Psychologische Begriffsbestimmungen 2006

Lernen 

Der Begriff Lernen beschreibt „ den Vorgang der Aneignung bzw. Änderung von Verhaltensweisen oder kognitiven Strukturen. Kurzfristige Verhaltensänderungen, die auf Ermüdung, Drogeneinfluss usw. sowie solche, die auf Reifung, Altern, Verletzung oder Krankheiten zurückgehen, fallen nicht unter diesen Begriff. Lernen kann nicht direkt beobachtet werden, sondern nur die Lernleistung, die während oder nach einem Lernvorgang gezeigt wird.

Brunner R & Zeltner W. (1980). Lexikon zur Pädagogischen Psychologie und Schulpädagogik. E. Reinhard GmbH & Co Verlag: München

Man spricht von Lernen, „wenn ein Subjekt infolge mehr oder weniger passiv gemachter Erfahrung und/oder eigener Aktivität (und ihrer Konsequenzen) sein Verhalten in einer bestimmten Situation (technisch gesprochen: einem bestimmten Reiz gegenüber) mehr als nur vorübergehend ändert.

Asanger R & Wenninger G. (1980). Handwörterbuch der Psychologie. Beltz Verlag: Weinheim und Basel

Es gibt zwei Schlüsselbegriffe die Lernen charakterisieren. „Veränderung und Erfahrung. Lernen bezieht sich auf eine Veränderung im Verhalten oder Verhaltenspotential eines Individuums in einer gegebenen Situation, die sich zurückführen lässt auf wiederholte Erfahrungen dieses Individuums in dieser Situation. Vorausgesetzt wird, dass man die Verhaltensänderung nicht auf der Basis von angeborenen Reaktionstendenzen, Reifung oder vorübergehenden Zuständen (z. B. Ermüdung, Trunkenheit, Triebe usw.) erklären kann“

Lenzen D. (1989). Pädagogische Grundbegriffe. 2 Jugend-Zeugnis. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH: Reinbeck bei Hamburg

Mitbedingung für Lernen ist die Fähigkeit zur Erinnerung (Gedächtnis). Jedoch ist Lernen mehr als das reine Abspeichern von Informationen. Lernen beinhaltet die Wahrnehmung der Umwelt, die Verknüpfung mit Bekanntem (Erfahrung) und das Erkennen von Regelmäßigkeiten.

Die Fähigkeit zu lernen ist eine Grundbedingung für Mensch und Tier, sich den Gegebenheiten des Lebens und der Umwelt anpassen zu können, in ihr sinnvoll zu agieren und sie gegebenenfalls im Interesse eigener Erfordernisse zu verändern. Für den Menschen ist die Fähigkeit zum Lernen auch eine Voraussetzung für Bildung, also ein reflektiertes Verhältnis zu sich, zu den anderen und zur Welt.

Wikipedia. Bedeutung des Lernens.
Online im internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Lernen#Bedeutung_des_Lernens (06-04-02)

Lernen = Durch Erfahrung bedingte Veränderung einer Verhaltensweise.

Gibson M. Sachwörterbuch Lernen durch Lehren. Psychologische Grundlagen des Lernens.
Online im internet: http://nwg.glia.mdc-berlin.de/teacher.php/de/default/glossar (06-04-02)

Psychischer Vorgang, der primär auf Erfahrung oder Übung beruht und tendenziell dauerhaft die Wahrscheinlichkeit verändert, mit der eine Person auf bestimmte Weise auf wahrgenommene Reize reagiert. (z.B. Kauf bestimmter Marken)

Markenlexikon. Online im internet: http://www.markenlexikon.com/glossar_l.html (06-04-02)

Gemeinsamkeiten:

Der Begriff „Lernen“ wird in allen Quellen als Aneignung bzw. die Veränderung von Verhaltensweisen einer Person definiert. Es wird speziell erwähnt, dass die Veränderung des Verhaltens durch Übung und Erfahrung zustande kommt.

Unterschiede:

Ermüdung, Drogeneinfluss, Alter, Verletzung oder Krankheiten gelten nicht als Veränderung des Verhaltens und sind daher auszuklammern. Diese Erkenntnis wird aber nur in zwei Literaturquellen erwähnt. Die Anderen beschäftigen sich mit dieser nicht. Grund dafür könnte sein, dass dies als Grundannahme gilt.

Zusammenfassende Definition:

Lernen ist die langfristige Veränderung und Aneignung von Verhaltensweisen, die durch Üben, Wiederholen und durch Erfahrung geprägt werden.

