Psychologische Begriffsbestimmungen 2006/7

Sozialisation

Sozialisation beschreibt den Prozess durch den sich Personen von Kinder oder Jugendlichen zu selbständig lebens- und arbeitsfähigen Personen entwickeln.

1. Definition „Zentraler Begriff der Verhaltens- und Sozialwissenschaften, der die Gesamtheit der Phasen bezeichnet, durch die der Mensch eine zweite, eine <soziokulturelle Geburt> (R. König) erlebt; er wird zur sozialen, gesellschaftlich handlungsfähigen Persönlichkeit, indem er in gesellschaftl. Struktur- und Interaktionszusammenhänge (z. B. In Familien, Gruppen, Schichten) hineinwächst“. (Brockhaus GmbH 1993 S. 533)

2. Definition „Die verbreitete Definition ist : Sozialisation bezeichnet den Prozess der Entwicklung eines Menschen in Auseinandersetzung mit der Sozialen und materiellen Umwelt („äußere Realität“) und den natürlichen Anlagen und der körperlichen und psychischen Konstitution“. (Rost 2001 S. 669)

3. Definition „Der für sozialisationstheoretische Fragestellungen zentrale Sachverhalt scheint zu sein : Das Mitglied - Werden in einer Gesellschaft (Ziegler, Lamb & Child 1982, 13; nähere Ausführungen hierzu folgen unten). Man kann also sagen : Die Probelmeatisierung des Mitgliedwerdens konzentriert sozialisationstheoretische Fragestellungen.“ ..... „Auch das problematisiert wird, was normalerweise nahezu unbemerkt vor sich geht, wie eben auch die Vorgänge, durch welche Kinder und Heranwachsende zu Mitgliedern einer Gesellschaft gemacht werden“. (Hurrelmann & Ulrich 1998 S. 6)

4. Definition .... „als einen lebenslangen individuellen Lernprozess, in welchem sich das menschliche Individuum zur Persönlichkeit entwickelt, indem es sich in seiner Lebenstätigkeit die gesellschaftlichen Verhältnisse als soziale Beziehungen sowie die gesellschaftlich geschaffenen materiellen und ideellen Werte in individueller Form als Wissen, Können und Werten nicht nur aneignen, sondern sie auch bereichert. Als gesellschaftliche Handlungsvoraussetzungen wirken zunächst konkrete sozio-kulturelle Bedingungen (z. B. Das sozialökonomische System, Sitten und normen) die über verschiedene Entwicklungsmedien (z. B. Schule Arbeitsplatz) unter Berücksichtigung spezifischer Entwicklungsnormen (z. B. Lehrpläne) als Entwicklungsaufgaben dem Individuum gegenüberstehen (H. - D. Schmidt). Diese umfassen nicht nur die durch gesellschaftliche Institutionen gesetzten Bildungs-, Erziehungs- und Qualifizierungsanforderungen, sonder auch solche, die sich im Rahmen der Familie, der Partnerschaft und anderer Zusammenhänge als fremd- oder selbstgesetzte Ansprüche geltend machen“. (Clauß, Erhardt, Kulka, Lompscher, Rösler & Timpe 1995 S. 431 ff).

5. Definition „Schulen werden eingerichtet und geführt, um Kindern und Jugendlichen individuell nützliche und gesellschaftlich brauchbare Qualifikationen sowie Einstellungen und Haltungen zu vermitteln, sodass sie als Erwachsene ein weitgehend selbständiges Leben führen können und zugleich der gesellschaftliche Bedarf an Arbeitsmarktqualifikationen gedeckt ist“. (Sageder 2004 S. 3)

Verwendete Literatur

Brockhaus GmbH (1993) Brockhaus - Enzyklopädie : Bd. 20 Sci - Sq. Mannheim : © F. A. Brockhaus GmbH

