Psychologische Begriffsbestimmungen 2006

Claudia Wetzlmaier

Handeln 

Handeln, bewusstes, willentliches, daher dem Menschen eigentümliches Tun, das (zum Unterschied vom theoret. Betrachten) auf Gestaltung der Wirklichkeit gerichtet ist. (...) Das Denken ist kein H., es kann aber sofern es plant, d.h. Situationen und mögliche Handlungen vorentwirft, als „Probehandeln“ aufgefasst werden.

Quelle: F. A. Brockhaus Wiesbaden (1954). Der große Brockhaus (GP – IZ, Teil 5) (S. 234). 

Handeln, eine Person handelt, wenn sie zielgerichtet und absichtsvoll tätig ist. Damit eine Handlung entstehen kann, arbeiten bei einer Person alle wesentlichen Aspekte der Psyche (...) zusammen (Pflüger 1993). (...) Für das Arbeiten mit schwer geistig behinderten Menschen ist wichtig, zu erkennen, dass auch schon wenig komplexe Aktivitäten wie Anfassen und Loslassen bereits alle Aspekte des Handelns umfassen.

Quelle: Baumgart / Bücheler (2002). Gesellschaft Erwachsenenbildung und Behinderung e. V. (Hrsg.), Lexikon Wissenswertes zur Erwachsenenbildung unter besonderer Rücksicht von geistiger Behinderung; Fragen – Nachschlagen - Anwenden (S. 131 / 132). München: Verlag Luchterhand. 

Handeln, tätig sein, sinnvolle Bewegungen vollziehen, im weiteren Sinne unter Einschluss aller emotionell, affektiv od. instinktiv ausgelösten Verhaltensformen; im eigentlichen, engeren Sinne: zielgerichtet und bewusst tätig sein; gestaltend in die Wirklichkeit eingreifen. (...)

Quelle: Hehlmann, W. (1964). Wörterbuch der Psychologie – 4. Auflage (S. 203/204). Stuttgart: Alfred Kröner Verlag.

Handeln, ein Wesensmerkmal des Menschen und vom Instinktverhalten der Tiere bes. durch Einsicht, Planung, Ablösbarkeit der Ziele des H.s. v. der jeweiligen Situation, Messbarkeit an sozialen u. a. Werten unterschieden. (...) Ein wesentliches Ziel der Charakterbildung ist eine Formierung des H.s., das der Mensch immer stärker selber in die Hand bekommen soll (ð Selbsterziehung). (...)

Quelle: Hehlmann, W. (1971). Wörterbuch der Pädagogik – 10. Auflage (S. 224). Stuttgart: Alfred Kröner Verlag.Handeln, (...) „handelt“, wer nicht nur „reagiert“ sondern  „von sich aus“ etwas tut oder unterlässt, d. h. mit Bewusstsein ‚agiert’ und ‚arbeitet’.Quelle: Steinacker, W. (2003). Wikipedia - Die freie Enzyklopädie. Online im internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Handeln (2005-11-02).  

Unterschiede / Gemeinsamkeiten

Es kommt in allen  Begriffserklärungen heraus, dass Handeln ein bewusstes, willentliches, zielgerichtetes Tun ist und gestaltend in die Wirklichkeit eingreift; Handeln ist eine Tätigkeit. Das Denken kann nicht als direktes Handeln gesehen werden, aber es gehört durchaus zum Handlungsprozess (z. B. indem man ein Handeln plant).

Im „Wörterbuch der Pädagogik“ (4. Definition) greift man zusätzlich die Charakterbildung durch eigenes Handeln auf; das „Wörterbuch der Psychologie“ (3. Definition) hinterfragt die Psyche / den Willen und im „Lexikon Wissenswertes zur Erwachsenenbildung unter besonderer Rücksicht von geistiger Behinderung“ geht man auf das Handeln behinderter Menschen ein.  Diese „Zusatzdefinitionen“ gehen aber auf die einschlägigen Fachrichtungen der Lexika zurück.

Eigene Definition:

Handeln: Eine Person handelt, wenn sie bewusst, willentliche und zielgerichtete Tätigkeiten vollzieht. Diese Tätigkeiten greifen gestaltend in die Wirklichkeit ein. Man ist für sein Handeln selbst verantwortlich. Das Denken ist kein direktes Handeln.

Verwendete Literatur


Siehe auch das
Lexikon für Psychologie und Pädagogik

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