Psychologische Begriffsbestimmungen 2006

Evaluation 

1.  Der Fremdwörterduden

Einfache, kurze aber auch klare Beschreibung des Begriffs. Diese allgemeine Definition findet man in zahlreichen Nachschlagewerken wieder.

„A: Bewertung, Bestimmen des Wertes B: (Päd.) Beurteilung [von Lehrplänen und unterichtsprogrammen]“ (Scholze-Stubenrecht, Eickhoff & Mang, 2005

2. Psychologie-Fachgebärdenlexikon

Dieses Projekt der Universität Hamburg soll Personen, die Gebärdensprache in psychologischen Zusammenhängen anwenden bei der Vereinheitlichung eines Fachvokabulars der Gebärdensprache helfen. Dabei werden Begriffe definiert und durch ein oder mehrere Gebärden (grafische Abbildung) verdeutlicht.

„Auch: Bewertung, Beurteilung

Definition: Allgemeine Bezeichnung für die Auswertung und Interpretation von Informationen über die Wirkung von Handlungen.

In der Pädagogischen Psychologie versteht man unter E. die Beurteilung der Brauchbarkeit eines Lehrprogramms hinsichtlich seiner Lehrziele.

Beim Denken und Problemlösen meint E. das Feststellen der Angemessenheit für einen Begriff oder eine Strategie. “ (Prillwitz, S. (1996). Psychologie-Fachgebärdenlexikon. Online im Internet: http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/PLEX/ (06-03-28))

3.Handwörterbuch Pädagogische Psychologie

Im Vergleich zu den Definitionen aus allgemeinen Lexika (zB Brockhaus, Duden, …) ist in diesem Fachlexikon der Pädagogischen Psychologie eine viel genauerere Erklärung des Begriffes vorhanden. Die Definition beschränkt sich hier allerdings auf den Bereich der Pädagogik und Psychologie. Eine allgemeine Definition liegt nicht vor.

„Der Begriff „Evaluation“ wird in Pädagogik und Psychologie in vielfältigster Weise verwendet, es liegt eine sehr große Anzahl unterschiedlicher „Definitionsversuche“ vor (vgl. Vottawa und Thierau, 1990). Das gemeinsame aller Konzeptionen ist, wie auch schon durch die Wortwurzel ausgedrückt, ein „Bewerten von Sachverhalten“. Bei Evaluation geht es also im Gegensatz zur klassischen empirischen Forschung nicht um das bloße Feststellen von Fakten, sondern auch um deren wertende Interpretation und, darauf gestützt, die Optimierung von Entscheidungen.“ (Prof. Dr. Rost 2001)

4. Wörterbuch Psychologie

Auch in diesem Fachlexikon liegt eine genauere Definition vor, als in den allgemeinen Lexika. Diese Definition ist die für mich am wenigsten verständliche.

„Beurteilung, Bewertung, Einschätzung.

[1] (a) Pädagogische Psychologie: Empirische Überprüfung der Angemessenheit und Brauchbarkeit eines Curriculums, Lehrprogramms, einer Unterrichtsmethode oder Übungsstrategie in Bezug auf konkrete Lehrziele. (b) Klinische Psychologie: Empirisch begründete Einschätzung der Anwendbarkeit und Effektivität von bestimmten Interventionsstrategien.

[2]Bewerungstendenzen, welche die konnotative Bedeutung von Objekten oder Ereignissen und die Einstellung zu ihnen mitbestimmen (-> Bewertung; à Polaritätsprofil).“ (Fröhlich 2000)

5. Wikipedia

Mir persönlich gefällt die Erklärung von Wikipedia sehr gut. Die Definition ist klar verständlich und in Angabe dieser Quelle ist die Umfangreichste. Wikipedia ist die einzige von mir verwendete Quelle, die auch die Herkunft des Begriffs erklärt.

„Evaluation (Evaluierung) ist in der allgemeinsten Bedeutung die Beschreibung, Analyse und Bewertung von Prozessen und Organisationseinheiten, insbesondere im Bildungsbereich, in den Bereichen Gesundheit und Entwicklungshilfe, der Verwaltung oder der Wirtschaft. Evaluation kann sich sowohl auf den Kontext (Voraussetzungen, Rahmenbedingungen), die Struktur, den Prozess als auch das Ergebnis (Produkt) beziehen. Anders als Grundlagenforschung orientiert sich Evaluation an den konkreten Fragen von Entscheidungsträgern, z.B. in der Bildungspolitik und -verwaltung, aber auch von LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern. Damit ist sie auf ein breiteres Spektrum an Methoden angewiesen, um zeitgerecht hilfreiche Information bereit zu stellen.

