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Terhart Ewald

Standards in der Lehrerbildung – eine Einführung

 

Warum Standards?

Um Standards in der Lehrerbildung durchsetzen zu können, ist es notwendig diese genau zu definieren. Schließlich will man die Standards später auch überprüfen können, ob sie im Unterricht tatsächlich umgesetzt wurden. Lehrer sollen sich durch festgelegte Standards am Berufsfeld orientieren können und mehr berufsbezogene Kompetenzen erwerben, als es bisher der Fall war (vgl. Terhart 2007, S. 5).

Man kann diese Lehrerstandards auch als Absolventenstandards bezeichnen, denn die Lehramtstudierenden sollten im Laufe ihres Studiums die vorgesehenen Kompetenzen erwerben. Auch für Ausbildungsinstitutionen müssen Standards festgelegt werden, denn diese sind der Weg zum Ziel. Standards sollten auf der einen Seite den Studenten den Berufseinstieg erleichtern und auf der anderen Seite sollten sich die Studierenden an ihnen orientieren können, damit sie wissen was von ihnen erwartet wird. Vergleichen kann man dies, mit dem internationalen Leistungsvergleich bei Schülerkompetenzen (vgl. Terhart 2007,
S. 6).

Absolventenstandards sind auch mit einem idealen Erwartung- beziehungsweise einem Entwicklungsraum vergleichbar. Der ideale Entwicklungsraum orientiert sich nicht nur an obersten normativen Prinzipien, sondern vor allem an Beobachtungen von Potentialen der Realität. Fragen wie “Was muss man erwarten?“ oder “Was kann in dieser Welt überhaupt erreicht werden?“ sollen die Lehrerstandards beantworten. Darüber hinaus ermöglichen die Absolventen- und Institutionenstandards einen Vergleich und eine Bewertung von den unterschiedlichen Möglichkeiten der Lehrerbildung (vgl. Terhart 2007, S. 7).

Im Allgemeinen ist bekannt, dass es im generellen an gesichertem Wissen über die Wirkung und Wirksamkeit von Lehrerbildung fehlt. Erst wenn man Standards für die Lehrerbildung definiert besteht die Möglichkeit eines empirisch gesicherten Vergleichs. Nur auf diese Weise ließe sich ermitteln, ob und wieweit sich inhaltlich-curriculare Umstellungen in den Studienordnungen oder ob sich die Absolvierung eines Schulpraktikums auf den Fähigkeitsstand der Absolventen auswirken. Voraussetzungen für die Erfassung und Beurteilung von Lehrerkompetenzen sind zuverlässige Instrumente (vgl. Terhart 2007,
S. 7-8).

Was spricht dagegen?

Die Einführung von Standards in der Lehrerbildung würde das vielfältige Leitbild des Lehrerberufs vereinseitigen und verengen. Dieser Kritik liegt aber eine Überschätzung der Standards für den Lehrerberuf zu Grunde. Absolventenstandards “machen“ nicht den ein für alle mal fertigen Lehrer, sonder bereiten hauptsächlich die in den ersten Berufjahren sich vollziehende praktisch bedeutsame Komponente vor. (vgl. Terhart 2007, S. 8)

Standards für die Lehrerbildung führen zu einer Monokultur sowie zusätzlich zu einer Hyperstabilität der “standardisierten“ Inhalte und Formen. Auch hier liegt eine Überschätzung der Wirksamkeit vor. Standards sollen den Absolventen Fähigkeiten und Fertigkeiten vermitteln und konzentrieren sich nicht auf Inhalte und Formen. Die Standards würden in regelmäßigen Abständen überprüft und aktualisiert werden und würden nicht für die Ewigkeit festgelegt werden. (vgl. Terhart 2007, S. 9)

„Standards für die Lehrerbildung müssen scheitern, weil solche zielgesteuerten und erfolgskontrollierten Systeme an den Grundgegebenheiten des Bildungsbereichs vorbeigehen. Gegen eine solche Kritik kann man nur schwer argumentieren, weil sie a priori Grundgegebenheiten postuliert, an denen letztendlich jede Form einer gezielten Beeinflussung von Bildungsprozessen im weitesten Sinne zerschellen muss“ (Terhart, 2007, S. 9).

Wie geht es weiter?

Sowohl international als auch national werden Diskussionen über die Einführung von Lehrerstandards geführt, aber wie soll man diesen Prozess nun weiterführen? Als erstes müssen die Absolventenstandards von den Lehrern und der Öffentlichkeit diskutiert werden, denn nur so können Kritikpunkte beseitigt werden. Um heraus zu finden welche der unterschiedlichsten Praxisformen und Organisationsmodellen am besten sind müssen diese zuerst genau erarbeitet und erprobt werden (vgl. Terhart 2007, S. 10-11).

Für den Bereich der fachbezogenen und fachdidaktischen Studien sollten auch Standards definiert werden. Mit sehr viel Aufwand verbunden, aber äußerst effizient wäre es für die verschiedensten Unterrichtsfächern Absolventenstandards zu erarbeiten. Die formulierten Standards müssen in die Art der Durchführung von Prüfungsverfahren innerhalb und am Ende der Lehrerausbildung einfließen. Die erworbenen Kompetenzen der Lehramtstudierenden müssen während und am Ende der Ausbildung überprüft werde. Diese Kontrolle ist die Zulassung zum Berufseintritt. Das Problem ist aber, dass man noch nicht weiß wie man die beruflichen Kompetenzen überprüfen kann. Derzeit befindet sich die Standartdebatte noch am Anfang, aber sie hat jetzt bereits wichtige Impulse in der Lehrerbildung gesetzt. (vgl. Terhart 2007, S. 11- 12)

Quelle

Terhart, W. (2007). Standards in der Lehrebildung - eine Einführung. Unterrichtswissenschaft, 35 , 2-14.

 


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