird, ist unter anderem die Veränderung der Gesellschaft. Es ist heute von großer Bedeutung sich Kommunikationskompetenzen, Teamfähigkeit oder Risikobereitschaft anzuwerben. Kinder sollen auch lernen Probleme mit einem für ihre Person geeigneten Ansatz zu lösen und sich nicht auf Schemen der Gesellschaft zu stützen. Ein weiterer Schwerpunkt soll auf die Differenzierung der Herkünfte und Standards der Familien gelegt werden.  Von Staat zu Staat sind jedoch große Unterschiede zu erkennen. Schweden etwa beschreibt kurz die Zielvorgaben, bei denen Weltverständnis oder Wissenskonstruktion als sehr wichtig gelten. Im Gegensatz dazu hat Norwegen einen ausführlichen Rahmenplan formuliert, in dem größter Wert auf Erfahrung und Teilhabe an der Kultur gelegt wird. Dänemark hat keine konkreten Richtlinien, es werden nur lebens- und nicht schulbezogene Kompetenzen vermittelt, und somit gilt Dänemark als Ausnahmeland (vgl. Schachinger 2007, S. 461-465).
Allgemein gesprochen beinhaltet das Curriculum die Vorbereitung der Kinder auf die schulische Umgebung und das Leben in der Gesellschaft, die Entwicklung des Kindes und das Erwerben der Grundlagen für lebenslanges Lernen (vgl. Schachinger 2007, S. 464).
Ein anderer Unterschied zwischen Nationalitäten stellt die Bestimmung, Festlegung und Bewertung der pädagogischen Qualitätsentwicklung dar. Wie wird der Inhalt ausgewählt und wie wird er dann überprüft? In Frankreich zum Beispiel werden die pädagogischen Fachkräfte von Schulinspektoren überwacht, die Eltern haben nichts zu sagen. Im Gegensatz dazu beurteilen in China die Pädagogen ihre Arbeit selbst und die Eltern sollen dabei mithelfen (vgl. Schachinger 2007, S. 466 f).

Wie werden Kinder, Kindheit, Lernen und Entwicklung heute gesehen?

Die Frage ist nun wie ein für Kinder angemessenes Curriculum aussieht. Klar ist, dass das Kind heute als eigenständiges Individuum angesehen wird und so einige alte Sichtweisen aktualisiert wurden. Kinder werden heute dazu befähigt selbst über Bildungs- und Lernprozesse mitzubestimmen und mit dem Vertrauen der Pädagogen dazu ermuntert an deren Entwicklung zu glauben (vgl. Schachinger 2007, S. 468).
Bedeutend für das Lernen heutzutage sind das Wohlbefinden, die Sicherheit, ein positives Selbstbild und ein positives Selbstwertgefühl. Diese Faktoren sind nötig um das Kind zu motivieren, ihm überhaupt erstmal die Bausteine für das Lernen zu geben und dass es Anweisungen folgen kann und will. Eine besonders bedeutende Rolle spielt das Verhältnis zwischen Erzieher und Kind, aber auch die Eltern sollen am Lernprozess des Kindes teilhaben. Es ist entscheidender dem Kind Autonomie und Entdeckungslust zu vermitteln anstatt ihm eintönig Fähigkeiten wie in der Schule beizubringen (vgl. Schachinger 2007, S. 469).

Wie wird der Übergang von der Vorschuleinrichtung zur Schule bewältigt?

Ein geregelter Übergang vom Vorschulsektor zur Schule findet weltweit immer mehr Bedeutung. In Frankreich müssen Fachkräfte für die Vorschule eine gleiche Ausbildung absolvieren wie auch die GrundschullehrerInnen. In Schweden wird das Rahmencurriculum sogar schon als gleichwertig betrachtet wie der schulische Lehrplan (vgl. Schachinger 2007, S. 470).
Damit ein Kind als bereit für die Schule angesehen wird, soll es offen, neugierig und kommunikativ sein. Es besteht jedoch die Angst, dass zu viel von den Kindern erwartet und vorausgesetzt wird damit sie die Grundlage für die „Schulbereitschaft“ erlangen. In Schweden etwa sind es die Eltern, die entscheiden ob deren Kinder mit 6 oder erst mit 7 die Schule beginnen (vgl. Schachinger 2007, S. 471).

Quelle

Schachinger, E. (2007). Frühpädagogik im internationalen Vergleich. Erziehung und Unterricht, Mai/Juni 07, 461-473. Wien: öbv hpt.

 


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