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Elke Heise, Tobias Rahm

Schulzufriedenheit: Eine empirische Untersuchung an Schülerinnen und Schülern zweier Gymnasien

Im Zuge der großen Diskussion rund um die Qualitätssicherung an deutschen Schulen entstand auch diese Studie. Bei allen Studien die im Rahmen der Qualitätssicherung erschienen, wurde entweder eine Selbstevaluation an den jeweiligen Schulen oder eine Fremdevaluation von ausstehenden Schulen durchgeführt. Da die Autoren dieser mir vorliegenden Studie aber auch der Meinung waren, dass im Rahmen der Qualitätssicherung an Schulen auch die Schulzufriedenheit von Schülern evaluiert werden sollte, entstand diese Untersuchung. Aus der Sicht der Verfasser lassen sich aus der Zufriedenheit der befragten SchülerInnen wichtige Hinweise auf Lücken im Qualitätsmanagement finden. (vgl. Heise & Rahm 2007, S. 15 f.)
Da sich im Universitäts- bzw. Arbeitsbereich die Evaluation der Studien- bzw. Arbeitszufriedenheit bereits etabliert hatte wurden für die Erfassung der Studie Bereiche aus den oben genannten Feldern übernommen. Darüber hinaus wurde darauf hingewiesen, dass man in der Schulforschung nach zwei Ansätzen unterscheidet: Unterrichts- und Klimaforschung. Geht man nun auf diese Bereiche näher ein, so ist festzustellen, dass sich die Unterrichtsforschung mit dem Lernverhalten sowie günstigen Unterrichtsbedingungen beschäftigt. Die Klimaforschung befasst sich mit der Lernsituation in der jeweiligen Klasse aber auch mit der an der gesamten Schule sowie mit ihrer Umwelt. Das Problem dieser zwei Bereiche ist jedoch, dass man hier nicht unterscheiden kann, ob die Ergebnisse rein subjektiv oder auch objektiv sind. Es ist festzustellen, dass diese Studie große Ähnlichkeiten zur Schulklimaforschung aufweist, da auch hier die Fragebogentechnik verwendet wurde. Es steht jedoch nicht die Klimaforschung sondern eindeutig die Schulzufriedenheit der befragen SchülerInnen im Mittelpunkt. (vgl. Heise & Rahm 2007, S. 16 ff.)

Methode

Als Methode der Evaluierung wurde die Fragebogentechnik angewendet, es wurde versucht nicht nur die “gesamte” Schulzufriedenheit herauszufinden, sondern auch einzelne Merkmale herauszufiltern. Wie oben schon erwähnt, wurden die einzelnen Items in Anlehnung an die Studienzufriedenheit entwickelt. Die Items können in 7 Gruppen eingeteilt werden: Gesamtzufriedenheit, Personelle Kompetenzen, Bedingungen, Problemfelder Schülervertretung, Gemeinschaft und soziales Engagement. Es wurde ein vorläufiger Fragebogen an 380 Schüler eines Braunschweiger Gymnasiums ausgegeben. Nach den Auswertungen dieses vorläufigen Fragebogens wurde dieser überarbeitet. Das „Original“ umfasste schlussendlich 50 Items. Für die Schüler wurde eine Skala von 1 bis 6 zur Bewertung entwickelt, da diese dem Notensystem entspricht und so leicht verständlich ist. Der endgültige Fragebogen wurde von 292 Schülern aus zwei Braunschweiger Gymnasien, welche unabhängig von dem Gymnasium aus der Voruntersuchung waren, durchgeführt. Die Evaluation wurde in den Jahrgängen 8, 10 und 12 in jeweils zwei Klassen bzw. Kursen durchgeführt. (vgl. Heise & Rahm 2007, S. 19 f.)

Untersuchungsdurchführung - Ergebnisse

Die Untersuchung wurde im ersten Halbjahr 2004/2005 vom Zweitautor durchgeführt. Die Beantwortung und Instruktion nahm insgesamt 15 Minuten des Unterrichts in Anspruch. Den TeilnehmerInnen wurde zugesichert, dass die Angaben vertraulich behandelt werden und so auch keine Angabe des Namens notwendig ist. So konnten sich die Autoren auch sicher sein, dass die Beantwortung auch nicht gefälscht wurde. Der Fragebogen kam zu keinem Zeitpunkt mit dem Lehrpersonal in Kontakt.
Bei der Verarbeitung der Daten wurde beschlossen, dass von den ursprünglich 50 Items nur 48 bewertet werden, da zwei Items aufgrund ihrer Thematik bereits bei der Beantwortung zu Problemen führten (Gelächter, Fragen etc.) Es wurde überdies festgestellt, dass sich die Schüler bei der Beantwortung der „zusätzlichen Bemerkungen“ auf schulspezifische Aspekte beschränkten (Auslagerung bestimmter Klassen etc.). Zur weiteren Auswertung wurde eine explorative Faktorenanalyse durchgeführt. Nach dieser Analyse entstanden die bereits oben erwähnten Gruppen der Items. Jede Gruppe erhielt eine bestimmte „Wertspanne“ durch die Aussagen gebildet werden konnten. So ist abschließend festzustellen, dass die Arbeit der Schülervertretung und die Problembereiche am besten beurteilt wurden. Die personelle Kompetenz und das soziale Engagement wurden am schlechtesten bewertet. Alle anderen Faktoren wurden als zufrieden stellend eingeschätzt. Auffallend ist auch, dass bei dieser Untersuchung kein Unterschied zwischen Mädchen und Jungen festgestellt werden konnte, was bei einer ähnlichen österreichischen Studie durchaus der Fall war. In der österreichischen Studie wurde nämlich festgestellt, dass Jungen weit weniger zufrieden waren als Mädchen. Es kann auch sein, dass dies vom jeweiligen Schultyp abhängt. Außerdem wurde festgestellt, dass die Schulzufriedenheit im 8. Jahrgang noch deutlich höher war als in den beiden anderen Jahrgangsstufen. Je höher die Zufriedenheit mit dem Lehrkörper war desto weniger Probleme mit Ausgrenzung, Gewalt, etc. gab es. Die Ergebnisse zeigen Unterschiede zwischen den Schulen und involvierten Jahrgängen, die Schüler der niedrigeren Jahrgänge waren zufriedener als diejenigen der höheren, das wurde auch in vorangegangenen Studien schon festgestellt. (vgl. Heise & Rahm 2007, S. 19 ff.)

Schlussfolgerungen

Nach dieser Studie ist festzustellen, dass es wichtig ist, die didaktische und soziale Qualifikation der Lehrer nicht aus dem Auge zu verlieren. In beiden untersuchten Gymnasien war weder Kriminalität noch Gewalt ein Problem. Im Gegensatz dazu waren die Schüler beider Schulen mit dem Zustand der Schultoiletten unzufrieden. Außerdem ist auffällig, dass das Zusammenleben der Schüler als wichtig eingeschätzt wurde, wodurch darauf zu schließen ist, dass die Schul- und Klassengemeinschaft zu stärken ist. Was die Gemeinschaft betrifft ist festzustellen, dass in dieser Studie sowohl Klassen als auch Kurse befragt wurden, weshalb es nicht möglich ist genau zu differenzieren ob die Klassen- oder Kursgemeinschaft gut ist. (vgl. Heise & Rahm 2007,54, S. 25 ff.)

Quelle

Heise E. & Rahm, T. (2007). Schulzufriedenheit: Eine empirische Untersuchung an Schülerinnen und Schülerin zweier Gymnasien, Psychologie in Erziehung und Unterricht, 54, 15-29.

 


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