Psychologische Begriffsbestimmungen 2006/7

Rollenkonflikt 

Als Rollenkonflikt wird der Widerspruch zwischen einer oder mehreren Rollen einer Einzelperson oder zwischen den Rollen einer Person mit Rollen anderer Personen verstanden. Es wird zwischen Inter-Rollenkonflikt und Intra-Rollenkonflikt unterschieden.

1.     Definition:

Der Rollenkonflikt ist das Anpassungsproblem einer Person in einer Rollenbeziehung, in der ihr die Erfüllung logisch und/oder moralisch unvereinbarer Erwartungen hinsichtlich ihres Verhaltens abverlangt wird. Man unterscheidet 5 Arten von Rollenkonflikten: 1.) Intra-Rollenkonflikt, 2.) Inter-Rollenkonflikt, 3.)Intrasenderkonflikt, 4.) Intersenderkonflikt, 5.) Person-Rolle-Konflikt (vgl. Fuchs-Heinritz, Lautmann, Rammstedt, Wienold 1994, S. 570).

2.     Definition

Der Rollenkonflikt ist eine Sammelbezeichnung für unterschiedlich ausgeprägte Konflikte, denen ein Träger sozialer Rollen aufgrund inkompatibler bzw. widersprüchlicher Rollenerwartung ausgesetzt ist. Beim Intra-Rollenkonflikt beinhaltet bereits eine einzige Rolle widersprüchliche Erwartungen. (Werksmeister: Erwartungen der untergebenen Mitarbeiter im Gegensatz zu den Vorgesetzten). Beim Inter-Rollenkonflikt befindet sich der Träger von zwei oder mehreren Rollen in der Situation, dass zwischen verschiedenen Rollen Widersprüche und Unvereinbarkeit bestehen (Frauen sind Hausfrauen und Mutter und wollen in der Berufsrolle Karriereerfolg) (vgl. Hillmann, 1994, S. 745).

3.     Definition:

Mehrere Rollen einer Einzelperson können miteinander in Widerspruch stehen (z.B.: Psychiater und Ehemann). Die eigene Rolle kann aber auch mit der anderer in Konflikt geraten (vgl. Peters, 1990, S. 454).

4. Definition:

Der Rollenkonflikt entsteht aus dem Ineinandergreifen verschiedener Rollen und aus Widersprüchen zwischen gesellschaftlicher Rolle und persönlicher Veranlagung und Einstellung (vgl. Brockhaus Enzyklopädie, 1995, S. 2801).

5. Definition:

Im Inter-Rollenkonflikt ist die Person Träger mehrerer Rollen, die an sie schwer miteinander zu vereinbarende Aufforderungen stellen (Mutterrolle). Im Intra-Rollenkonflikt schließen die Anforderungen verschiedener Gruppen an den Träger einer Rolle einander aus. Der Rollenkonflikt kann auftreten, wenn mit der Übernahme einer neuen Rolle ein Komplex von Beziehungen zu anderen Gruppen übernommen wird (vgl. Clauß, 1995, S. 400).

Literaturverzeichnis:

  1. Fuchs-Heinritz, W., Lautmann, R., Rammstedt, O. & Wienold, H. (1994), Lexikon zur Soziologie, Opladen: Westdeutscher Verlag GmbH.
  2. Hillmann, K.-H. (1994), Wörterbuch der Soziologie, Stuttgart: Alfred Körner Verlag.
  3. Peters, U. H. (1990), Wörterbuch der Psychiatrie und medizinischen Psychologie, München-Wien-Baltimore: Urban & Schwarzenberg.
  4. Brockhaus Enzyklopädie (1995), Mannheim: F.A. Brockhaus GmbH.
  5. Clauß, G. (1995), Fachlexikon ABC Psychologie, Thun und Frankfurt/Main: Verlag Harri Deutsch.

Zum Begriff Rollenkonflikt gibt es in Büchern verschiedene Definitionen, die ich in der Folge angeben werde:

In der angegebenen Literatur wird in drei Büchern zwischen Intra-Rollenkonflikt und Inter-Rollenkonflikt unterschieden. Im vierten Buch wird nur der Intra-Rollenkonflikt erwähnt. Im letzten Buch wird nur über den Rollenkonflikt bei Jugendlichen geschrieben. In den Büchern stimmen inhaltlich jeweils die Definitionen zu Intra-Rollenkonflikt und Inter-Rollenkonflikt überein. Die Definitionen wurden über Beispiele gut beschrieben.

Eine zusammenfassende Definition lautet: Der Intra-Rollenkonflikt bezieht sich auf eine einzige Rolle, welche aber widersprüchliche Erwartungen beinhaltet. (Der Unterricht des Lehrers soll für die Schüler sehr angenehm sein, aber gleichzeitig soll der Lehrer den Lehrplan möglichst gut erfüllen). Der Inter-Rollenkonflikt beschreibt einen Konflikt zwischen zwei oder mehreren Rollen. (Eine Frau, die eine ausgezeichnete Hausfrau, gute Mutter und gleichzeitig beruflich erfolgreich sein möchte, gerät in eine Konfliktsituation).

Verwendete Literatur

Dechmann, B. & Ryffel, C. (1988). Soziologie im Alltag. Eine Einführung. Weinheim: Beltz Verlag.

Feldmann, K. (2000). Soziologie kompakt. Eine Einführung Wiesbaden: Westdeutscher Verlag GmbH.

Henecka, H. (1993). Grundkurs Soziologie. Opladen: Leske + Budrich.

Hillmann, K. (1994). Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag.

Schenk-Danzinger, L. (1993). Entwicklungspsychologie. Wien: Österreichischer Bundesverlag.


Siehe auch das
Lexikon für Psychologie und Pädagogik

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