Das ursprünglich aus dem Französischen stammende Wort Evaluation wurde in den USA seit den 30er-Jahren gebräuchlich (in der Eight-Years-Study von R. W. Tyler u.a.). Tylers verhaltensorientiertes Konzept wurde nach dem Sputnikschock 1957 in der danach einsetzenden Bildungsreform kritisiert und verändert. In Deutschland wurde das englische Wort Evaluation Ende der 60er-Jahre aus dieser amerikanischen Tradition übernommen (vgl. Wulf 1972). Die Wortbedeutung "Bewertung" wurde dabei zunächst verengt auf die Bewertung insbesondere der Arbeit von Bildungsinstitutionen (die Curriculum -Entwicklung seit den 30er-Jahren). Inzwischen wird auch in anderen sozialen Handlungsbereichen "evaluiert".“ (Autor unbekannt (2003). Evaluation, Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Evaluation (06-03-28))

Eigene Begriffserklärung

Kurz gesagt: Bei der Evaluation geht es im einen um das Bewerten und zum anderen um die Auswertung dieser Bewertungen. Dieser Begriff kommt sehr oft in der pädagogischen Psychologie vor. Hier meint man zB die Bewertung eines Lernprogramms.

Verwendete Literatur

Scholze-Stubenrecht Werner,  Eickhoff Birgit & Mang, Dieter (2005), Duden Das Fremdwörter.  Dudenverlag

Prillwitz, S. (1996). Psychologie-Fachgebärdenlexikon. Online im Internet: http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/PLEX/ (06-03-28)

Prof. Dr. Rost Detlef H. (2001). Handwörterbuch Pädagogische Psychologie, Psychologie Verlagsunion; Verlagsgruppe Deltz,

Fröhlich Werner D. (2000). Wörterbuch Psychologie, Deutscher Taschenbuchverlag GmbH & Co KG,

Autor unbekannt (2003). Evaluation, Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Evaluation (06-03-28)

Die Fragen vor der Evaluation

Bei einer Evaluation sind primär folgende sechs Fragen zu klären, wobei jede der sechs Fragen eine eigenständige Antwort benötigt:

Neben diesen Fragen, gibt es noch einige weitere, etwa jene nach den beizuziehenden Bewertungsgrundlagen, den anzuwendenden Methoden etc., die aber nachgelagerte Fragen darstellen. .

Quelle: Nach einem Posting von Thomas Widmer (Department of Political Science University of Zurich) im forum-evaluation@uni-köln.de; leicht gekürzt (W.S.)


Siehe auch das
Lexikon für Psychologie und Pädagogik

Zu weiteren psychologischen Begriffen

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Evaluation ist in der allgemeinsten Bedeutung die Beschreibung, Analyse und Bewertung von Prozessen und Organisationseinheiten, insbesondere im Bildungsbereich, in den Bereichen Gesundheit und Entwicklungshilfe, der Verwaltung oder der Wirtschaft. Evaluation kann sich sowohl auf den Kontext (Voraussetzungen, Rahmenbedingungen), die Struktur, den Prozess als auch das Ergebnis (Produkt) beziehen.

Anders als Grundlagenforschung orientiert sich Evaluation an den konkreten Fragen von Entscheidungsträgern, z.B. in der Bildungspolitik und –verwaltung, aber auch von LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern. Damit ist sie auf ein breiteres Spektrum an Methoden angewiesen, um zeitgerecht hilfreiche Informationen bereitzustellen.

Eine weitere allgemeine Definition von Evaluation ist folgende: „Evaluation bezeichnet die systematische, datenbasierende Beschreibung und Bewertung von Programmen (zB Hilfe- und Beratungskonzeptionen), zeitlich beschränkten Projekten (zB Modellvorhaben) oder Institutionen (zB Zulassung von Trägern) in Bildung, Sozialer Arbeit, Gesundheitswesen u.a.. Evaluation beschafft nützliche und abgesicherte Informationen für Auftraggeber, Beteiligte & Betroffene (englisch shakeholders). Sie unterstützt diese, entweder den bewerteten Gegenstand schrittweise zu stabilisieren/ zu verbessern (formative/Gestaltungs-Evaluation) oder zu bewerten (summative/ Bilanz-Evaluation).“

Der Ablauf von Evaluationen wird laut Baumgartner in folgende vier Phasen eingeteilt:

Formulierung von Wertkriterien: In der ersten Phase werden jene Kriterien ausgewählt und definiert, die der Evaluand erfüllen muss, um als gut gelten zu können.

