Psychologische Begriffsbestimmungen 2006/7

Vigilanz

Vigilanz umschreibt den Zustand eines Individuums in dem es, selbst gewollt,  sowohl körperlich als auch geistig, in vollkommener Aufmerksamkeit verharrt auf die Einflüsse seiner Umwelt.

1. Definition

„vigilant: 1. wachsam. 2. klug, schlau, aufgeweckt“ (Dudenredaktion 1983, S. 437).

2. Definition

Die durch Körpersprache ausgedruckte Aufmerksamkeit (Sinnesorgane), wie Schauen, Horchen, Tasten lässt darauf schließen dass bei den betreffenden Sinnesnerven eine Resonanz vorhanden ist (vgl. Gibson 1966, S. 328).

3. Definition

Fähigkeiten und Fertigkeiten gestatten Neugeborenen die äußeren Umwelteinflüsse sinnvoll zu strukturieren und zu reduzieren. Die wichtigsten Fähigkeiten sind hierbei Gedächtnis und Aufmerksamkeit. Gedächtnis und Aufmerksamkeit unterstützen das Neugeborene beim Entwickeln von höheren geistigen Prozessen wie Denkprozesse (vgl. Barchmann, Kinze & Roth 1991, S. 101).

4. Definition

„Der Wahrnehmungsprozess ermöglicht eine optimale Orientierung des Individuums in seiner Umgebung und die Produktion angemessener Verhaltensweisen“ (Grubitzsch, Weber 1998, S. 681).

5. Definition

Individuen setzen bewusst ihre Aufmerksamkeit ein um früher gelernte Erfahrungen zu kombinieren (vgl. Holzkamp 1983, S. 259 f).

Verwendete Literatur

Barchmann, Kinze & Roth (1991). Aufmerksamkeit und Konzentration im Kindesalter. Berlin: Verlag Gesundheit GmbH

Dudenredaktion (1983). Der kleine Duden. Mannheim/Wien/Zürich: Dudenverlag

Gibson (1973). Die Sinne und der Prozess der Wahrnehmung. Bern: Verlag Hans Huber

Grubitzsch & Weber (1998). Psychologische Grundbegriffe. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH

Holzkamp (1983). Grundlegung der Psychologie. Frankfurt/New York: Campus Verlag

Vigilanz (lat. vigilantia: Wachheit)

Unter Vigilanz wird in der Psychologie die Fähigkeit über einen längeren Zeitraum auf äußerst selten und nicht vorhersehbare Ereignisse eine adäquate Reaktion zu setzten, sowie in der Medizin ein bestimmter physiologischer Wachzustand verstanden.

(vgl. www.schlafmedizin.at)

Psychologischer Aspekt:

Es handelt sich hier um die Fähigkeit, die selektive Aufmerksamkeit unter Einsatz mentaler Anstrengung willentlich und bewusst kontrolliert aufrechtzuerhalten.

Unter Vigilanz wird die Aufrechterhaltung des Aufmerksamkeitsniveaus unter extrem monotonen Bedingungen mit sehr geringer Frequenz kritischer Signale verstanden.

(vgl.www. Psychosoziale Gesundheit)

Als Beispiel wird hier gerne die monotone Arbeit der Radarbeobachter herangezogen.

Schon in den 30er Jahren hat man damit begonnen die Ursachen für das Nachlassen der Entdeckungsleistung zu suchen. Schon die Britische Luftwaffe hat festgestellt, dass die Fehleranfälligkeit ihrer Radarbeobachter bezüglich der Erkennung von U-Booten deutlich gestiegen ist. Warm (1984 a) hat diesen Sachverhalt im Rahmen seiner Beschreibung des historischen Hintergrundes der Vigilanzforschung als „Beobachten ohne wahrzunehmen“ bezeichnet. 1943 hat in den USA, Kanada und in GB das gezielte Studium dieser Entdeckungsfelder begonnen.

Das Vigilanzproblem zeigt sich wie folgt:

Wenn die Aufmerksamkeit über eine lange, ununterbrochene Zeit hinweg auf eine oder mehrere Informationsquellen gerichtet ist, so tritt sehr bald ein Leistungseinbruch auf.

McGrath (1963) fand viele verschiedene Vorstellungen von Vigilanz.

Als die wichtigsten nannte er,

einen zentralen, die Leistung bestimmenden Prozess oder Zustand des Organismus („Aufmerksamkeit“),

die Leistung in bestimmten Aufgaben,

oder eine allgemeine Bezeichnung für menschliche Überwachungstätigkeiten.

(vgl. Enzyklopädie der Psychologie,2006)

Physiologischer Aspekt: Laut Posner&Rafal (1987) unterliegt die Vigilanz einer bewussten Kontrolle des Organismus. Für die Vigilanz scheinen  rechtshemisphärische Prozesse eine relative Dominanz zu besitzen. (vgl.www.uni-marburg)

Vigilanz bedeutet die durchschnittliche Erregungshöhe des zentralen Nervensystems. Des Weiteren wird darunter auch ein anhaltender Zustand verminderter Wachheit als harmlose Begleiterscheinung der Narkolepsie verstanden. ( vgl.www.tu-dresden) 

Heute wird mangelnde Vigilanz und Aufmerksamkeit, insbesonders bei monotonen Tätigkeiten wie Auto fahren, Bedienen von Überwachungsgeräten usw. mittels einer Diagnostik bezüglich der Vigilanzstörung im Schlaflabor durchgeführt.

Verwendete Literatur

Austrian Sleep Research Association.(2002). Online im Internet: http://www.schlafmedizin.at/newsletter/Newsletter01_2002.pdf, (dl: 30.10.2006)

Brit, Reimann-Bernhardt, http://www.psychologie.tu-dresden.de/allgpsy/Reimann/SS2004/Diagnostik%20von%20Aufmerksamkeit.pdf

(dl. 30.10.2006)

Faust, V. (2006). Arbeitsgemeinschaft Psychosoziale Gesundheit, Online im Internet:

http://www.psychosoziale-gesundheit.net/pdf/faust1_narkolepsie.pdf, (dl: 30.10.2006)

Koelega, Harry,S. Vigilanz, In: O. Neumann, A.F. Sanders, (Hrsg), Enzyklopädie der Psychologie, Bd.2 (S.403-466), Göttingen: Hogrefe-Verlag 2006.

Weeß, H.-G, Lund, R. Gresele, C. Böhnig, W. Sauter, C. Steinberg, R. (2005).

Online im Internet: http://web.uni-marburg.de/sleep//dgsm/ger/vigil1.pdf (dl: 30.10.2006)


Siehe auch das
Lexikon für Psychologie und Pädagogik

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