Psychologische Begriffsbestimmungen 2006

Christoph Himmelbauer & Melanie Baier

Interesse 

„Der Begriff Interesse (von lat. inter, zwischen, und esse, sein) kommt ursprünglich aus der Handels- und Rechtssprache.“ (Wiedemann 2006, www.phillex.de/interess.htm) „Interesse bezeichnete Zinsen, die geschuldet, bzw. Gewinne, die erwartet wurden. Darin wurzelt der heute bereits veraltete Wortsinn von Vorteil, Eigennutz und Egoimus.“ (Schiefele & Krapp, 1981, S. 192

Der Begriff Interesse ist aber auch in der Pädagogik und Erziehungswissenschaft von höchster Wichtigkeit. „Die pädagogisch relevante Wortbedeutung entwickelte sich aus dem Französischen im Sinne von Anteilnahme, Vorliebe, Gerichtetsein.“ (Schiefele & Krapp 1981, S. 192)

Die meisten Autoren von Heute haben eine sehr ähnliche Auffassung über der den Begriff Interesse und daher auch eine ähnliche Definition. Interesse ist eine „Bezeichnung für die Tendenz, bestimmte Gegenstände, Ereignisse, Sachverhalte usw. der Umwelt besonders zu beachten und ihnen gegenüber gesteigerte emotionale Anteilnahme zu zeigen, weil sie einen subjektiven Wert darstellen. Interessen werden erworben, sind relativ konstant und können Motive des Handelns werden.“ (Grüner, Georg & Kahl 1982, S. 117) Auch andere Autoren sind der Meinung, dass Interesse zum Handeln bewegt. (vgl. Brunner & Zeltner 1980, S. 106f und vgl. Schiefele & Krapp 1981, S. 193f) Aber handeln ist nicht nur auf Grund von Interessen möglich. Menschen müssen auch Dinge tun und leisten, die nicht ihren Interessen entsprechen. (vgl. Schiefele & Krapp 1981, S. 195)

Da aber all diese Erklärungen und Definition sehr kompliziert, hochgestochen und wissenschaftlich sind, gefällt mir folgenden Definition am besten, da diese für Jedermann leicht verständlich ist: „Unter Interesse versteht man die geistige Anteilnahme respektive die Aufmerksamkeit, die eine Person an einer Sache oder einer anderen Person nimmt. Je größer die Anteilnahme ist, desto stärker ist das Interesse der Person für diese Sache. Auch Vorlieben oder die Hobbys einer Person werden als Interessen bezeichnet.“ (freie Autoren 2006, http://de.wikipedia.org/w/index.php?
title=Interesse&oldid=13803790
)

Manche Autoren gehen noch weiter und zerlegen den Begriff Interesse in seine Einzelheiten. Es besteht die Möglichkeit zwischen subjektiven und objektiven Interessen zu unterscheiden, um dann wieder in Eigen- und Allgemeininteresse zu unterteilen. (vgl. Wiedemann 2006, www.phillex.de/interess.htm)

„Wenn durch irgendwelche Umstände etwas eine gewisse Bedeutung für den Menschen erlangt, so kann das sein Interesse, d.h. eine spezifische Gerichtetheit der Persönlichkeit, hervorrufen…Das Interesse im psychologischen Sinn des Wortes ist ein ganz spezifisches Gerichtetsein der Persönlichkeit, das schließlich nur durch das Bewusstsein ihrer gesellschaftlichen Interessen bedingt ist.“ (Rubinstein zit. nach Wiedemann 2006, www.phillex.de/interess.htm) Dieses abschließende Zitat des russischen Psychologen Rubinstein gefällt mir sehr gut, da es meiner Meinung nach das Wort Interesse genauer definiert. Für mich sagt dieses Zitat aus, dass jeder seiner Persönlichkeit, seinem Gerichtetsein (Interessen) freien Lauf lassen soll, aber nur in einem von der Gesellschaft vorgegebenen Rahmen und dass diese Interessen, aber auch von der Gesellschaft vorgegeben werden können.

Verwendete Literatur

Brunner, R. & Zeltner W. (1980). Lexikon zur Pädagogischen Psychologie und Schulpädagogik. Entwicklungspsychologie, Lehr- und Lernpsychologie, Unterrichtspsychologie, Erziehungspsychologie, Methoden der Pädagogischen Psychologie, Methodik, Didaktik, Curriculumtheorie. München, Basel: Ernst Reinhardt Verlag.

Grüner, G., Georg, W. & Kahl, O. (1982). Kleines Berufspädagogisches Lexikon. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag KG.

Schiefele, H. & Krapp, A. (1981). Handlexikon zur Pädagogischen Psychologie. München: Ehrenwirth.

Wiedemann, U. (2006). PhilLex. Lexikon der Philosophie.

Online im Internet: WWW: http://www.phillex.de/interess.htm

Verschiedene Autoren (2006). Artikel Interesse. In: Wikipedia. Die freie Enzyklopädie.

