Psychologische Begriffsbestimmungen


Delinquenz 

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Im allgemeinen Nachschlagewerk ist eine sehr präzise Definition des Begriffes Delinquenz zu finden. Dem Duden zu Folge ist Delinquenz „fachspr. für Straffälligkeit“ (Dudenredaktion 2004, S. 279). In einschlägigen Fachbüchern ist man sich der hohen Komplexität des Begriffes bewusst und es wird versucht Delinquenz näher zu bestimmen. Es ist sehr schwierig eine einzig richtige Definition zu finden, da sich die Autoren bei ihren Erklärungen unterscheiden.

Es ist mehrmals beschrieben, dass Delinquenz ein abweichendes Verhalten „von der gesetzlichen Norm“ (Kluge & Von Randow 1979, S. 5) und daher „von allgemeinen gesellschaftlichen Normen“ (Psychoblogger 2006, S. 1) darstellt. Weiters herrscht Übereinstimmung, dass es zwischen Delinquenz, abweichendem Verhalten (vgl. Kluge & Von Randow 1979, S. 5; Kreuzer 1975, S. 12; Psychoblogger 2006, S. 1) und Dissozialität (vgl. Kluge & Von Randow 1979, S. 5; Wolff 1978, S. 53) eine enge Verbundenheit gibt, jedoch trotzdem eine Unterscheidung dieser Begriffe notwendig ist.

Die Autoren sind sich uneinig darüber auf welche Altersgruppe der Begriff zu beziehen ist. Manche verwenden Delinquenz im Bereich der Kinder- und Jugendkriminalität (vgl. Kreuzer 1975, S. 13 – Psychoblogger 2006, S. 1), während andere auch bei Straffälligkeit erwachsener Menschen Verwendung dafür finden (vgl. Kluge & Von Randow 1979, S. 36).

Es ist anzunehmen, dass der Grund für diese Differenzen die bereits erwähnte Komplexität ist. Obwohl Delinquenz eigentlich die Fachsprache für Straffälligkeit ist, so zeigen sich viele Möglichkeiten diesen Begriff auszulegen. Delinquenz hat verschiedene Ursachen und Folgen und es ist schwierig eine objektive und aussagekräftige Definition zu finden.

Delinquenz beschreibt eine Normabweichung, die im Gegensatz zum abweichenden Verhalten – und anderen verwandten Begriffen – auch gegen gesetzliche Normen verstößt. Es ist zu beachten, dass sich der Begriff generell nicht auf eine bestimmte Personen- oder Altersgruppe bezieht, jedoch durchaus Tendenzen zu erkennen sind. So findet man zum Beispiel häufig den Begriff Jugenddelinquenz.

Siehe auch Delinquenz

Verwendete Literatur

Dechêne, H. Ch. (1975). Verwahrlosung und Delinquenz. Profil einer Kriminalpsychologie. München: Wilhelm Fink Verlag.

Dudenredaktion (2004). Duden. Die deutsche Rechtschreibung. Mannheim: Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG.

Kluge, K.-J. & Von Randow, N. (1979). Kinder- und Schülerdelinquenz. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

Kreuzer, A. (1975). Drogen und Delinquenz. Eine jugendkriminologisch-empirische Untersuchung der Erscheinungsformen und Zusammenhänge. Wiesbaden: Akademische Verlagsgesellschaft.

Psychoblogger (2006). Entwicklungsstörungen und abweichendes Verhalten.
WWW: http://web.utanet.at/stanglyc/psychoblogger/
2006/01/entwicklungsstrungen-und-abweichendes.html
(06-03-31)

Wolff, J. (1978). Delinquenz als Problem der Schulpädagogik. Ansätze zur kriminologischen Ausbildung von Lehrern. Frankfurt/Main: Campus Verlag.


Siehe auch das
Lexikon für Psychologie und Pädagogik

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Delinquenz: Verbrechen, Straftat (Hollander, Fremdwörter Lexikon, S.75)

Diese Kurzerklärung ist so kurz gehalten(ebenfalls hätte ich in einem Schullexikon nachsehen können), dass sie fast gar nichts darüber aussagt, was nun Delinquenz wirklich ist. Daher versuchte ich noch in einem anderen Lexikon nach einer Erklärung dieses Begriffes. Dort hat sich wiedereinmal „Name bürgt für Qualität“ bewiesen.

„...abweichendes Verhalten einzelner Personen oder von Personengruppen, das nicht nur als Abweichung von best. Normen definiert wird, sondern auch in der Gesellschaft als kriminell gilt. In den Sozialwissenschaften weniger in Abhängigkeit zu angeborenen Merkmalen gesehen, sondern mehr als Ergebnis des Erziehungsprozesses. oder der Umgebung. (vgl. Meyers Enzyklopisches Lexikon, Seite 389)

Ziemlich kurz und dennoch aussagekräftig ist die Definition im Online Wörterbuch Wikipedia: „Delinquenz (lat.: delinquere – sich vergehen) ist die Tendenz, vor allem rechtliche, aber auch soziale Grenzen zu überschreiten. Sie stellt besonders im Jugendalter ein Zeichen für eine noch nicht vollständig gelungene sekundäre Sozialisation dar.“ (www: http://de.wikipedia.org/wiki/Delinquenz (2005-11-03))

Diese beiden letzten Bestimmungen sind durchaus sehr ähnlich, und gar nicht mit der Ersten zu vergleichen. Da diese beiden Definitionen alle ins Rechtliche gehen, suchte ich nach einer strafrechtlichen Auslegung von Delinquenz. Und zu meinem Erstaunen, ist auch die rechtliche Definition - obwohl kurz gehalten -  der Allgemeinen ähnlich.

