Psychologische Begriffsbestimmungen 2006

Marion Strasser & Christoph Nagl

Motivation 

Quelle 1:

„Die Beweggründe die das Handeln eines Menschen bestimmen.“ (Drosdowski, Müller, Scholze-Stubenrecht & Wermke 1996, S. 505)

Quelle 2:

„Motivation, Zentralbegriff der Lernpsychologie, da alle psycho-physischen Aktivität unter ihrem Einfluß entsteht. Die Lernpsychologie unterscheidet 3 Arten von Motivation: Triebreduktion, Anreizmotivation und Verstärkung. Bei der Triebreduktion liegt das Zentrum der Motivation im Individuum selbst. Aktivitäten verringern einen vorhanden inneren Triebdruck. Bei der Anreizmotivation (incentive motivation) liegt das bewegende Zentrum in der Außenwelt des Individuums. Reize, die auf es treffen (und mit inneren Bedürfnissen harmonieren), werden zum Anlaß neuer Aktivität. Die Verstärkung, das positive Reinforcement, ist ein angenehmer Reiz, der auf eine Verhaltensweise folgt und dadurch die Wiederholung einer vergleichbaren Aktivität hervorruft. Primäre Motivation ist triebnah und angeboren, sekundäre Motivation meint geistige Bedürfnisse und Interessen. Sie wird durch Lernprozesse erworben und ist ein Ziel jeder Erziehung.“ (Schorb 1975, S. 178)

Quelle 3:

„Motivation ist die Gesamtheit der in einem individuellen Gefüge wirksamen Motive. Motivation ist als ein „summarisches Konstrukt“ (HECKHAUSEN, 1977, S. 175) die Gesamtheit der das Verhalten beeinflussenden Faktoren, die sich vornehmlich als Bedürfnisse manifestieren. Diese können bestehen als Bedürfnisse des Verlangens (Appetenz) oder des Vermeidens (Aversion). Der Erfolg unterrichtlichen Lehrens hängt zum Großteil von der Berücksichtigung bzw. Schaffung von Lern- und Leistungsbedürfnissen ab.“ (Schröder 1985, S. 210f)

Quelle 4:

„Motivation (lat. movere bewegen): die Stiftung oder Erregung eines Motivs als einer „Triebfeder des Wollens“, wodurch der Schüler zu einer bestimmten Verhaltensweise (etwa zur Inangriffnahme einer Unterrichtsaufgabe oder zu einem sozial bestimmten Tun) veranlaßt wird. In didaktischer Sicht soll die Motivation das Interesse des Schülers für eine Leistungsforderung erwecken, deren Sinn er noch nicht eingesehen kann. Durch eine geschickte Einführung gelingt es dem Lehrer, die Aufmerksamkeit des Schülers zu fesseln und ihn die folgende Darbietung erwartungsvoll aufnehmen oder die Lösung der vorliegenden Aufgabe als notwendig und reizvoll empfinden zu lassen.“ (Odenbach 1974, S. 326) 

Quelle 5:

„Der allgemeine Begriff Motivation dient der Erklärung, welche innerpsychischen Gründe, Impulse das Verhalten von Personen bestimmen. Die Frage nach der Motivation stellt sich beispielsweise, wenn man nach den außerintellektuellen Gründen für das Versagen eines Schülers oder nach den Gründen für den Kauf eines bestimmten Produkts sucht.“ (Petzold & Speichert 1981, S. 306) 

Quelle 6:

„Motivation ist der Zustand des Motiviertseins.“ (Stangl 2006) 

Gemeinsamkeiten und Unterschiede:

Die Definitionen bzw. Begriffsbestimmungen wurden in den verschiedenen Lexika, Duden und Internetquellen sehr unterschiedlich aufgebaut. In einigen Quellen ist nicht nur der Begriff Motivation an sich erklärt, sondern auch die verschiedenen Arten der Motivation. (habe nicht bei allen Quellen alles abgeschrieben, da es manchmal sehr ins Detail geht.) Weiters ist in manchen Lexika von Beispielen ausgegangen worden, bzw. wird anhand von Beispielen der Begriff Motivation erklärt.

Es wird in fast allen Quellen erwähnt, dass Motivation von Motiven ausgeht und in diesem Zusammenhang wird meistens auch erklärt, was Motive sind.

Ein großer Unterschied ist, dass in nur zwei Quellen der Stamm des Wortes erklärt wird. In den anderen Lexika wird der lateinische Ursprung nicht erwähnt.

