Psychologische Begriffsbestimmungen


Ilse Gebetsberger & Tanja Hochreither

Autismus

Autismus, [zu griech. autόs >selbst<] der, -, von E.BLEULER (1911) in die Psychiatrie eingeführte Bez. für psychot. (meist schizophrene) Persönlichkeitsstörungen, die durch extreme Selbstbezogenheit und Insichgekehrtheit sowie durch phantastisch-traumhaftes, frei-assoziatives und affektiv-impulsives Denken und Sprechen (autistische Sprache) gekennzeichnet sind; später auch auf ähnl., nichtpsychot. Verhaltensformen ausgedehnt.“ (BROCKHAUS ENZYKLOPADIE. (1995). 19. Auflage. Mannheim: F.A. Brockhaus) 

Autismus [autism]: schwere zwischenmenschliche Kontaktstörung. Die Patienten ignorieren ihre menschliche Umwelt und leben in einer emotionalen und geistigen Eigenwelt. Nach G. NISSEN handelt es sich um keine nosologische Einheit, sondern um polyätiologische, wahrscheinlich genetisch mitbedingte Syndrome, denen psychische, hereditäre oder hirnorganische Ursachen zugrunde liegen können. Danach wären vier Hauptformen zu unterscheiden

 -Psychogener A. als eine Reaktion auf massive emotionale Frustration im frühesten Kindesalter.

-Das ASPERGER-Syndrom, eine Psychopathie mit übersteigertem Intellektualismus und mangelnder Emotionalität, die vorwiegend beim männlichen Geschlecht auftritt.

-Das KANNER-Syndrom, einer frühkindlicher A., bei dem es sich um eine frühe Manifestation einer schizophrenen Psychose handelt. Dieses Krankheitsbild ist sehr selten und prognostisch ungündtig. Hauptsymptome sind a) eine autistische Abkapselung von der Umwelt; b) Veränderungsangst, d.h. Kinder geraten bei geringsten Veränderungen in der Umgebung in intensive Unruhe; c) meist Intelligenzstörungen und Störungen der Sprachentwicklung.

-Somatogener A., ein hirnorganischer A. als Folge einer frühkindlichen Hirnschädigung oder einer hirnorganischen Erkrankung. Die Differentialdiagnose ist oft schwierig, da auch ei den anderen Formen zerebrale Defekte vermutet werden können.

-Pseudo-A. als Folge schwerer Schwachsinnsformen oder Sinnesstörungen, vor allem Hörschädigungen, ist unabhängig von genetischen Voraussetzungen.“

(Fachlexikon abc Psychologie. (1995). Frankfurt am Main: Harri Deutsch) 

Autismus, syn. autistisches, dereistisches Denken. Im allg. Sprachgebrauch <in Gedanken und Tagträumen versponnen sein>. – E. BLEULER hat den Begr. in die Psychiatrie eingeführt für das besonders bei der Schizophrenie auftretende phantastische, traumhafte, affektiv-impulsive, undisziplinierte, auch unlogische Denken bei vorwiegend in sich gekehrtem, umweltabgewandtem Verhalten. – Zur Kennzeichnung eines affektiven Wunschdenkens hat BLEULER später (1917 – in einer beachteten Streitschrift zu psychiatr. Fragen) den Begr. auf nicht-psychotische Verhaltensweisen ausgeweitet.“ (Dorsch Psychologisches Wörtberuch. (1994). Bern-Göttingen-Toronto-Seattle: Hans Huber)

Internetquellen:

Autismus, Geprägt wurde der Begriff „Autismus“ 1911 durch den schweizer Psychiater Eugen Bleuler. Autismus nannte er ein Grundsymptom der Schizophrenie, das die Zurückgezogenheit in die innere Gedankenwelt bei an Schizophrenie erkrankten Menschen meinte. Leo Kanner (Lit.: Kanner 1943) und Hans Asperger (Lit.: Asperger 1944) nahmen diesen Begriff auf und benannten so ein Störungsbild eigener Art. Im Unterschied zu Menschen mit Schizophrenie, die sich aktiv in ihr Inneres zurückziehen, beschrieben Kanner und Asperger Menschen, die von Geburt an in einem Zustand der inneren Zurückgezogenheit leben. Damit unterlag der Begriff „Autismus“ einem Bedeutungswandel. Heutzutage wird der Begriff „Autismus“ zur Bezeichnung des von Kanner und Asperger beschriebenen Störungsbildes gebraucht. Kanners Nachforschungen, die den Begriff „Autismus“ eng fassten und im wesentlichen den heute so genannten frühkindlichen Autismus beschrieben, erlangten internationale Anerkennung und wurden zur Grundlage der weiteren Autismusforschung. Die Veröffentlichungen Aspergers hingegen, die den Begriff „Autismus“ weiter fassten und auch leichtere Fälle mit einbezogen, wurden zunächst international kaum rezipiert, zum einen wegen des Zweiten Weltkriegs und zum anderen, weil Asperger auf deutsch publizierte. Erst in den 1990er Jahren erlangten die Forschungen Aspergers internationale Bekanntheit in Fachkreisen. Die englische Psychologin Lorna Wing (Lit.: Wing 1981) führte in den 1980erJahren die Forschungen Aspergers fort und definierte die von Asperger beschriebenen leichteren Fälle von Autismus als Asperger-Syndrom.“ (Im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Autismus)