...häufig im Zusammenhang mit strafbaren Verhalten Jugendlicher verwendet, eher neutralere Konotation als die Begriffe Verbrechen oder Kriminalität“ (vgl. Meier, Kriminologie, 2003, RN 10ff)

Zum Schluss stelle ich noch einen Vergleich zu einem einschlägigen pädagogischen Werk her.

... Der Begriff Delinquenz konkurriert mit dem der Kriminalität; beide stellen Formen „abweichendes Verhalten“ dar. Werden aber in der Praxis selten unterschieden. Wenngleich sich beide auf das Strafrecht beziehen, sollten sie dennoch unterschieden werden.

Kriminalität, signalisiert eine besondere Missbilligung, Delinquenz hingegen steht für das Bestreben diese scheinbare Eindeutigkeit bei Gesetzesübertretungen zu überwinden bzw. zu dehnen. Insgesamt kann unterschieden werden zwischen tolerierten, reglementierten und strafbaren Handeln. (vgl. Otto, Otto & Thiersch, 2001, S. 243)

Diese Definition geht sehr ins Detail der Soziologie und erklärt auf eine sachliche Weise.

Nach all den mehr oder weniger ähnlichen Ausführungen, würde ich Delinquenz wie folgt definieren.

Delinquenz im engen Sinne ist eine Straftat, die vor allem von Jugendlichen begangen wird. Der Unterschied ist nur, dass diese Tat toleriert wird, bzw. lt. allgemeinem Rechtsverständnis so minimal ist, dass diese geduldet wird.

Der Begriff Delinquenz wurde 1899 vom amerikanischen Jugendstrafrecht zur Unterscheidung krimineller Erwachsenen und delinquenten Jugendlichen eingeführt. Im Gegensatz zum Verbrechen, das allgemein verurteilt wird, ist delinquentes Verhalten im strafrechtlichen Sinn zwar ein Gesetzesbruch, wenn man jedoch das soziale Umfeld betrachtet nicht unbedingt eine verwerfliche Tat. (vgl. Reinhold 1992, S.95)

Auf der Suche nach Definitionen des Begriffs „Delinquenz“ bin ich auf unterschiedlichste Beschreibungen gestoßen, die jedoch alle etwas gemeinsam haben. Und zwar beschreibt jede der Quellen Delinquenz als ein Art von abweichendem Verhalten.  Im Gegensatz zu andere Quellen beschreibt Brockhaus (allgemeines Nachschlagewerk) Delinquenz im Bezug auf Kinder und Jugendliche.

Delinquenz:

·      “ (lat. >Verfehlung<, >das Vom- Wege- Abweichen<) à abweichendes Verhalten; i.e.S soll der Begriff jene Formen des abweichenden Verhaltens v.a. von Kindern und Jugendlichen kennzeichnen, die aus eth. und entwicklungspsycholog. Gründen nicht einfach als kriminell oder verbrecherisch abgestempelt werden können(obwohl sie es strafrechtlich sind“ (Brockhaus, Fa. Brockhaus Mannheim 1988, S.220).

·      „(lat. delinquere sich vergehen) Straffälligkeit“ (Häcker & Prof. Stapf. 1998, S.170).

·      „Delinquenz bezeichnet etwas unscharf sowohl die Veranlagung zu abweichendem Verhalten als auch das Ergebnis eines solchen Verhaltens, wobei die Bandbreite des Verständnisses von Verhaltensstörungen bis zu asozialem, ja kriminellen Verhalten reicht“ (Köck & Ott  1997, S.126).

·      „Verhaltensform, die mit geltenden Normen nicht übereinstimmt“ (Reinhold   1992, S.95).

·      „Bezeichnung für normverletzende Handlungen, die gg. Gesetzesvorschriften bzw.- verboten verstoßen“ (Herder, Verlag Herder Freiburg-Basel-München 1976, S.43).

·      „Übeltäterei; kriminelles u. verbrecherisches Verhalten bzw. die individuelle Disposition dazu“ (Hillmann, S.141).

·      „abweichendes Verhalten; Bezeichnung für Verhaltensweisen, die mit geltenden Normen und Werten nicht übereinstimmen“ (Fuchs- Heinritz, Lautmann, Rammstedt & Wienhold 1994, S.137). 

Abschließend würde ich sagen Delinquenz bezeichnet Verhaltensweisen, die strafrechtlich gesehen, von Normen, Regeln und Gesetzen abweichen. Man sollte Delinquenz, jedoch nicht mit Kriminalität verwechseln, denn obwohl beide Begriffe Formen von abweichendem Verhalten sind, muss bei Delinquenz das soziale Umfeld berücksichtigt werden. 

Literaturverzeichnis:

Brockhaus (1988). Brockhaus Enzyklopädie. (S.220). :Fa. Brockhaus Mannheim. 

Häcker H., Stapf K. (1998). Dorsch Psychologisches Wörterbuch. 13. überarbeitete und erweiterte Auflage. (S.170). : Verlag Hans Huber. 

Herder (1976). Herder Lexikon Pädagogik. (S.43). : Herder Freiburg-Basel-Wien 

Hillmann K.  Wörterbuch der Soziologie. (S.141). 

Fuchs-Heinritz W., Lautmann R., Rammstedt O. & Wienhold H. (1994). Lexikon zur Soziologie. (S.137). 

Ott H. & Köck P. (1997). Wörterbuch für Erziehung und Unterricht. (S.126). :Ludwig Auer GmbH. 

Reinhold G. (1992). Soziologie Lexikon. (S.95).

Psychologische Begriffsbestimmungen 2006

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