Clauß (Gesamtleitung) ? Erhardt Kulka Lompscher Rösler Timpe, Günter Gisela Helmut Joachim Hans - Dieter Klaus - Peter (1995) Fachlexikon Psychologie - Wörterbuch der Psychologie. Thum und Frankfurt am Main: Verlag Harri Deutsch
Hurrelmann Ulrich (Hrsg.), Klaus Dieter (1998) Handbuch der Sozialisationsforschung Studienausgabe. Weinheim und Basel : Beltz Verlag

Rost (Hrsg.), Detlef H. (2001) Handwörterbuch Pädagogische Psychologie. Weinheim : Psychologie Verlags

„Prozess sowie Ergebnis des Hineinwachsens des Menschen in den gesellschaftlichen Struktur- und Interaktionszusammenhang (Familie, Gruppe, Schichten). Durch die S. formt das Individuum seine Persönlichkeitsmerkmale aus und erlernt soziales Verhalten und gesellschaftlich verbindende Normen, die seine Handlungsfähigkeit begründen. […]“ (ohne Autor 1999, S.98). 

„Unter Sozialisation versteht man jene Entwicklung, durch die der Mensch zur gesellschaftlich handlungsfähigen Persönlichkeit heranwächst“ (Illichmann 1998, S. 123). 

„Einpassung eines einzelnen in die Werte, Verhaltensweisen usw. der ihn umgebenden Gruppe, primäre S. ist die Erziehung in Familie“ (ohne Autor 1978, S. 861). 

„Die Prägung, die durch längeres soziales Lernen in Gruppen oder in der Familie entsteht und die Grundannahmen, Werte, Normen, Zeichen und Symbole umfasst, also den einzelnen in die Kultur einbindet“ (Krems 1999–2006). 

„Sozialisation umfasst alle Vorgänge, durch die ein Mensch Mitglied einer Gesellschaft wird, seine Identität findet und eine handlungs- und entscheidungsfähige Persönlichkeit wird“ (Claessens & Claessens 1999). 

Erläuterungen

Grundsätzlich lassen sich bei diesen fünf Definitionen für den Begriff „Sozialisation“ keine groben Abweichungen feststellen. Jede Definition läuft darauf hinaus, dass es sich hierbei um einen Entwicklungsprozess handelt an dessen Ende die Persönlichkeitsmerkmale einer Person ausgeprägt sind und man ein Bestandteil einer Gruppe ist. Es gibt jedoch ein paar Unterschiede in der Definition dieser Gruppe: Während die Büchergilde Gutenberg und auch Krems den Begriff Gruppe verwenden, werden dafür auch Familie (bei Krems und Meyers) und Gesellschaft (bei Claessens) verwendet. Nicht alle Definitionen erklären genau, welche Schritte oder Vorgänge benötigt werden um zum Ergebnis der Identitäts- bzw. Persönlichkeitsfindung zu kommen: Meyers und Krems gehen etwas detaillierter darauf ein. 

Zusammenfassende Definition

Sozialisation ist ein Entwicklungsprozess der zum Ergebnis eine in der Gesellschaft integrierte handlungs- und entscheidungsfähige Persönlichkeit hat.

Verwendete Literatur

Ohne Autor. (1999). Sozialisation. Meyers großes Taschenlexikon in 25 Bänden. Band 21 Siz–Stram. Mannheim: B.I.-Taschenbuchverlag.

Illichmann, A. (1998). Arbeitsbuch Psychologie für höhere Lehranstalten. Wien: öbv & hpt VerlagsgmbH & Co. KG.

ohne Autor. (1978). Sozialisation. Büchergilde Gutenberg. Kleines Lexikon der Büchergilde. Frankfurt am Main: Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf..

Krems, B. (1999–2006).Online-Verwaltungslexikon - Management und Reform der öffentlichen Verwaltung.

Online im Internet: WWW: http://www.olev.de (06-10-26)

Claessens, Karin und Dieter. (1999). Gesellschaft. Lexikon der Grundbegriffe. Online im Internet: WWW: http:// www.socioweb.de/lexikon/lex_soz/s_z/soziali1.htm (06-10-25)


Siehe auch das
Lexikon für Psychologie und Pädagogik

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