Aus Psychologischen Fachzeitschriften

Geschlechtsspezifische Differenzen im räumlichen Vorstellungsvermögen

Der Artikel ist ein Sammelreferat und handelt von den Unterschieden und Interdependenzen der Raumvorstellung beider Geschlechter. Außerdem fundiert der Artikel auf internationalen empirischen Analysen und soll weit verbreitete Missverständnisse und Unklarheiten klären.

Die räumliche Vorstellungskraft spielt eine sehr wichtige Rolle bei der Intelligenz von uns Menschen, da sie unser Verhalten auf die tägliche Umwelt beeinflusst. Vor allem in der Psychologie wird dieser Punkt, als einer der wichtigsten Faktoren angesehen. Aber auf Grund der Komplexität des Ganzen ist eine Unterteilung in Segmenten von Nöten, da ansonsten keine genauen geschlechtsspezifischen Aussagen zu treffen wären.

Man unterteilt in 5 Teilkomponenten, drei von diesen Komponenten basieren auf Untersuchungen von Thurstone. Die anderen 2 Komponenten sind von Untersuchungen durch Linn & Petersen abzuleiten. Alle 5 Teilkomponenten lassen sich durch jeweils verschiedene Tests aufzeigen. Es handelt sich bei diesen Komponenten um

-       die räumliche Wahrnehmung,

-       Veranschaulichung,

-       Vorstellungsfähigkeit von Rotationen,

-       räumliche Beziehungen und

-       räumliche Orientierung.

Das Hauptaugenmerk ist auf die Komponente „räumliche Orientierung“ zu legen, da in diesem Bereich die Unterschiede von links - rechts fallen.

Untersuchungen von geschlechtsspezifischen Unterschieden

im räumlichen Vorstellungsvermögen sind in den letzten Jahren sehr stark angestiegen. Da dieses Thema sehr oft emotional diskutiert wird, ist darauf zu achten keine reihende und diskriminierende Sichtweise anzuwenden. Die meisten internationalen Studien sind unspezifiziert und die Männer gehen als Sieger hervor. Deshalb wird vorgeschlagen, eine Spezifizierung vorzunehmen, wie etwa nach

-       dem Alter der Personen,

-       der Komplexität der Aufgaben oder

-       dem Unfang der Bearbeitungszeit.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass es nur selten Unterschiede im räumlichen Vorstellungsvermögen vor dem Eintritt in die Pubertät gibt. Aber wenn es welche gibt, schneiden die männlichen Kinder/Jugendliche besser ab. Erst nach der Pubertät scheinen die Unterschiede größer zu werden und weiter zu Gunsten der Männer zu neigen. So sind zum Beispiel Männer beim erkennen von kippenden Wasseroberflächen um ein vielfaches besser als Frauen. In dem Bereich „Vorstellungsfähigkeit von Rotationen“ gibt es den größten geschlechtspezifischen Unterschied, der zu Gunsten der Männer ausfällt. Weiters haben die Männer auch beim 3-Dimensionalen-Denken und beim gedanklichen Transferieren von Bildern die Nase vorne. Auch die weit verbreitete These, dass Frauen schlechter Stadtpläne lesen können, bewahrheitet sich in diversen Studien und dies weil Frauen ein schlechteres Gefühl für links – rechts besitzen. Allgemein kann gesagt werden, dass Männer vor allem dann besser sind, wenn keine Alternativen zu logischen Lösungsstrategien bestehen. Dafür ist aber zu erwähnen, „dass sich der männliche Vorsprung substantiell verringert, wenn der Einfluss der Zeit minimiert wird.“ (Maier 1996, S. 255)

Ein Zusammenhang zwischen Raumvorstellungsvermögen und Mathematik herrscht nur bei Frauen, die eine schlechte Raumvorstellungskraft besitzen, vor. Diese haben Probleme beim Lösen von mathematischen Aufgaben. Alle Männer und die Frauen, die ein gutes Raumvorstellungsvermögen besitzen, haben weniger Probleme mit der Mathematik. In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass Frauen ihre Leistung des Raumvorstellungsvermögens leichter verbessern können, als männliche Personen.

„Es existieren unterschiedliche Modelle, die sich vor allem in sozialisationsbedingten, hormonellen, genetischen und neuropsychologischen Hypothesen subsumieren.“ (Maier 1996, S. 258) Sozialisationsbedingte Erfahrungen werden bereits in den ersten Lebensjahren gesammelt. Jungen spielen mehr mit technischem, strukturiertem Spielzeug und benötigen auch mehr Platz und Freiräume. Bei hormonellen Einflüssen spielen vor allem die Hormone Androgen und Testosteron eine Rolle und diverse Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass besonders feminine Frauen und besonders maskuline Männer eher schlechtere räumliche Vorstellungen besitzen. Ein heiß diskutierter Punkt ist das menschliche Gehirn. Einige Studien zeigen, dass Frauen eher ein bilaterales und Männer eher ein laterales Gehirn haben und hier ein Zusammenhang zum räumlichen Vorstellungsvermögen besteht. Es wird vermutet, dass das Raumvorstellungsvermögen in der rechten Gehirnhälfte ansässig ist. Da Männer eher mit der linken Gehirnhälfte denken, haben sie eben in der rechten genügend Freiraum und Kapazität. Frauen beanspruchen eher beide Gehirnhälften und somit wird das Raumvorstellungsvermögen in der rechten Hälfte unterdrückt und zurück gedrängt.

Quelle

Maier, P. H. (1996) Geschlechtsspezifische Differenzen im räumlichen Vorstellungsvermögen. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 43, S. 245-265


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