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Heinrich Tröster, Dirk Reineke

Wie gut können Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten von Schulanfängern bereits im Kindergarten entdeckt werden?

Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten - Allgemeines

Die Entdeckung von Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten von Schulanfängern bereits im Kindergartenalter ist von wesentlicher Bedeutung, um späteren Lernproblemen entgegenwirken zu können und um den Schulanfängern gute Startchancen ermöglichen zu können. (vgl. Tröster & Reineke 2006, S. 22 f)
Bei den Einschulungsuntersuchungen im Jahre 2001 wurden sowohl motorische Auffälligkeiten (bei 2,8 % der Jungen und 1,2 % der Mädchen), Sprachstörungen (bei 2,2, % der Jungen und 1,6 % der Mädchen) und Verhaltensauffälligkeiten (bei 2,2 % der Jungen und 1,6 % der Mädchen) erkannt. Wesentlicher Kritikpunkt ist, dass solche Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten erst bei der ersten Schuluntersuchung und nicht schon früher, beispielsweise durch die Eltern, erkannt werden. (vgl. Tröster & Reineke 2006, S. 23)
Um diesem Schwachpunkt entgegen zu wirken sollen vermehrt Verhaltensbeobachtungen in Kindergärten – auf Grundlage der Aussage, dass fast ausschließlich jedes Kind einen Kindergarten besuchen wird - statt finden, da Kindergartenbetreuerinnen bzw. Erzieherinnen gute Möglichkeiten zur Beobachtung der Kinder haben. Die Interaktion mit anderen Kindern kann beobachtet werden und liefert auch die Grundlage für eine zuverlässige Verhaltensbeobachtung. Zur Verhaltensbeobachtung sind jedoch standardisierte Screening-Verfahren nötig, welche im Folgenden erläutert werden. (vgl. Tröster & Reineke 2006, S. 24)

  1. Screening-Verfahren

Die Untersuchungen von Tröster & Reineke zielen darauf ab, wie gut vorhergesagt werden kann, ob durch das Screening im Kindergarten, Verhaltens- und Entwicklungsauffälligkeiten vorhergesagt werden können. (vgl. Tröster & Reineke 2006, S. 24)

Eines von zwei Verfahren ist das Dortmunder Entwicklungsscreening für den Kindergarten (DESK). Untersucht werden hier die Bereiche Grob- und Feinmotorik, Sprache und Kognition und die soziale Entwicklung der Kinder. Erzieherinnen benötigen hierfür keine besondere Schulung, da es sich hauptsächlich um Beobachtungs- und Durchführungsaufgaben handelt. (vgl. Tröster & Reineke 2006, S. 24)

Beim zweiten Verfahren handelt es sich um einen Verhaltensbeurteilungsbogen für Vorschulkinder (VBV). Hier werden insbesondere untersucht, die sozial-emotionale Kompetenz, das oppositionell-aggressive Verhalten, die Aufmerksamkeitsschwäche/Hyperaktivität vs. Spieldauer und die emotionale Auffälligkeit. (vgl. Tröster & Reineke 2006, S. 24)

Bei den Schuleingangsuntersuchungen handelt es sich um standardisierte schulärztliche Untersuchungen, welche sowohl eine medizinische Untersuchung und eine Diagnostik von Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten enthält (schulrelevante Auffälligkeit, Sprachstörungen und Verhaltensauffälligkeiten). (vgl. Tröster & Reineke 2006, S. 24f)

Die Untersuchung umfasste eine Stichprobe von 221 Kindern im Alter von 6 Jahren und 159 Kindern im Alter von 5 Jahren. (vgl. Tröster & Reineke 2006, S. 26)

  1. Ergebnisse der Untersuchungen

Zur Früherkennung wurden zwei standardisierte Screening-Verfahren eingesetzt, welche bereits unter Punkt 2 (Screening-Methoden) erläutert wurden. Die meisten verhaltensauffälligen Kinder können durch das Dortmunder Entwicklungsscreening für den Kindergarten entdeckt werden. Besonders schulrelevante Auffälligkeiten, wie die visuo-motorische Koordination und die motorische und sprachliche Entwicklung, können durch diese Methode entdeckt werden. Verhaltensauffälligkeiten konnten durch den Verhaltensbeurteilungsbogen für Vorschulkinder nicht zuverlässig vorhergesagt werden. Grund dafür sehen die Autoren darin, dass spezifische Verhaltensprobleme in dem Verhaltensbeurteilungsbogen nicht einbezogen sind. (vgl. Tröster & Reineke 2006, S. 32)

Vorteil des Dortmunder Entwicklungsscreening für den Kindergarten ist die breite Abdeckung der Entwicklungs- und Verhaltensbereiche, welche bei der Schuluntersuchung nicht berücksichtigt werden. Der Verhaltensbeurteilungsbogen für Vorschulkinder hat als Vorteil den sozialen Kontext, welcher jedoch nur langfristig beobachtbar ist. (vgl. Tröster & Reineke 2006, S. 33)

Die Schuluntersuchung hat nicht den qualitativen Charakter wie die Screening-Verfahren, da kurzfristig der Entwicklungs- und Verhaltenszustand der Kinder überprüft wird. (vgl. Tröster & Reineke 2006, S. 33)

  1. Fazit

Screening-Methoden bieten die Möglichkeit Entwicklungsauffälligkeiten, jedoch nicht Verhaltensauffälligkeiten von Schulanfängern bereits im Kindergartenalter aufdecken zu können.

Quelle

Tröster, H. & Reineke, D. (2006). Wie gut können Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten von Schulanfängern bereits im Kindergarten entdeckt werden?. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 53. Jahrgang, S. 22 – 34.


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