Psychologische Begriffsbestimmungen


Behaviorismus

Unter Behaviorismus versteht man die objektiv messbare Erfassung des Verhaltens ohne Rücksichtnahme auf seelische Vorgänge.

1. Definition

Das aus dem Englischen abstammende Wort Behaviorismus = Verhalten, ist vor allem in den USA eine spezielle Richtung der Psychologie. Behavioristen orientieren sich rein an der äußeren Beobachtung des Verhaltens unter bestimmten Umständen. Wichtig ist hierbei die Untersuchung von Reiz und Reaktion ohne aber vom äußeren Verhalten auf seelische bzw. mentale Vorgänge zu schließen. In dieser Form hat sich der Behaviorismus jedoch nicht durchgesetzt. In neueren Studien wird durchaus auch auf seelische Ergebnisinhalte Bedacht genommen. (vgl. Alexander Ulfig 1993, S. 57 ff)

2. Definition

Behaviorismus ist eine „Bezeichnung für eine theoretische Position, die eine möglichst objektive Betrachtungsweise der beobachtbaren, offenen Reaktionen von Mensch und Tier anstrebt. Im klassischen extremen B. (WATSON) sollten bewußte [!] Prozesse und das Bewußtsein [!] überhaupt ausgeklammert werden, da sie sich für den angestrebten Typus der Analyse als irrelevant erweisen. Diese Forschungsrichtung … brachte entscheidende Fortschritte auf dem Gebiet der Erforschung der Bedingungen und Formen von Verhaltensänderungen.“ (Fröhlich 1993, S. 84 ff)

3. Definition

Als Günder des Behaviorismus wird J.B. WATSON genannt. Beim Behaviorismus wird nur das objektive, messbare Verhalten erforscht. Er bezieht sich nicht auf das Bewusstsein, Seele und Gefühl. Als Experimentiergrundlage dienen Tierversuche. Hierbei wird auf Reiz und Reaktion geachtet. Angemerkt wird weiters „die unkritische Übertragung von Tierbeobachtungen auf den Menschen.“ (vgl. FISCHER 1979; S. 545)

4. Definition

„Der klassische Behaviorismus nimmt an, daß [!] das Verhalten vollständig durch Umweltbedingungen determiniert ist. Menschen sind grundsätzlich weder gut noch böse sondern sie reagieren einfach auf die Umweltgegebenheiten … so nehmen Behavioristen .. an, daß [!] das was wir werden, großteils das Ergebnis der Umwelt, nicht der Vererbung ist.“ Für Behavioristen gibt es Verhaltensprinzipien, die auch artübergreifend gültig sind. Der Ursprung des Behaviorismus liegt in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts und wird vor allem mit WATSON in Verbindung gebracht. Nach dem 2. Weltkrieg dominierte der Behaviorismus auch im deutschsprachigen Raum bis ca. Mitte der Siebziger Jahre (in den USA etwas früher), als die „kognitive Wende“ kam. Der ehemalige Einfluss, vor allem das Leugnen des Innenlebens ist immer noch spürbar. (vgl. ZIMBARDO 1995, S.10)

5. Definition

 Der Behaviorismus wurde 1913 durch Watson begründet. „Dieser entwarf in seinem Artikel »Psychology as the Behaviorist views it« (1913) ein Programm, nach dem die Ps. sich auf das objektiv beobachtbare und meßbare [!] Verhalten beschränken sollte unter vollständigem Verzicht auf die Beschreibung von Bewußtseinsinhalten [!]. … Der frühe B. lehnte sich stark an die russische Reflexologie an (BECHTEREW, PAWLOW) und übernahm von dort als einen ihrer wichtigsten Begriffe den bedingten Reflex. … Daher wird der B. auch als Reiz-Reaktions-Ps. (stimulus-response) bezeichnet.“ (vergl. DORSCH 1976, S. 75)

Verwendete Literatur

Ulfig, A. (1993). Lexikon der philosophischen Begriffe. Eltville am Rhein: Verlag Bechtermünz.

Fröhlich W. D. (1993). dtv-Wörterbuch zur Psychologie. München: Deutscher Taschenbuch Verlag.

(1979). Das neue Fischer Lexikon in Farbe. Band 1. A-Bluhm. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch verlag.

Zimbardo, P. (1995). Psychologie. Berling: Springer Verlag.

Dorsch F. (1976). Psychologisches Wörterbuch. Bern [u.a.]: Huber Verlag.

„Der Behaviorismus versteht [...] unter Verhalten nur die Reaktions- u. Funktionsweise lebender Organismen und lehnt jede Verhaltungsdeutung und Annahme psychischer Faktoren ab, ist also materialistisch.“ (Das moderne Lexikon – Band 2 1971, S. 335)

„Behaviorismus [...] ist einfach eine Methode, die Erfahrung des Individuums vom Standpunkt seines Verhaltens aus zu untersuchen, insbesondere, jedoch nicht ausschließlich jenes Verhaltens, das von anderen beobachtet werden kann.“ (Mead  1993, S. 40)

Nach Watson vertritt der Behaviorismus die Meinung, dass „der Gegenstand der Psychologie das menschliche Verhalten ist“ (Watson 1968, S. 35f)

„Behaviorismus ist nicht einfach die Wissenschaft vom menschlichen Verhalten, sondern die Theorie dieser Wissenschaft.“ (Skinner 1978, S. 9)

Der Behaviorismus ist „eine Theorie der Wissenschaft vom Verhalten, der Verhaltenswissenschaft oder Verhaltensanalyse“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Behaviorismus)

Der Behaviorismus ist also die Verhaltenspsychologie. Watson, der Begründer des Behaviorismus, hält sich strikt an das zu beobachtende Verhalten des Menschen. Das Verhalten wird nur als eine beobachtbare Reaktion auf gewisse Reize verstanden. Er ist der Meinung, dass er aus einem Baby alles machen kann, was er will.

Skinner war wie Watson der Ansicht, dass sich psychische Vorgänge nicht direkt beobachten lassen, jedoch ließ er sehr wohl auch innerpsychische Prozesse in die Erforschung von Verhalten mit einfließen. Er setzte dies durch kontrollierte Experimente mit einzelnen Tieren und Menschen um. Menschen lassen sich z.B. durch Belohnung motivieren und legen dadurch ein gewisses Verhalten an den Tag.

Meiner Meinung nach ist der Behaviorismus ein sehr wichtiges Element in unserer Welt und auch Wirtschaft. Auch die Werbung beispielsweise ist aufgebaut auf der Beobachtung von Verhalten. Durch gezielt gesetzte Reize wird bei Konsumenten das gewünschte Verhalten (z.B. der Kauf von Produkten) hervorgerufen.

Nur durch das Beobachten von Verhalten und durch das dadurch entstandene Ergebnis kann man gewisse Verhaltensmuster erkennen, und das Verhalten, wenn nötig, beim nächsten Versuch etwas abändern, um ein anderes, vielleicht besseres, Ergebnis zu erzielen. An dem Spruch „durch Fehler wird man klug“ ist schon was Wahres dran.

Verwendete Literatur


Siehe auch das
Lexikon für Psychologie und Pädagogik

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