Psychologische Begriffsbestimmungen 2006

N.N.

Performanz 

Performanz die, -/-en, 1) Psychologie: Bez. für die Leistung in Handlungstests (z.B. beim Figurenlegen); im Unterschied zur Leistung in verbalen Tests. Als Performance-Tests werden hauptsächlich die nichtverbalen Intelligenztests bezeichnet.

2) Sprachwissenschaft und Sprachpsychologie: bes. von N. CHOMSKY geprägte Bez. für das fakt. Sprachverhalten, d.h. die Sprachverwendung im Rahmen einer konkreten Sprechsituation, im Unterschied zur → Kompetenz 4). Nur beim idealen Sprecher oder Hörer entspricht demnach die P. der sprachl. Kompetenz. In Wirklichkeit unterliegt die P. zahlreichen, durch soziokulturelle, sozialpsycholog. u.a. Faktoren bedingten Abweichungen“ (Brockhaus Enzyklopädie 1991, S. 668).

„Performanz (engl. Performance) wird innerhalb der Psychologie gängigerweise mit <Ausführung>, <Verrichtung>, <Handlung> oder <Leistung> [1], manchmal auch mit <Vollzugshandlung> [2] übersetzt, innerhalb der Linguistik bisweilen mit <Sprechverwendung> [3].

     Im Rahmen des heutigen Sprachgebrauchs ist <Performanz> in erster Linie begriffliches Komplement zu <Kompetenz> (s.d.), womit die dem Verhalten zugrundeliegenden Fähigkeiten gemeint sind. Da die Wissenschaft vornehmlich an der Erforschung eben dieser Fähigkeiten interessiert ist, sind auch die Begriffsbestimmungen von <Kompetenz> meist umfangreicher und genauer als die von <Performanz>“ (Ritter & Gründer 1989, S. 248ff).

„Performanz ist die Bezeichnung für die Sprachverwendung, das Sprechen.

Das Gegenstück zur Performanz ist die Kompetenz. Sie bezeichnet das unbewusste Wissen eines Sprechers über seine Sprache.

Die Dichotomie Performanz und Kompetenz wurde von Noam Chomsky im Rahmen seiner Transformationsgrammatik eingeführt. Sie führt damit Ferdinand de Saussures Unterscheidung von Langue und Parole fort“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Kompetenz_und_Performanz).

„Die vielgestaltige Verwendbarkeit des Performanzbegriffs, ebenso wie seine Mehrdeutigkeit, haben maßgeblich zur akademischen Breitenwirkung des "garstigen Wortes" beigetragen. Auf die Frage, was der Begriff Performanz eigentlich bedeutet, geben Sprachphilosophen und Linguisten einerseits, Theaterwissenschaftler, Rezeptionsästhetiker, Ethnologen oder Medienwissenschaftler andererseits sehr verschiedene Antworten. Performanz kann sich ebenso auf das ernsthafte Ausführen von Sprechakten, das inszenierende Aufführen von theatralen oder rituellen Handlungen, das materiale Verkörpern von Botschaften im "Akt des Schreibens" oder auf die Konstitution von Imaginationen im "Akt des Lesens" beziehen“ (Wirth 2002,
S. 9).

„Neben dieser funktionalen Bestimmung kann sich der Performanzbegriff aber auch auf die phänomenale Tatsache beziehen, daß etwas als Äußerung verkörpert ist. So nimmt der Terminus performance im Rahmen von Chomskys universalgrammatischem Ansatz eine ganz andere Systemstelle ein als bei Austin. Chomsky führt zu Beginn seiner Aspekte der Syntax die Differenzierung zwischen competence und performance ein, um die "Kenntnis" eines Sprecher-Hörers vom "aktuellen Gebrauch" der Sprache in konkreten Situationen zu unterscheiden“ (Chomsky 1972, S. 14f).

„Eine originär linguistische Unterscheidung zwischen sprachlicher Kompetenz und Performanz geht zurück auf  Noam Chomsky (1965), den Begründer der generativen Transformationsgrammatik.

Die generative Transformationsgrammatik geht aus von der Beobachtung, dass der Sprecher, der eine Sprache kennt, in dieser Sprache auch grammatikalisch korrekte Äußerungen hervorbringen kann, die er vorher noch nie gehört hat. Er verfügt über die Elemente des betreffenden Sprachsystems und über die Regeln für ihre Verknüpfung; er kann von endlichen Mitteln unendlichen Gebrauch machen. Diese eine Fähigkeit wird als seine Kompetenz bezeichnet. Das Anwenden dieser Kompetenz, also das Hervorbringen von Sprachäußerungen, wird Performanz genannt“ (Pelz zit. nach Kräft 2005, S. 34).

Der Begriff Performanz hat in der Psychologie, Philosophie, Soziologie, Sprachwissenschaft- und Sprachpsychologie, etc. sehr unterschiedliche Bedeutungen.

Performanz steht in der Psychologie sowohl für die Leistung in Handlungstests (nichtverbale Intelligenztests) als auch für Ausführung, Verrichtung, Handlung, Leistung und manchmal auch für Vollzugshandlung.

In der Linguistik spielt Noam Chomsky, Begründer der generativen Transformationsgrammatik, eine wesentliche Rolle.

Im Zusammenhang mit Performanz stößt man auch immer auf den Begriff Kompetenz (= die dem Verhalten zugrundeliegenden Fähigkeiten / das unbewusste Wissen eines Sprechers über seine Sprache / das Hervorbringen von Sprachäußerungen).

In der Sprachwissenschaft- und Sprachpsychologie bezeichnet Performanz die Sprachverwendung, das Sprachverhalten, das Sprechen.

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Verwendete Literatur

Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden (1991). 19., völlig neu bearbeitete Auflage, 16. Band, Nos-Per. Mannheim: F.A. Brockhaus GmbH.

CHOMSKY, Noam (1972). Aspekte der Syntax-Theorie. Frankfurt: Suhrkamp.

KRÄFT, Angela (2005). Beurteilung sozialer Performanz von Berufsschülern im Ausbildungsberuf Kaufmann/Kauffrau für Bürokommunikation – Entwicklung eines Beobachtungsinstruments. Mannheim: Inauguraldissertation zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Wirtschaftswissenschaften der Universität Mannheim.

Online im Internet: WWW: http://de.wikipedia.org/wiki/Kompetenz_und_Performanz (06-10-27)

RITTER, Joachim / GRÜNDER, Karlfried (1989). Historisches Wörterbuch der Philosophie. Basel: Schwabe & CO.AG.

WIRTH, Uwe (2002). Performanz. Zwischen Sprachwissenschaft und Kulturwissenschaften. Frankfurt: Suhrkamp Wissenschaft 1575.


Siehe auch das
Lexikon für Psychologie und Pädagogik

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