Aus Fachzeitschriften

Markus Gerber, Uwe Pühse

Psychosomatische Beschwerden und psychisches Wohlbefinden – Eine Untersuchung bei Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe II

BASS-Studie und ihre Ergebnisse

Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Gefährdung der Jugendlichen durch Infektionskrankheiten dank der modernen Medizin stark gesunken. Auch berichten die Jugendlichen selber, dass sie mit ihrem Gesundheitszustand relativ zufrieden sind. Dies verleitet allfällige Gesundheitsrisiken aus den Augen zu verlieren (vgl. Gerber & Pühse 2007, S. 223f).

Doch durch die BASS-Studie (Basler Sport und Stress Studie), die stichprobenartig verschiedenste Jugendliche im Alter zwischen 13 und 25 Jahren, die eine öffentliche Bildungseinrichtung besuchen, auf ihren Gesundheitszustand testete, zeigt ganz deutlich dass neben chronischen Krankheiten, wie etwa Allergien, Asthma, Diabetes, Krebserkrankungen, angeborene Herzfehler, etc. auch die psychosomatischen Krankheiten eine große Rolle spielen. Ein Grund hierfür könnte an den veränderten Bedingungen des Heranwachsens eines Jugendlichen liegen, die eine höhere Lebensbelastung zur Folge haben. Wie etwa der Leistungsdruck durch zu hohe Anforderungen in den Bereichen Familie, Schule und Freizeit (vgl. Gerber & Pühse 2007, S. 224ff).

Die körperliche Entwicklung der Mehrheit der Adoleszenten verläuft in der Regel unproblematisch. Dadurch kommt es auch häufig vor, dass Beschwerden keine organisch fassbaren Symptome haben, das dann wiederum zu Auseinandersetzungen mit der Familie führen kann, da die Eltern diese so genannten subjektiven Beschwerden nicht wahrnehmen können und somit oftmals nicht glaubhaft sind (vgl. Gerber & Pühse 2007, S. 225).

Ein Grund, warum in der Studie speziell auf das Geschlecht geachtet wird ist, dass Jungen ab einem gewissen Alter nicht mehr so viel wie Mädchen über ihre Beschwerden klagen, weil  es dem Geschlechtsrollenideal ganz einfach nicht entspricht. Außerdem sind Mädchen oftmals sensibler als Jungen und eher dazu bereit über persönliche Probleme Auskunft zu geben und auch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen (vgl. Gerber & Pühse 2007, S. 225ff).

Auch bei dem Schultypus gab es Unterschiede. Schüler/innen von Gymnasien und Diplommittelschulen/Fachmaturitätsschulen berichteten vermehrt von Erschöpfungsgefühlen als Lehrlinge. Wobei umgekehrt Lehrlinge häufiger über Gliederschmerzen klagten. Das liegt zum Teil auch daran, dass der Alltag in den beiden erstgenannten Schulformen eher kopflastig und bei den Berufsschülern eher körperlastig ist (vgl. Gerber & Pühse 2007, S. 229ff).

Schulpraktische Konsequenzen

Nicht nur für Eltern und Ärzte ist der Umgang mit psychosomatischen Krankheiten eine große Herausforderung. Auch für die Lehrer ist es nicht leicht, mit diesen Beschwerden richtig umzugehen. Doch ist dies von großer Bedeutung da sich gezeigt hat, dass symptomlastige Jugendliche später im Erwachsenenalter auch vermehrt Beschwerden aufweisen (vgl. Gerber & Pühse 2007, S. 232).

Aus diesem Grund wäre es wichtig, dass Schüler bereits den richtigen Umgang mit Stress lernen, da psychosomatische Krankheiten häufig als normale Folge von zuviel Stress, doch andererseits eine überhöhte Reaktion von normalem Stress sein können. Somit wäre es von Vorteil, wenn Lehrpersonen die personalen Ressourcen der Schüler fördern würden. Doch wäre es auch wichtig dass Schüler, ja nach Schultyp, Unterstützung bei geistiger oder körperlicher Erschöpfung finden würden. Dennoch zeigt sich leider, dass es an praktikablen Programmen zum Stressmanagement, die sich auf einfache und sinnvolle Weise in den Schulalltag integrieren lassen, mangelt (vgl. Gerber & Pühse 2007, S. 232f).

Für zukünftige Studien wäre es sehr interessant und wünschenswert, wenn die schulischen und außerschulischen Bedingungsfaktoren noch stärker betrachtet werden würden. Auch wäre es spannend ob sich Schulübergänge, Klassenwechsel und ähnliches auf das psychosomatische Befinden der Schüler auswirkt (vgl. Gerber & Pühse 2007, S. 233).

Quelle

Gerber, Markus & Pühse, Uwe (2007). Psychosomatische Beschwerden und psychisches Wohlbefinden – Eine Untersuchung bei Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe II. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 2007, 54, 223-235.

 


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