Aus Fachzeitschriften

Manfred Hofer, Christina Saß

 „Also, man würde lieber rausgehen, wenn viele Hausaufgaben zu machen sind.“ Motivationale Handlungskonflikte von Jugendlichen aus Elternsicht 

Theoretischer Hintergrund motivationaler Handlungskonflikte
Die Grundlage der Theorie besagt, dass motivationale Handlungskonflikte durch immer größere Ablenkungen in unserer heutigen Gesellschaft entstehen. Die Lernhandlung, die schulisch gefordert wird, konkurriert mit Handlungen die unserem Wohlbefinden dienen. Vor allem ungeplante, spontane Freizeitaktivitäten fördern diese Konflikte. Durch geplante bzw. regelmäßige Aktivitäten kann man diese herabsetzen indem sie durch eine Bindung an einen Zeitplan überflüssig werden (Hofer & Saß 2006, S.123).
Weiter geht man davon aus, dass individuelle Werte einen Einfluss auf die Konflikte und die anschließend getroffenen Entscheidungen haben. Individuelle Werte sind im Allgemeinen persönliche Ziele. Man unterscheidet laut den Forschungen von Inglehart zwei Werttypen. Die Leistungswerte betreffen die Arbeit und den erstrebten Erfolg. Die Wohlbefindenswerte betreffen die Freizeit und Freunde. Vor allem bei Jugendlichen mit hohen Wohlbefindenswerten entstehen motivationale Handlungskonflikte (Hofer & Saß 2006, S.123).
Es wird weiter angenommen, dass die gewählte Handlung nach der Entscheidung weiterhin Konflikte auslöst, da die nicht gewählte Alternative weiterhin Anreize bietet. Dies führt zu Störungen der Lernregulation. Typische Verhaltensweisen sind Abbrechen, Hin- und Herspringen zwischen Tätigkeiten, Multitasking und Aufschieben. Auch die Stimmung wird durch diese Konflikte beeinflusst und führt zu geringerem Lernaufwand, oberflächlichem Lernen und schlechteren Schulleistungen (Hofer & Saß 2006, S.123).
Versucht man die Theorie der motivationalen Handlungskonflikte in die Motivationspsychologie einzuordnen, so begründet diese, die Motivation für eine Lernhandlung nicht nur durch deren Anreize sondern auch durch die Anreize der konkurrierenden Handlung. Somit wirken sich alternative Handlungen nicht nur auf die Entscheidung für eine Handlung aus, sondern auch auf die Qualität der Handlungsvorbereitung  und –ausführung (Hofer & Saß 2006, S.124).
Ergebnisse der Interviews
Bei hoher Leistungsorientierung wurden Handlungskonflikte selten berichtet, und je höher die Wohlbefindensorientierung eingeschätzt wurde, desto häufiger waren Handlungskonflikte. Kinder mit vielen Handlungskonflikten zeigten größere Schwierigkeiten mit der Ausdauer. Diese Konflikte führten auch häufiger zur Aufschiebung der Hausaufgaben und zur schlechten Laune. Keine Zusammenhänge entstanden bei Multitasking und Handlungswechsel (Hofer & Saß 2006, S.129). Die Wechselbeziehungen zwischen der Wertorientierung und der investierten Zeit waren kennzeichnend. Je wohlbefindensorientierter ein Jugendlicher war, desto mehr Zeit wurde für Freizeitaktivitäten und desto weniger für die schulischen Angelegenheiten aufgebracht. Leistungsorientiertere Jugendliche hatten bessere Noten als Jugendliche die als weniger leistungsorientiert eingeschätzt wurden (Hofer & Saß 2006, S.130).
Motivationale Handlungskonflikte
Die befragten Eltern waren im Durchschnitt der Meinung, dass es mehrmals pro Woche zu Konflikten zwischen den Bereichen Schule und Freizeit komme. Zum einen konkurrieren beide Bereiche miteinander und zum anderen ergänzen sie sich (Hofer & Saß 2006, S.126).
Regelmäßigkeit von Aktivitäten
Die Frage zu Struktur und Planung der Hausaufgabenerledigung wurde mit „meistens“ sehr optimistisch beantwortet (Hofer & Saß 2006, S.128).
Werteausprägung
Durchschnittlich wurde den Jugendlichen eine höhere Wohlbefindungsorientierung als Leistungsorientierung beigemessen. Die meisten Eltern hielten die Orientierung am Wohlbefinden für Eigenschaften von Kindern, die sich spätestens mit der Erwerbstätigkeit in eine Leistungsorientierung entwickelt(Hofer & Saß 2006, S.128).
Beeinträchtigung der Lernregulation
„Ausdauer“: Viele Eltern gaben an, dass sich die Kinder gut konzentrieren können, im Mittel etwa eine Stunde. Jedoch sahen einige Eltern einen Zusammenhang zwischen Ausdauer und Handlungsalternativen (Hofer & Saß 2006, S.128).
„Handlungswechsel“ wurden nur selten bis manchmal beobachtet (Hofer & Saß 2006, S.128).
„Abbruch“: Die Strategie des Abbruchs wurde sehr selten angegeben. Laut Angaben der Eltern wurden die Hausaufgaben in den meisten Fällen zu Ende gemacht (Hofer & Saß 2006, S.129).
„Multitasking“ wurde sehr häufig angegeben, beispielsweise das Hören von Musik während dem Erledigen von Hausaufgaben (Hofer & Saß 2006, S.129).
„Aufschieben“: Durchschnittlich wurde die Strategie des Aufschiebens eher selten angegeben (Hofer & Saß 2006, S.129).
Die „Stimmung“ der Jugendlichen bei den Hausaufgaben, wurde im Mittel als eher gut eingestuft. Auf die Qualität bezogen wurden aber auch abweichende Antworten gegeben (Hofer & Saß 2006, S.129).
Investierte Zeit
Es wird wesentlich mehr Zeit für Freizeitaktivitäten investiert als für Hausaufgaben (Hofer & Saß 2006, S.129).

