Psychologische Begriffsbestimmungen 2006/7

Psychomotorik 

Unter Psychomotorik versteht man Auswirkungen des psychischen Geschehens auf alle willkürlichen und unwillkürlichen Bewegungen des menschlichen Organismus. Zum Beispiel: Stress, erhöhte Herztätigkeit.

1. Definition

„Unter Motorik oder Psychomotorik versteht man die Organisation und Koordination der Bewegungen im Gesamtbereich des menschlichen Organismus; angefangen von den Magen- und Darmbewegungen über die mimischen und gestischen Ausdrucksbewegungen bis hin zur Willkürmotorik der Arme und der Beine“ (Dieterich & Rietz 1996, S. 297).

2. Definition

„Zusammenfassende Bezeichnung der menschlichen Bewegungsabläufe, besonders Schnelligkeit und Koordination (Genauigkeit, Zweckmäßigkeit). Die Prüfung der Psychomotorik und des Zusammenspiels von Wahrnehmungs- und Kognitionsprozessen mit der motorischen Reaktion gibt Hinweise auf Temperament und Antriebe (psychomotorisches Tempo) sowie auf Bewegungsstörungen und ihre Ursachen“ (Gudemann 1995, S. 388).

3. Definition

Im Wörterbuch der Psychologie ist unter dem Begriff „psychomotorisch“ nachzulesen, dass diese Bezeichnung für die motorischen Aspekte des psychischen Geschehens steht (vgl. Fröhlich 1993, S. 318).

4. Definition

„Motorik ist eine umfassende Bezeichnung für alle Bewegungen des Organismus. […] Im Begriff „Psychomotorik“ kommt die enge Verknüpfung zwischen psychischen und motorischen Vorgängen zum Ausdruck“ (Michel & Novak 1995, S. 256 f).

Erste Versuche,  psychische Vorgänge und Persönlichkeitsmerkmale aufgrund Messung feinster motorischer Reaktionen zu beurteilen, wurden vom russischen Psychologen A. R. Luria unternommen. Bei Angst- und Schreckreaktionen sind die Auswirkungen des psychischen Geschehens auf die motorischen Vorgänge besonders deutlich beobachtbar. Viele Unfälle in der Industrie sowie im Straßenverkehr werden aufgrund solcher Angst- und Schreckreaktionen verursacht. Weitere psychomotorische Besonderheiten sind Stottern, Tics, Zittern und Haltungsstörungen. Aufgrund Erkrankungen des Nervensystems können Krämpfe oder Muskelzuckungen, sowie Hyper- oder Hypokinese als psychomotorische Erscheinungen auftreten (vgl. Michel & Novak 1995, S. 257).

5. Definition

Laut Fachlexikon ABC Psychologie ist Psychomotorik ein Sammelbegriff für psychisch, nämlich willentlich regulierbare Motorik, zu der Bewegungen, Haltungen und Tonus gehören. Psychomotorik bezeichnet ein bestimmtes, mit Bewusstseinsvorgängen verbundenes Niveau sensorischer Regulation von Motorik. Der Teil der unwillkürlich regulierten Motorik, die vom vegetativen Nervensystem gesteuert wird, wird in diesem Lexikon als apsychonome Motorik bezeichnet (vgl. Clauss 1995, S. 373 f).

Verwendete Literatur

Dieterich, R. & Rietz, I. (1996). Psychologisches Grundwissen für Schule und Beruf. Donauwörth: Auer Verlag.

Gudemann, W.E. (1995). Lexikon der Psychologie. Gütersloh: Bertelsmann Lexikon Verlag.

Fröhlich, W.D. (1993). Wörterbuch zur Psychologie. München: Deutscher Taschenbuch Verlag.

Michel, C. & Novak, F. (1995). Kleines Psychologisches Wörterbuch. Freiburg: Verlag Herder.

Clauss, G. (1995). Fachlexikon ABS Psychologie. Frankfurt am Main: Verlag Harri Deutsch.

Der Begriff Psychomotorik findet sich in „Das Grosse Duden-Lexikon Band 6“  wie folgt definiert:

„Zusammenfassende Bezeichnung der menschl. Bewegungsabläufe, soweit sie zugleich auch Hinweise auf >Temperament und Antriebe (psychomot. Tempo) geben“ (Das Grosse Duden-Lexikon Band 6, S 573).

Heuer H. stellte im Hinblick auf die Psychomotorik, folgenden Zusammenhang fest:

(…), „die Menge äquivalenter Bewegungen ist wiederum durch die Aufgabenanforderungen und die strukturellen Grenzen bestimmt“ (Heuer 1990b, S495).

In Bezug auf die Anwendbarkeit auf Kinder findet sich in der Praxis eines Sportkindergartens folgende Definition:

„Zusammenfassend kann man sagen, dass der Begriff psychomotorischdie funktionelle Einheit psychischer und motorischer Vorgänge, die enge Verknüpfung des körperlich- motorischen mit dem geistig-seelischen kennzeichnet“ (Zimmer 1987).

Der Begründer der Psychomotorik ist E. J. Kiphard der in den 60er Jahren Erkenntnisse über dieses Thema erworben hatte.

„Die psychomotorische Entwicklungsförderung ist ein pädagogisch-therapeutisches Konzept, welches die Wechselwirkungen psychischer (geistig-seelischer) und motorischer (körperlicher) Prozesse nutzt, um die Gesamt- und Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen positiv zu beeinflussen. Die Ursprünge der Psychomotorik in Deutschland gehen in die 60er Jahre auf den Gründungsvater E.J. Kiphard zurück“ (Zimmer 2006).

Der Gründungsvater der Psychomotorik E. J. Kiphard beschrieb seine Entdeckung über die Psychomotorik in einem Gedicht.

"Kommt Kinder, kommt herbei,
füllt aus den Raum und fühlt euch frei,
die beste Therapie ist die, die ihr nicht merkt.
Wenn froh ihr werkt und wirkt und alles ausprobiert,
darin verbirgt sich euer Drang,
das alles wirklich selbst zu tun,
ganz ohne Zwang und nicht zu ruhen
bis ihr begeistert und mit neuer Kraft es schafft
und euer eigenes Leben meistert“ (Kiphard 1992).

Meine daraus resultierende Definition lautet:

Psychomotorik ist die Bezeichnung für die psychisch bedingten Bewegungsarten des Menschen. ZB Gang, Schrift, Mimik 

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Verwendete Literatur

Duden, (2000). Das Grosse Duden-Lexikon Band 6. Psychomotorik, S 573.

Heuer, H. (1990b). Psychomotorik. In H. Spada (Hrsg.), Lehrbuch Allgemeine Psychologie. Bern: Huber (S. 495-559). 

Kiphard, E. J. (1992). 10 Jahre Förderzentrum E.J. Kiphard.

Online im Internet: www: http:// www.psychomotorik-bonn.de/pages/retro/jubilaeum2002.htm. (06-10-29)

Zimmer, C. (1987). Das Bewegungsangebot im Sportkindergarten. Online im internet: www: http://www.sportkindergarten.de/bewegung.htm (06-10-29) 

Zimmer, R. (2006) Handbuch der Psychomotorik

Online im Internet: www: http:// www.therapieundfoerderung.de/9316.html. (06-10-29)


Siehe auch das
Lexikon für Psychologie und Pädagogik

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