„In der Umgangsprache wird der Begriff des Lernens besonders im Zusammenhang mit der Schule gebraucht. (…) Der psychologische Lernbegriff ist wesentlich weiter gefasst. Hier sprechen wir auch vom Lernen von angst und Sicherheit, vom Erwerb von Vorlieben und Abneigungen, der Ausbildung von Gewohnheiten, der Befähigung von planvollem Handeln und problemlösendem Denken.“ (Edelmann 1993, S.5)

Lernen: "das Aneignen von Wissen und Kenntnissen bzw. das Einprägen in das Gedächtnis. Das L. beinhaltet v. a. auch den Vorgang, im Laufe der Zeit durch Erfahrungen, Einsichten o. Ä. zu Einstellungen und Verhaltensweisen zu gelangen, die von Bewusstsein und Bewusstheit bestimmt sind." (LexiROM 1999)

"Lernen ist der Prozess, der zu einer relativ stabilen Veränderung von Reiz-Reaktions-Beziehungen führt; er ist eine Folge der Interaktion des Organismus mit seiner Umgebung mittels seiner Sinnesorgane." (Zimbardo & Gerrig 1999, S.229)

"Unter Lernen versteht man die hypothetischen Prozesse, die den Verhaltensänderungen durch Erfahrung entsprechen." (Langfeldt 1996, S.102) 

"Lernen ist das Aufnehmen, Verarbeiten und Umsetzen von Informationen. Lernen ist ein lebenslanger Prozeß." (Schilling 1997, S.159)

Zusammenfassend ist zu sagen, dass sich Lernpsychologie mit dem Phänomen des Lernens beschäftigt und, dass dies zu einer Verhaltensänderung durch verschiedene Einflussfaktoren führt.

Verwendete Literatur

Edelmann, W. (1993). Lernpsychologie. Weinheim: Psychologie Verlags Union.

Microsoft & Brockhaus (1999). LexiROM 4 Edition 2000. Unterschließheim: Microsoft.

Gerrig, R. (1999).Psychologie. Berlin: Springer

Langfeldt, H. (1996). Psychologie. Berlin: Luchterhand.

Schilling, J. (1997). Soziale Arbeit. Berlin: Luchterhand.


Siehe auch das
Lexikon für Psychologie und Pädagogik

Zu weiteren psychologischen Begriffen

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Als Lernen wird bei Menschen und Tieren der Vorgang bezeichnet, der die „Aufnahme, Speicherung und Verarbeitung nicht ererbter Informationen“ (Bertelsmann Universallexikon 1990, S.374) bewirkt. Diese Informationen können eine Verhaltensveränderung ermöglichen oder bewirken. Das erworbene neue Wissen ist abrufbar und kann weitergegeben werden. (vgl. Bertelsmann Universallexikon 1990, S.374)

Lernen ist weiters eine „Veränderung im Verhalten oder Verhaltenspotential eines Organismus in einer bestimmten Situation, die durch wiederholte Erfahrung in dieser Situation hervorgerufen wurde und die nicht durch angeborene Reaktionstendenzen, Reifung oder momentane Zustände erklärt werden können.“ (Hilgard & Bower 1981, S.11) 

Der Begriff des Lernens sollte immer als Bewegung gesehen werden. Der Lernprozess beeinflusst Reaktionsweisen, Meinungen usw. und führt einen vom ursprünglichen veränderten Zustand herbei. Die Begriffe Lernen und Wandel sind daher unmittelbar miteinander verbunden. (vgl. Steinmann & Schreyögg 2000, S. 463) 

Aber Lernen meint zum Beispiel auch „die Prozesse, die als Interaktionen mit anderen Gesellschaftsmitgliedern (oder spezifischen Gruppen) in Kommunikationsbeziehungen ablaufen und die individuelle Folgen in Form der Übernahme oder Ablehnung der in diesen Interaktionen gezeigten Verhaltensweisen haben.“ (Lamnek 1993, S. 186) 

Wann hat man gelernt? „Wenn Erkenntnisse, Sachverhalte, Ereignisse oder Handlungen im Sinne eines aktiven Prozesses so gut im Gedächtnis abgespeichert worden sind, dass man sich an sie mehr oder weniger lange erinnert, sie wiedergeben oder erneut ausführen kann. Lernvorgänge bilden somit die Grundlage für abstrakte Denkvorgänge.“ (Sociologicus Lexikon, http://www.sociologicus.de/lexikon)

Allerdings muss der Versuch, eine allgemein verbindliche Definition des Lernens zu formulieren, schon deshalb scheitern, weil der Begriff des Lernens sowohl im vorwissenschaftlichen wie im wissenschaftlichen Verständnis jeweils ganz verschieden weit gefasst und in Umfang und Inhalt wesentlich davon abhängig Ist, auf welchen Gegenbegriff er bezogen ist (z.B. Lernen gegen Vergessen, Lernen gegen Reifung, erlerntes gegen instinktives Verhalten) (vgl. Groothof & Stallmann 1987, S. 704).

Eigene Kurzdefinition: Lernen ist das Aneignen von nicht ererbtem/-n Wissen, Verhaltensweisen, Normen, Werten usw. Es verändert das Individuum und sein Lebensumfeld durch wiederholtes Erfahren.

Verwendete Literatur

Bertelsmann Universallexikon (1990). Gütersloh: Bertelsmann.

Groothof, H. & Stallmann, M. (1984). Neues pädagogisches Lexikon. Stuttgart: Kreuz-Verlag.

Hilgard, E. & Bower, G. (1981). Theorien des Lernens. Stuttgart: Klett-Cotta.

Lamnek, S. (1993). Theorien abweichenden Verhaltens. München: Wilhelm Fink Verlag.

Sociologicus Lexikon

Online im Internet: www.sociologicus.de/lexikon (2005-11-02)

Steinmann, H. & Schreyögg, G. (2000). Management. Grundlagen der Unternehmensführung – Konzepte, Funktionen, Fallstudien. Wiesbaden: Dr. Th. Gabler Verlag

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