Autismus

Auch: Selbstbezogenheit

Definition: Bezeichnung für eine schwere Kontaktstörung, die häufig in der Kindheit auftritt. A. ist eine Verhaltensstörung (s. Verhalten), die sich in der Unfähigkeit ausdrückt, gefühlsmäßige (s. Gefühl) Beziehungen zu anderen Menschen aufzunehmen. Das Kind ist verschlossen, schweigsam und still, und auch die Mutter findet keinen Zugang zu ihm. Autisten leben in einer eigenen Gedanken- und Vorstellungswelt (s. Vorstellung). Gegenstände in der Umgebung müssen am gleichen Platz bleiben und auch Gewohnheiten (z.B. Essenszeiten) dürfen sich nicht verändern, da das autistische Kind darauf mit Angst und Panik reagiert. Die Sprache bleibt bei den Betroffenen meist bruchstückhaft, das Wort âichÔ wird dabei nicht verwendet. A. ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Mit Methoden wie z.B. der Verhaltenstherapie versucht man, das autistische Verhalten des Kindes so zu verändern, daß schrittweise ein dem anderen Menschen zugewandtes Verhalten aufgebaut wird. Die Ursachen des A. sind unbekannt. Es wird u.a. angenommen, daß eine Schädigung des zentralen Nervensystems (s. ZNS) vorliegt. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, daß es auch Hinweise für eine Stoffwechselstörung (s. Stoffwechsel) gibt. (Im Internet:http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/)

 Definition:

Autismus, (= Selbst-, oder Ichbezogenheit, Kontaktunfähigkeit); Eugen Bleuler führte den Begriff in die Psychiatrie ein. Autismus ist eine schwere zwischenmenschliche Kontaktstörung, die häufig im Kindesalter auftritt. Die Betroffenen ignorieren meist ihre menschlich Umwelt und leben in einer emotionalen und geistigen Eigenwelt. Autisten geraten bei geringsten Veränderungen in ihrer Umgebung in Angst und Panik. Zu den Symptomen zählen weiters abnorme Verschlossenheit, Ablehnung von Zuwendung, Aufmerksamkeitsstörung und fehlende Sprachentwicklung, so dass autistische Kinder trotz normaler Intelligenz, im Vergleich zu ihrer Altersstufe behindert sind. Je schneller die Störung erkannt wird, desto erfolgsversprechender ist eine Verhaltenstherapie (=Spezialtraining). Obwohl die Ursachen noch unbekannt sind, geht man von einer Störung des Zentralnervensystems aus.

Verwendete Literatur


Siehe auch das
Lexikon für Psychologie und Pädagogik

Zu weiteren psychologischen Begriffen

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Der Begriff „Autismus“ wurde 1911 von Eugen Bleuler in die Psychiatrie eingeführt und stammt vom griechischen Wort „autos“ ab, was so viel wie „selbst“ bedeutet (vgl. Brockhaus Band 2 1996, S. 422; ohne Autor, www.autismusambulanz-rostock.de).

Lempp, der Brockhaus sowie Dalferth sind sich einig, dass Autismus für Selbstbezogenheit, Insichgekehrtheit und Rückzug in die eigene psychische Welt steht (vgl. Lempp 1992, S. 96; Brockhaus Band 2 1996, S. 422; Dalferth 2004). In sämtlicher Literatur wird als Erstbeschreiber des Autismus Leo Kanner genannt. Er bezeichnete 1943 den frühkindlichen Autismus (early infantile autism) in vier Symptomen (vgl. Lempp 1992, S. 95).

Während Kanner die schwerere Form mit einer niedrigen Intelligenz beschrieb, veröffentlichte Hans Asperger 1944 einen Aufsatz, der sieben Symptome, ähnlich der von Kanner, behandelt, die scheinbar die leichtere Form des Autismus darstellen (vgl. Lempp 1992, S. 96).

In Büchern wird meist nur zwischen dem Kanner’schen und dem Asperger’schen Syndrom unterschied während Internetquellen noch weitere Arten des Autismus nennen (vgl. Dalferth 2004). Das Buch „Autistische Störungen“ von Wilmert befasst sich besonders mit den unterschiedlichen Theorien und Untersuchungen. In den meisten Arbeiten wird auf die internationale Klassifizierung der Krankheit hingewiesen.

Die Symptome des Autismus werden durchwegs gleich geschildert. Autistische Kinder haben Kontakt- und Beziehungsschwierigkeiten, sie sind objektfixiert, haben Angst vor Veränderungen und leiden an einer gestörten Sprachentwicklung (vgl. Lempp 1992, S. 98ff).

Des Öfteren wird darauf hingewiesen, dass Autismus nicht durch Erziehung entsteht. Die Ursache für die Krankheit ist auf mehrere Faktoren zurück zu führen. Einige Male werden hierfür hirnorganische Veränderungen angeführt (vgl. Brockhaus Band 2 1996, S. 422; Dalferth 2004; ohne Autor, www.autismusambulanz-rostock.de).

Eigene Definition

Autismus beschreibt eine psychische Krankheit bei der die Betroffenen extreme Kontakt- und Beziehungsschwierigkeiten haben. Es gibt verschieden starke Ausprägungen, welche in Systemen klassifiziert werden. Für die Ursachen gibt es verschiedene Theorien.

Verwendete Literatur

Brockhaus – die Enzyklopädie, Band 2 (1996). Leipzig: Brockhaus

Dalferth, M. (2004). Autismus. Online im Internet: WWW: http://www.familienhandbuch.de/cmain/
f_Aktuelles/a_Behinderung/s_1065.html
(2005-11-02)

Lempp, R. (1992). Vom Verlust der Fähigkeit, sich selbst zu betrachten. Eine entwicklungspsychologische Erklärung der Schizophrenie und des Autismus. Bern: Hans Huber

Ohne Autor. Online im Internet: WWW: http://www.autismusambulanz-rostock.de/ (2005-11-02)

Wilmert, H. (1991). Autistische Störungen. Aspekte der kognitiven Entwicklung autistischer Kinder. Frankfurt am Main: Peter Lang

Psychologische Begriffsbestimmungen 2006


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