Psychologische Begriffsbestimmungen 2006/7

Sucht 

Sucht ist ein psychischer und/oder physischer Zwang, bestimmte, nicht überlebensnotwendige Handlungen oder überlebensnotwendige Handlungen in nicht notwendigem Ausmaß auszuführen.

1. Definition

„Sucht, psychische und ps. Abhängigkeit. Die -> WHO definiert S. als Zustand periodischer oder chronischer Vergiftung, der für das Individuum und(oder) für die Gesellschaft schädlich ist. Zu unterscheiden zw. Drogenabhängigkeit (drug dependence) und Drogenmissbrauch (drug abuse), ebenso zw. Psychischen und physischen Suchtfolgen, wobei empfohlen wird, den unscharfen Begr. Droge durch Suchtstoff zu ersetzen“ (Häcker & Stapf 1998, S. 847).

2. Definition

Die Weltgesundheitsorganisation schlug 1964 vor, den Begriff „Sucht“ für mentale Abhängigkeit zu gebrauchen und den weiteren Begriff Drogenabhängigkeit für sowohl körperliche als auch mentale Abhängigkeiten von einer Droge zu verwenden (vgl. Michel & Novak 1991, S. 72).

3. Definition

„Sucht wird definiert als ein psychischer und manchmal auch physischer Zustand, der aus der Interaktion zwischen einem lebenden Organismus und einer Droge resultiert und gekennzeichnet ist durch Verhaltensweisen und andere Reaktionen, die immer mit einem Zwang verbunden sind, die Droge ständig oder in periodischen Abständen einzunehmen, um ihre psychischen Auswirkungen zu erleben und manchmal um den unangenehmen Zustand zu vermeiden, der auftritt, wenn die Droge längere Zeit nicht eingenommen wird“ (Arnold, Eysenck & Meili 1980, S. 2245).

4. Definition

Im Lexikon der Psychologie wird der Begriff Sucht auf alle zwanghaften Handlungen, die die Freiheit des Individuums eingrenzen und nicht abgelegt werden können, selbst wenn besagte Handlungen zu physischen, psychischen oder gesellschaftlichen Schäden führen erweitert (vgl. Lexikon-Institut Bertelsmann 1995, S. 471).

5. Definition

Ursprünglich kommt der Begriff „Sucht“ vom Wort „Siechen“. Siechtum bedeutet so viel wie Krankheit (vgl. Asanger & Wenninger 1992, S. 752).

Verwendete Literatur

Arnold, W. , Eysenck, H.J. & Meili, R. (1980). Lexikon der Psychologie. Dritter Band. Psychodrama – ZZ. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder.

Asanger, R. & Wenninger, G. (1992). Handwörterbuch der Psychologie. Weinheim: Psychologie Verlags Union.

Häcker, H. & Stapf, K. (1998). Dorsch Psychologisches Wörterbuch. Bern: Verlag Hans-Huber.

Lexikon-Institut Bertelsmann (1995). Lexikon der Psychologie. Gütersloh: Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH.

Michel, C. & Novak, F. (1991). Kleines psychologisches Wörterbuch. Freiburg: Verlag Herder.

„Die WHO hat den Begriff Abhängigkeit festgelegt, es handelt sich hier um behandlungsbedürftige Suchtkrankheiten mit psychischer und / oder physischer Abhängigkeit“ Krüger 1989, S. 13

„Als Sucht definiert man Verhaltensweisen, bei denen es zu einer Steigung kommt und die Ausübung dieser Verhaltensweisen nach einiger Zeit nicht mehr Genuss bedeutet, sondern nur noch die quälende Gier stillt und den Suchtdruck mildert; Vernachlässigung und Schädigung der Sozialbeziehung werden in Kauf genommen“ Fengler 1994, S. 35

„Abhängigkeit ist der oft starke, gelegentlich übermächtige Wunsch oder das unstillbare Verlangen, Substanzen oder Medikamente, Alkohol oder Tabak zu konsumieren. Jeder Trieb oder jedes Interesse eines Menschen kann süchtige Dimensionen annehmen.“ Ladewig 1996, S. 30

„Der zentrale Begriff „Sucht“ wird in der Literatur recht unterschiedlich gebraucht, eine verbindliche Definition steht nicht zur Verfügung. Sucht bedeutet Krankheit, Leidenschaft, Trieb.“ Loviscach 1996, S. 32

„Das Wort Sucht ist vieldeutig. In Bezeichnungen wie Schwindsucht, Wassersucht, Fallsucht liegt die ursprüngliche Bedeutung des „Siechens“ (‚siech’-krank) und hat nichts mit dem Wort ‚suchen’ zu tun. Der Begriff Sucht im allgemeinen Sinne ist mehrdeutig und beinhaltet sowohl psychische (z.B. Geltungssucht) als auch somatische Aspekte (z.B. Gelbsucht, Blausucht). Diese Mehrdeutigkeit trifft auch für die Arzneimittelsucht zu. Überdies kann, worauf v. Gebsattel hingewiesen hat, jede Richtung menschlichen Interesses süchtig entarten, der Beruf (Arbeitssucht) wie auch die Trägheit (Fernsehsucht) ja sogar der ästhetenhafte  Lebensstil (z.B. Prunksucht)“ Jenner 1981, S. 11

Mein Statement:

Wie man beim Durchstöbern einiger der auf Sucht basierenden Werke merken wird, gibt es eigentlich keine genaue Definition für das Wort Sucht. Manchmal wird der Begriff in das Wort Abhängigkeit verwandelt obwohl es weder als Synonym dargestellt wird, noch irgendwelche Abgrenzungen oder genaue Unterschiede aufweist. 

Was kann man also als Sucht bezeichnen? Ich würde meinen, es ist ein Zwanggefühl, ein Gefühl etwas tun zu MÜSSEN, unabhängig davon, ob dies das zu sich nehmen irgendwelcher Materialien ist, oder ganz einfach ein innerlicher Zwang, auf eine gewisse Weise zu handeln.

Siehe dazu Sucht und Suchtmittel und Jugendliche und Sucht

Verwendete Literatur

Jenner Ch. (1981) Wege aus der Sucht Anton Fustet Verlag

Loviscach P. (1996) Soziale Arbeit im Arbeitsfeld Sucht Lambertus Verlag

Ladewig D. (1996) Sucht und Suchtkrankheiten Berk’sche Reihe

Fengler J. (1994) Süchtige und Tüchtige Pfeiffer Verlag

Krüger A. (1989) Sucht Blaukreuz- Verlag


Siehe auch das
Lexikon für Psychologie und Pädagogik

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