Psychologische Begriffsbestimmungen 2006/7

Governance

Governance bezeichnet ganz allgemein das Steuerungssystem und Regelungssystem einer politisch-gesellschaftlichen Einheit wie dem Staat oder der Gemeinde. Der Begriff wird auch im Zusammenhang von Steuerung oder Regelung einer jeglichen Institution (zB einer Gesellschaft oder eines Betriebes) verwendet.

1.Definition

„Stammt vom englischen und bedeutet „Regierung(sgewalt)“, „Herrschaft“, vieldeutiger sozialwissenschaftlicher Begriff, der dem Gebiet der Wirtschaft entstammt (Corporate Governance), wo er die Organisations- und Leistungsstrukturen oder die Beziehungen zwischen Eigentümern und Management eines Unternehmens umschreibt.

In der Politikwissenschaft bezeichnet Governance auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen Wege der Bewältigung transnationaler Probleme wie etwa solche der Umweltverschmutzung und der Klimaveränderung und zwar ohne einen zentralen Akteur wie eine Weltregierung jedoch unter Einbeziehung internationaler Organisationen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Mit den Begriffen Global Governance und Governance without Government wird die Herausbildung von Governance Strukturen jenseits nationalstaatlicher Regierungsdominanz auf den Begriff gebracht.

Die Weltbank schuf den Begriff Good Governance, um damit Kriterien einer effizienten und rechtsstaatlichen Verwaltungspraxis für die Vergabe von Krediten an Entwicklungsländer und Transformationsländer aufzustellen.

Die politikwissenschaftliche Governance Diskussion erweitert entsprechend diesen Ansätzen den Blick von Akteuren der politischen Arena und deren Beziehungen zueinander auf die institutionellen Rahmenbedingungen und rückt damit die jeweiligen Regelungsstrukturen in das Zentrum des Interesses“ (Brockhaus Enzyklopädie 2006, S.228f).

2. Definition

„Der Begriff wird auf allen territorialen Ebenen – international, national, regional, lokal-, in den ausdifferenzierten sozialen Handlungssphären – Staat und Verwaltung, Marktwirtschaft und Unternehmen, Zivilgesellschaft und Nicht-Regierungsorganisationen –, in den Sektoren öffentlicher Angelegenheiten – Umweltschutz, Friedensstiftung, Wirtschaftsordnung – usw. genutzt.

Governance hat einen festen Platz insbesondere im kategorialen Gefüge internationaler Organisationen. International kommuniziert man mit diesem Wort, wobei von Fall zu Fall zugewiesene Merkmale – also etwa European Governance oder Corporate Governance – der Diskussion Richtung geben könnten“ (König, Adam, Speer & Theobald 2002, S.5).

3. Definition

„Governance umschreibt neue Formen gesellschaftlicher, ökonomischer und politischer Regulierung, Koordinierung und Steuerung in komplexen institutionellen Strukturen, in denen meistens staatliche und private Akteure zusammenwirken. Mit dem Begriff Governance werden Veränderungen in der Herrschaftspraxis des modernen Staates, neue Formen der internationalen Politik sowie der Wandel von Organisationsformen und Interorganisationsbeziehungen in der öffentlichen Verwaltung, in Verbänden, in Unternehmen, in Märkten und in Regionen bezeichnet“ (Benz 2004, S.12ff).

4. Definition

Universitäre Governance ist ein Prozess sozialer Konkurrenz um die Teilhabe an bzw. die Verteilung von Stellen und Geldern, Ansehen, politische Durchsetzungsmacht, juristischen Rechten und der Verfügung über Arbeitsgebiete (vgl. Lüde 2006, S.145).

5. Definition

Governance im Hochschulwesen dient dazu nationale und internationale bildungsrelevante Entwicklungen zu analysieren und so Hilfen für bildungspolitische Entscheidungen durch vorangehende wissenschaftliche Forschung zu leisten (vgl. Seyr 2002, S.17ff).

Verwendete Literatur

Benz, Arthur (2004). Governance-Regieren in komplexen Regelsystemen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Brockhaus Enzyklopädie (2006). Band 9. Leipzig: Brockhaus.

König, Klaus Adam, Markus Speer, Benedikt & Theobald, Christian (2002). Governance als entwicklungs- und transformationspolitisches Konzept. Berlin: Verlag Duncker & Humblot.

Langer, Roman (2006). Hinter den Spiegeln universitärer Governance. Dynamiken informeller Selbstregulierung an der Universität. In R. Lüde (Hrsg.), Wirtschaft-Arbeit-Technik. Perspektiven gesellschaftlichen Wandelns (S.145). Berlin: LIT Verlag.

Seyr, Bernhard (2002). Governance im Hochschulwesen. Bildungspolitik des postsekundären Sektors in Europa – Prüfungsanerkennung an österreichischen Universitäten. Wien Graz: NWV Neuer Wissenschaftlicher Verlag.

Dorsch, F. (2003). Psychologisches Wörterbuch. Auflage 12. (Seite 18). Bern: Verlag Hans Huber.

Greitemayer, M. (1980). Medizinische Psychologie. Medizinische Soziologie. (Seite 67). Stuttgart: Frommann-Holzboog.

Zimbardo, P. (2003). Psychologie. 6.Auflage. (S. 414). Berlin: Verlag Springer.

Enzyklopädie der Psychologie. Theorie und Forschung KOGNITION. Gedächtnis Band 4. (Seite 617). Göttingen: Verlag für Psychologie Hofgrefe.

Hermann, T.(1977). Handbuch psychologischer Grundbegriffe (S.69). München: Kösel-Verlag.


Siehe auch das
Lexikon für Psychologie und Pädagogik

Zu weiteren psychologischen Begriffen

Dieses Thema diskutieren


Psychologische Begriffsbestimmungen 2006


quellenangaben ::: impressumstangl.eu