Psychologische Begriffsbestimmungen 2006

Sigl Barbara

Verhaltenstraining

Verhaltenstraining ist eine gruppendynamische Trainingsmethode zur Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen. Im Englischen als Human-Relations-Training bezeichnet (vgl. Köck & Ott 1976, S. 407f und S. 430). Diese Definition ist sehr allgemein formuliert, bei Keller und Novak findet man eine Definition, die sich mehr auf den Unterrichts- bzw. schulischen Bereich bezieht.

Verhaltenstraining: ein Verfahren zur systematischen Veränderung des problematischen Verhaltens von Schülern (vgl. Keller & Novak 1993, S. 354). Auch in der folgenden Definition, erkennt man deutlich den Unterrichtsschwerpunkt, jedoch bezieht er sich diesmal nicht auf das Verhalten der Schüler, sondern auf das Verhalten der Lehrer im Umgang mit Schülern.

Unterrichtliches Verhaltenstraining erfolgt unter erleichterten Bedingungen, um einzelne unterrichtliche Verhaltenszüge mehrmals vor jeweils anderen Schülergruppen systematisch einüben zu können (vgl. Willmann Institut München 1971, S. 300). Die nächste Beschreibung ist ebenfalls sehr allgemein formuliert, enthält aber den Zusatz, dass es sich um „gesteuerte“ Prozesse handelt, die das Verhalten beeinflussen sollen. Ein Detail, das bisher noch in keiner Definition erschienen ist.

Verhaltenstraining ist ein Verfahren bei dem durch gesteuerte Lernprozesse Verhaltensformen beeinflusst werden sollen (vlg. Meyer 1984, S. 154). Definition Nummer fünf, bezieht sich auf den Wissenschaftler Burrhus Frederic Skinner (1904-1990), einer der herausragendsten Forscher des Behaviorismus.

Verhaltenstraining: „Verhalten kann unter Einsatz wissenschaftlicher Methoden gesteuert werden“ (Kron 2000, S. 256). Die nun folgende Bestimmung des Begriffes Verhaltenstraining wirft einen neuen Begriff auf, den des „Shapings“. Hier wird Verhaltenstraining auch als Verhaltensformung bezeichnet.

Beim Verhaltenstraining (Verhaltensformung) auch „Shaping“ genannt, geht es um die Veränderung des Verhaltens in aufeinanderfolgenden kleinen Schritten, wobei jeder eine weitere Annäherung an die erwünschte Leistung bedeutet (vgl. Hoppe-Graff, Keller & Engel 1995, S. 285). Der letzte Erklärungsversuch zum Thema Verhaltenstraining ist sehr umfangreich und vereint alle wichtigen Bestandteile des Verhaltenstrainings in einem Satz.

Verhaltenstraining oder Verhaltensmodifikation ist ein Sammelbegriff für empirisch-experimentelle und lernpsychologisch orientierte Methoden zur gezielten Beeinflussung von Verhaltensweisen im pädagogischen Feld durch systematische Veränderungen situativer Rahmenbedingungen und Verhaltenskonsequenzen sowie durch Verhaltensmodelle (vgl. Rost 2001, S. 513).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich die sieben Definitionen nur gering voneinander unterscheiden. In jeder Erklärung wird beschrieben, dass Verhaltenstraining dazu dient, um sich gewisse Verhaltensmodelle anzueignen. Die einzigen Unterschiede bestehen darin, dass sich manche Definitionen an das Verhalten von Schülern wenden, eine an das Verhalten von Lehrern gegenüber Schülern im Unterricht und die restlichen sehr allgemein gehalten sind, da man Verhaltenstraining sehr umfangreich verwenden kann.

Als abschließende, eigene Definition würde ich Verhaltenstraining wie folgt beschreiben:

Verhaltenstraining (engl. Micro teaching oder Human Relations Training), ist ein Prozess bei dem bestimmte Verhaltensformen, mittels verschiedenen Übungen, gelehrt und erlernt werden sollen. Zum Beispiel: Verhalten bei einem Vorstellungsgespräch, Training zur Verhandlungsführung, Verhalten eines Lehrers während des Unterrichts, usw.)

Verwendete Literatur


Siehe auch das
Lexikon für Psychologie und Pädagogik

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