Vorbereitung – Theoretischer Hintergrund

Mit Hilfe von Interviews wurden 24 Eltern befragt, ob ihre Kinder in Handlungskonflikten zwischen dem Lernen und ihren Freizeitaktivitäten stehen. Die Kinder sind im Durchschnitt 12,8 Jahre alt. Es wurden deshalb die Eltern befragt, weil sie auf Grund ihrer Beobachtungen und Erfahrungen meist sehr genaue Angaben geben können. Die Interviews wurden mit einem Diktiergerät aufgenommen und dann anonym ausgewertet (vgl. Hofer & Saß 2006, S. 122 ff).

Die Autoren sind der Meinung, dass es in der heutigen Gesellschaft mehr Ablenkung gibt als früher. Für Kinder bzw. Schüler gibt es viele verschiedene und reizvolle Freizeitaktivitäten. Durch diese Angebote müssen sie sich einem Handlungskonflikt stellen. Was ist ihnen wichtiger oder was reizt sie mehr? Motivation ist somit ein wichtiger Bestandteil ihrer Entscheidung. Durch was werden sie mehr zu etwas motiviert (vgl. Hofer & Saß 2006, S. 122 ff)?

Es hängt aber auch in großem Maße von jedem einzelnen Schüler ab. Dem einen Kind ist das Wohlbefinden wichtiger und dem anderen Kind die Leistungserbringung in der Schule (vgl. Hofer & Saß 2006, S. 122 ff).

Ergebnis

Ein wesentlicher Punkt ist, dass sich die Handlungskonflikte häufen, wenn es Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf des Schülers gibt. Wenn zum Beispiel fix ist, dass das Kind sofort nach dem Mittagessen Hausübungen macht und erst danach hinausgeht oder seinen Freizeitaktivitäten nachkommt, wird es weniger einem Handlungskonflikt ausgesetzt sein. Wenn aber zum Beispiel ein Kind nach der Schule zu einem Freund fährt und dieser nicht gleich die Hausaufgaben erledigt, so ist der Schüler dem Konflikt ausgesetzt. Nun wird er sich überlegen, was ihm wichtiger ist. Sofort mit dem Freund zu spielen oder zuerst die Aufgaben schreiben. Unter anderem wird auch in dem Artikel erwähnt, dass Jugendliche bzw. Schüler mit hoher Leistungsorientierung weniger Konflikte haben, als diejenigen mit hoher Wohlbefindensorientierung (vgl. Hofer & Saß 2006, S. 122 ff).

Eine typische Verhaltensweise ist somit bei Überbeanspruchung und Stress das Abbrechen, das Hin- und Herspringen, das Multitasking oder das Aufschieben von Aufgaben. Dabei wird meist die Stimmung stark beeinträchtigt. Eine Folge davon ist wiederrum, dass es zu einem verringertem Lerninvestment, oberflächlichem Lernen und schlechten Schulleistungen kommt (vgl. Hofer & Saß 2006, S. 122 ff).

Die meisten Eltern sind der Meinung, dass sich ihre Kinder keine Zeit mehr zum häuslichen Lernen nehmen. Unter anderem meinen sie auch, dass sich die Schule und die Freizeit in gewisser Weise ergänzen. Wenn es jedoch zu viele Hausübungen zu erledigen gibt, gehen ihre Kinder lieber an die frische Luft. Damit kommen sie aber in einen Konflikt, da sie ihre Hausübungen aufschieben. Meist führt das dazu, dass sie „stinkig“ sind oder Stress haben (vgl. Hofer & Saß 2006, S. 122 ff).

Wie weiter oben schon angesprochen, ist Motivation ein ausschlaggebender Faktor, ob sich Schüler für etwas interessieren. Wenn Lehrer ihnen Aufgaben geben, mit denen sie sich gerne beschäftigen und die ihnen Spass machen, dann stellt sich der Konflikt nicht in den Weg. Eltern sind auch der Meinung, dass es einige negative Einflüsse von außen gibt, wie zum Beispiel der Computer oder der Fernseher. Weiters meinen sie, dass Freunde große Einwirkung auf das Lernverhalten ihrer Kinder haben (vgl. Hofer & Saß 2006, S. 122 ff).

Als letzten Punkt ist noch zu erwähnen, dass es zwischen den verschiedenen Schulen wenig Unterschiede gibt (vgl. Hofer & Saß 2006, S. 122 ff).

Quelle

Hofer, M. & Saß, Ch (2006). “Also, man würde lieber rausgehen, wenn viele Hausaufgaben zu machen sind.” Motivationale Handlungskonflikte von Jugendlichen aus Elternsicht, Psychologie in Erziehung und Unterricht, 53, 122-133.

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