Aus Fachzeitschriften

Christiane Spiel, Petra Wagner und Gabriele Fellner

Wie lange arbeiten Kinder zu Hause für die Schule?

Eine Analyse im Gymnasium und Grundschule

 

Häusliche Arbeitszeit für die Schule

Das Institut für Psychologie der Universität Wien und die Abteilung Neuropsychiatrie für Kinder und Jugendliche des LKH Klagenfurt beschäftigten sich mit dem Thema, wie viel Zeit SchülerInnen zu Hause für die Schule aufwenden. Grund für diese Studie war ein Erlass der Wiener Schulbehörde (1993), dass das Üben für die Schule nicht in die häusliche Arbeitszeit ausgelagert werden sollte. Neben der Definition, was man unter häuslicher Arbeitszeit versteht, gab es auch das Problem, welche Erhebungsmethoden man für diese Studie anwenden soll. Man entschloss sich die Studien durch tägliche Aufzeichnungen über einen gewissen Zeitraum durchzuführen. Diese Methode war zwar sehr zeitaufwändig, brachte jedoch deutlich bessere Ergebnisse. Es gab zwar einheitliche Trends, wie viel Schüler in den unterschiedlichen Schulstufen zuhause an Zeit aufwenden, im gesamten jedoch lag eine sehr große Variabilität vor. Laut dem Modell von Helmke und Schrader (1996) hängt die Arbeitszeit und der Lernerfolg auch von gewissen Variablen wie zum Beispiel Ängstlichkeit, Leistungsmotivation oder Selbstkonzept seitens der Schüler ab. (vgl. Spiel et al. 2002, S. 125ff)

Arbeitszeit für die Schule im Gymnasium

In einem Gymnasium wurden anhand von vier Studien folgende Fragebereiche untersucht: Aufteilung der Arbeitszeit über die Woche, Zusammenhang der Arbeitszeit mit verschiedenen Einflussfaktoren, geschlechtliche Unterschiede und das Ausmaß der Arbeitszeit differenziert nach verschiedenen Aktivitäten und Vergleich der Maximalzeiten. (vgl. Spiel et al. 2002, S. 127f)

Methoden der Erhebung
Die Befragung wurde in 19 Klassen der zehnten Schulstufe durchgeführt. Es wurden insgesamt 395 Tagebücher ausgegeben, in denen die Schüler täglich eintragen sollten, wie viel Zeit sie aufgebracht haben. Das Tagebuch wurde über eine Woche durchgehend geführt. Schlussendlich waren 236 vollständige Tagebücher zur Auswertung relevant. Die Schüler mussten dabei ihre Arbeit deutlich trennen. Es gab Unterscheidungen zwischen Hausaufgaben, wiederholen des Stoffen, lernen für die Schularbeit oder Tests, Vorbereitung für Referate und Unterscheidung zwischen Nicht- und Schularbeitenfach.

Weiters wurden auch verschiedene Einflussfaktoren wie zum Beispiel Prüfungsangst, Anspruchsniveau, Selbstkonzept oder Leistungsdruck der Eltern untersucht. (vgl. Spiel et al. 2002, S. 127f)

Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigten, dass die vorgegebene Zeit laut Schulbehörde deutlich überschritten wurde. Extremwerte von keinem Zeitaufwand waren ebenso vertreten wie Arbeitszeiten von bis zu 38 Stunden pro Woche. Die Analyse der untersuchten Geschlechtsunterschiede bestätigte, dass Mädchen deutlich mehr Zeit aufwenden als Burschen. Lernen für Schularbeiten und Tests beanspruchten die meiste Zeit, dicht gefolgt von Hausaufgaben. Deutlich war der Verlauf der Arbeitsstunden pro Tag festzustellen. Am Beginn der Woche brachten die Schüler die meiste Zeit auf, während der Samstag generell der absolute Tiefpunkt der Woche war. Die Studie ergab auch, dass kein Zusammenhang zwischen der aufgebrauchten Arbeitszeit und den Schulnoten besteht. Es wird unter Leistungsdruck oft mehr Zeit aufgewendet, die sich aber nicht auf die Note auswirkt. Schüler mit Prüfungsangst, niedrigem Selbstkonzept oder hohem Anspruchsniveau benötigen deutlich mehr Zeit. Mädchen haben laut Studie deutlich mehr Prüfungsangst. Laut Eltern jedoch liegt auf den Söhnen mehr Leistungsdruck als auf den Töchtern. (vgl. Spiel et al. 2002, S. 128f)

Arbeitszeit für die Schule in der Grundschule

Ebenso wie bei den Befragungen im Gymnasium wurden auch in der Grundschule Bereiche wie das Ausmaß der Arbeitszeit oder die Aufteilung über die Woche gefragt. Weiters wurde der Zusammenhang zwischen Angst und Arbeitszeit und Geschlechterunterschiede bei Leistungsangst untersucht. (vgl. Spiel et al. 2002, S. 131f)

Methode

Die Befragung wurde mit Hilfe von Zeitstreifen, die  in zehn Minuten Blöcken geteilt waren, durchgeführt. Die Schüler erfassten Ihre Zeit durch das Ankreuzen der einzelnen Blöcke. Zusätzlich wurde durch den Angstfragebogen (Rost und Schermer, 1989) Auslösung, Verarbeitung und Erscheinungsweisen von Angst erfasst. Befragt wurden sechs Klassen der dritten Schulstufe mit insgesamt 121 Schülern. (vgl. Spiel et al. 2002, S. 131f)

Ergebnisse

In der Grundschule wird mehr Zeit für Hausaufgaben und üben aufgewendet als im Gymnasium. Die Verteilung der Arbeitszeit über die Woche ist jedoch gleich mit den Gymnasiasten. Der Angstfragebogen ergab, dass Mädchen eher zur Angstverdrängung tendieren und auch viel emotionaler sind. (vgl. Spiel et al. 2002, S. 132f)

Quelle

Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 34, 125-135.


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