Online im Internet: WWW: http://de.wikipedia.org/
w/index.php?title=Interesse&oldid=13803790


Siehe auch das
Lexikon für Psychologie und Pädagogik

Zu weiteren psychologischen Begriffen

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Interesse 1. Anteilnahme, Wissensdrang; Vorteil. 2. in der Rechtsphilosophie und Allg. Rechtslehre auf ethische Werte bezogene Grundlage des Rechts.
3. Schadensersatzrecht: wirtschaftlicher Wert eines verletzten Rechtsgutes oder eines entgangenen Geschäftes. (Müller, H. (1978) (S.429)

Unter Interesse (von lateinisch interesse: dabei sein, teilnehmen an, "dazwischen-stecken/sein") versteht man die geistige Anteilnahme respektive die Aufmerksamkeit, die eine Person an einer Sache oder einer anderen Person nimmt. Je größer diese Anteilnahme ist, desto stärker ist das Interesse der Person für diese Sache. Auch die Vorlieben oder die Hobbys einer Person werden als Interessen bezeichnet. („Ohne Autor“ Wikipedia – die freie Enzyklopädie (2005))

Interesse (lat. interesse, dazwischen sein) aus dem römischen Recht herkommende Begriff, dort den Gegenstand einer Auseinandersetzung und damit verbundenen Ansprüchen bezeichnend. In der Folgezeit entwickelten sich weitere Bedeutungen, mit dem Grundzug zunächst der materiell-ökonomischen und gesellschaftlichen Nutzens- und Vorteilsabsicht, dann auch der uneigennützigen mitmenschlichen Anteilnahme, im 18. Jh., bes. im astethischen Bereich, der durch das „interessante“ erregten Aufmerksamkeit.

Kant teilt Interesse (Wohlgefallen) mehrfach: in das sinnlich-bedingte Interesse an empirisch-gegenständlichen Inhalten; in das reine Vernunft-Interesse als moralisch-praktisches aus der Achtung für das unbedingte Sittengesetz und als spekulatives an der systematischen Einheit des Denkens und Erkennens, beide vereinigt in den „drei Fragen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen?“; schließlich in das ästhetische Interesse als „uninteressiertes Wohlgefallen“. (Halder, A. (2000) (S.159 f.))

Neugierverhalten und Interesse sind nicht dasselbe. Während Neugierverhalten nur eine kurze Phase der Zuwendung bzw. Exploration auslöst, sind Interessen längerfristige und relativ stabile Beziehungen zu Objekten bzw. Objektklassen.

(Oerter, Rolf & Montada, Leo (1995))

Interesse ist ein zentraler Begriff der Pädagogischen Psychologie. Er steht in enger Verbindung zur Thematik von Entwicklung, Lernen, Erziehung. Interessen spielen eine wichtige Rolle zur Beschreibung und Erklärung von Lernmotivation.

(Rost, D. (2001) (S. 286))

Interesse meint allgemein Anteilnahme, Aufmerksamkeit, Neigung. Im kommer-ziellen Bereich bedeutet sein Interesse wahren: einen bestimmten Nutzen zu verfolgen. Einem Interesse liegt also in jedem Fall eine erwartungsvolle Einstellung zugrunde, aus der heraus ein Individuum einen bestimmten Detail seiner Umwelt bevorzugt seine Aufmerksamkeit widmet. Der Erziehung stellt sich die Aufgabe, offenkundige Interessen zu fördern, darüber hinaus aber in umfassender Weise neue Interessensrichtungen durch entsprechende Umwelt- und Lernangebote anzubahnen

(Köck, P. & Ott, H. (1994) (S.335 f))

Eigene Definition:

Interesse bedeutet Anteilnahme, Aufmerksamkeit, Neigung. Interesse ist jedoch nicht gleich Neugier. Man unterscheidet in eigennütziges und uneigennütziges Interesse. Interesse ist meist individuell verschieden.

In der Pädagogik wird das persönliche Interesse zur Förderung von Wissen und als Motivationsgrundlage verwendet.

Verwendete Literatur

Halder, Alois (2000), Philosophisches Wörterbuch. Völlig überarbeitete Neuausgabe. (S.159 f.) Herder spektrum.

Köck, P. & Ott, H. (1994), Wörterbuch für Erziehung und Unterricht – 3100 Begriffe aus den Bereichen Pädagogik, Didaktik, Psychologie, Soziologie und Sozialwesen. (S.335 f). Donauwörth: Ludiwig Auer

Müller, H. (1978), Das moderne Lexikon. In zwanzig Bänden. (S.429) Gütersloh: Bertelsmann

Oerter, Rolf & Montada, Leo (Hrsg.) (1995), Entwicklungspsychologie – Ein Lehrbuch. Weinheim: Beltz

Rost, D. (2001) (Hrsg.), Handwörterbuch Pädagogischer Psychologie (S. 286). Weinheim:Beltz

„Ohne Autor“ (2005). Wikipedia – die freie Enzyklopädie

Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Interesse (05-11-02) 

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