Formulierung von Leistungsstandards: Für jedes einzelne Kriterium wird eine Norm definiert, die der Evaluand erreichen muss, damit das Kriterium als erfüllt angesehen werden kann.

Messung und Vergleich (Analyse): Nun wird jedes Kriterium beim Evaluand untersucht, gemessen und mit den jeweils vorgegebenen Leistungsstandards verglichen.

Werturteil (Synthese): In dieser letzten und sowohl schwierigsten Phase müssen die verschiedenen Ergebnisse zu einem einheitlichen Werturteil integriert werden.

Evaluation im Bildungsbereich 

Als pädagogischer Fachbegriff meint Evaluation gemäß der Definition von J. Reischmann „das Erfassen und Bewerten von Prozessen und Ergebnissen zur Wirkungskontrolle, Steuerung und Reflexion im Bildungsbereich.“

Gegenstand von Evaluationen können Prozesse (Wie läuft etwas ab?) und Outcomes (Was kommt heraus?) aus dem Bereich der Mikrodidaktik ebenso wie der Makrodidaktik sein.

Für eine Evaluation werden Daten methodisch organisiert erhoben und systematisch dokumentiert, um die Untersuchung, das Vorgehen und die Ergebnisse nachvollziehbar und überprüfbar zu machen. 

Zusammenfassend kann man sagen, Evaluation ist die Bewertung. Beschreibung und Auswertung von Projekten, Programmen usw. in den verschiedensten Bereichen wie Bildung, Umwelt, Gesundheit oder etwa Entwicklung.

Verwendete Literatur

Brockhaus Fremdwörterlexika

Evaluation aus Wikipedia, der freien Enyklopädie, (02-11-2005)
http://wikipedia.org/wiki/Evaluation

Die Evaluation universitärer Lehrveranstaltungen; (02-11-2005)
http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/PAEDPSYCH/EVALUATION/EvaluationTheorie

Zeitschrift für Evaluation

http://wissen.de/

“Die Evaluation ist die wissenschaftliche Erprobung und Kontrolle von Curricula, insbesondere der operationalisierten (= unmissverständlich beschriebenen und überprüfbaren) Lernziele und der vorgeschlagenen Verfahrensweisen und Lernzielkontrollen in Curricula durch Testläufe. […]“ (Köck & Ott 1997, S. 202).

“Der Begriff Evaluation wird in unterschiedlichen Kontexten verschieden definiert. In jedem Fall meint er mehr als nur Diagnostik oder Schulleistungsbeurteilung. Evaluation ist ein integraler Bestandteil rationaler Entscheidungsprozesse auf verschiedenen Ebenen des Bildungssystems (vgl. Stufflebeam 1972), […]“ (Schiefele & Krapp 1981, S. 116).

“Bewertung der Güte oder Effektivität von Handlungen und Maßnahmen“ (Tewes & Wildgrube 1992, S. 103).

“[…] Schätzung, Berechnung, […] sach- und fachgerechte Bewertung, Bestimmung des Wertes. […] (insbesondere Lehrpläne od. Unterrichtsprogramme) beurteilen, […]“ (Drosdowski 1976, S. 764).

“A: Bewertung, Bestimmen des Wertes B: (Päd.) Beurteilung [von Lehrplänen und Unterrichtsprogrammen]“ Scholze-Stubenrecht, Eickhoff & Mang, (2005). Der Fremdwörterduden.

Online im Internet: http://www.stangl.eu/psychologie/definition/Evaluation.shtml (06-10-30).

Evaluation bedeutet wissenschaftliche Erprobung und Kontrolle von Curricula, Bewertung der Güte von Handlungen und Maßnahmen, Schätzung, Beurteilung, Wertbestimmung und Berechnung.

In den meisten Quellen wird das Wort auf Lernziele, Lernpläne, Unterrichtsprogramme und Schulleistungsbeurteilung bezogen. Die Gemeinsamkeit kommt eventuell davon, da die Mehrzahl der Quellen aus pädagogischen und psychologischen Büchern stammt.   

  

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