Zusammenfassende Begriffsbestimmung:

 Motivation stammt aus dem lateinischen (movere-bewegen) und ist die Gesamtheit von Motiven die einen Menschen zu einer Handlung bewegen. Es gibt viele verschiedene Arten von Motivation. Die Triebreduktion, die Anreizmotivation und die Verstärkung. Motivation wird in der Hochschuldidaktik auch in primäre (intrinsische) und sekundäre (extrinsische) Motivation unterteilt. Motivation ist somit der Zustand des Motiviertseins.

Verwendete Literatur

Drosdowski, G. (1996). Duden. Die deutsche Rechtschreibung. Das Standardwerk zu allen Fragen der Rechtschreibung. In Wissenschaftler Rat der Dudenredaktion (Hrsg.), Motivation
(S. 505). Mannheim: Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG

Odenbach, K. (1974). Lexikon der Schulpädagogik. Begriffe von A – Z. In K. Odenbach (Hrsg.), Motivation (S. 326). Braunschweig: Westermann

Petzold, H. (1981). Handbuch pädagogischer und sozialpädagogischer Praxisbegriffe. In H. Petzold & H. Speichert (Hrsg.), Motivation (S. 306). Reinbek bei Hamburg: Rowohlt

Schorb, A. (1975). Pädagogisches Taschenlexikon a-z. In Prof. Dr. Heribert Heinrichs (Hrsg.), Motivation (S. 178). Bochum: Ferdinand Kamp

Schröder, H. (1985). Grundwortschatz Erziehungswissenschaft. Ein Wörterbuch der Fachbegriffe von „Abbilddidaktik“ bis „Zielorientierung“. H. Schröder (Hrsg.), Motivation (S. 210f). München: Ehrenwirth

STANGL, W. (2006). Werner Stangls Arbeitsblätter. Motive und Motivation. „Online im Internet:“ http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MOTIVATION/ (06-03-24)


Siehe auch das
Lexikon für Psychologie und Pädagogik

Zu weiteren psychologischen Begriffen

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Quelle 1:

Motivation (lateinisch movere = bewegen; PPP = motum; motus = die Bewegung) bezeichnet in den Humanwissenschaften sowie in der Ethologie einen Zustand des Organismus, der die Richtung und die Energetisierung des aktuellen Verhaltens beeinflusst. Mit der Richtung des Verhaltens ist insbesondere die Ausrichtung auf Ziele gemeint. Energetisierung bezeichnet die psychischen Kräfte, welche das Verhalten antreiben. Ein Synonym von "Motivation" ist "Verhaltensbereitschaft".

Ohne Autor. Wikipedia – Die freie Enzyklopädie

http://de.wikipedia.org/wiki/Motivation (1.11.05)

Quelle 2:

Motivation – nennen wir im pädagogischen Verständnis die persönlich bestimmte Haltung aufgrund derer sich der Schüler auf Anlässe des Lernens einlässt und sich für sie als seine Aufgaben entscheidet.

Ipfling, Heinz-Jürgen (1974). Grundbegriffe der pädagogischen Fachsprache S.208-209, 2.Auflage. München: Ehrenwirth

Quelle 3:

Motivation – das Sich-gegenseitig-Bedingen seelischer Geschehnisse; die Beweggründe des Willens.

Der Kleine Duden – Deutsches Wörterbuch (1982) S. 262, Mannheim; Wien; Zürich: Bibliographisches Institut

Quelle 4:

Motivation – Summe der Beweggründe, Begründung

Der Kleine Duden - Fremdwörterbuch (1983) S. 274, Mannheim; Wien; Zürich: Bibliographisches Institut 

Quelle 5:

Motivation - Vorgang, durch den einer Handlung auf der Basis eines bestimmten Motivs der Antrieb gegeben wird. Im Unterschied zum Begriff des Motivs wird durch den Motivationsbegriff der Prozess bezeichnet, der die Dynamik des Handelns bedingt.

Stoffer, Thomas (2005). Microsoft Encarta Enzyklopädie Prof. 2005

Fazit

Die Definition des Begriffes „Motivation“ unterscheidet sich von Quelle zu Quelle. Motivation ist in der pädagogischen Definition ein Begriff des Unterrichtens, im Allgemeinen Sinn werden aber die Beweggründe des Willens darunter verstanden. 

Zusammenfassende Definition

Motivation –  (lateinisch movere = bewegen) die Beweggründe des Willens; in der Ethologie einen Zustand des Organismus die Richtung und die Energetisierung des aktuellen Verhaltens beeinflusst; im pädagogischen Verständnis die persönlich bestimmte Haltung aufgrund derer sich der Schüler auf Anlässe des Lernens einlässt.

Psychologische Begriffsbestimmungen 2006


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