Entwicklungspsychologie 2006

Daniela Mittermayr, Cornelia Oberndorfer & Romana Wimmer

Entwicklung von Existenzängsten nach dem Schul-, Lehr- und Hochschulabschluss

Unsere Untersuchung beschäftigt sich mit der Entwicklung von Existenzängsten und einem möglichen Zusammenhang mit dem Bildungsniveau. Ziel der Seminararbeit ist herauszufinden, ob das Bildungsniveau konkret Einfluss auf das Entstehen von Existenzängsten hat und ob sich diesbezüglich Differenzen zwischen Personen mit einem Lehr-, Schul- oder Hochschulabschluss nachweisen lassen.

1 THEORETISCHE GRUNDLAGEN

1.1 Definition – Angst

Angst wird als ein Affektzustand verstanden, der eintritt, wenn eine Gefahr oder Bedrohung in der Umwelt durch das Individuum wahrgenommen wird. Bei der wahrgenommenen Bedrohung kann es sich um gefährliche Situationen, um fehlende Unterstützung als auch um etwas Unbekanntes handeln.

1.2 Die 3 Ebenen der Angst

Bei der körperlichen Ebene spricht man auch von einer Flucht/Kampfreaktion, wobei im Körper wichtige biochemische Vorgänge ausgelöst werden, die den Überlebenstrieb stärken.

Die behaviorale Ebene definiert sich vor allem durch das Vermeidungsverhalten, aber auch durch Aggression und dem Wunsch, der Situation zu entfliehen.

Die Aspekte von Angst der kognitiven Ebene umfassen einerseits die Unsicherheit darüber, wie mit bestimmten Situationen umgegangen werden soll und andererseits die Unsicherheit in Bezug auf die Zukunft.

1.3 Angsttheorien

Beim psychoanalytische Ansatz von Siegfried Freud wird grundsätzlich zwischen zwei Angsttheorien unterschieden, wobei sich die erste Theorie mit neurophysiologischen Angstmodellen auseinandersetzt und sich die zweite Theorie aufbauend auf den Aspekten der ersten Theorie, den psychologischen Modellen widmet.

1.4 Der Arbeitsplatz als zunehmender Angstfaktor

In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und einem geringen Wirtschaftswachstum nimmt die Angst der Menschen in ihrem Beruf zu versagen immer mehr zu. Viele fürchten sich davor, von anderen nicht mehr anerkannt zu werden und sich über die eigenen Fähigkeiten nicht mehr bewusst zu werden. Das Gefühl der Unsicherheit und des Unwohlseins schafft immer mehr Ängste, die dann oftmals auch unmittelbar in den privaten Bereich übergreifen.

ExpertInnen unterscheiden grundsätzlich zwischen 3 Gruppen von beruflichen Ängsten, die sich auch gegenseitig beeinflussen:

2 ENTWICKLUNG DER FRAGESTELLUNG

Die Gestaltung der Fragestellung gestaltete sich insofern schwierig, als dass wir zuerst einen Konsens über das Ziel der Befragung finden mussten. Das Thema Angst ist ein sehr komplexes Thema, dem es galt in einem sehr beschränkten Rahmen gerecht zu werden. Auf das Thema Existenzangst sind wir letztendlich per Zufall gestoßen, obwohl die Literatur diesbezüglich nur sehr wenig hergab. Die Verbindung zur Entwicklungspsychologie konnten wir letztendlich über das Bildungsniveau herstellen und somit war unsere Fragestellung geboren.

Im Rahmen unserer Untersuchungsvorbereitung haben wir uns schließlich darauf geeinigt, dass wir unsere Untersuchung mehr qualitativ ausrichten wollten. Diesbezüglich haben wir einen Fragebogen vorbereitet, um insgesamt neun Probanden persönlich zu interviewen. Der Grund für die geringe Anzahl an Probanden lag darin, dass es uns in der qualitativen Untersuchung mehr um das Erfahren einer Einstellung geht, als um eine generalisierende Aussage. Das offene Gespräch schien uns zur Analyse der Gefühle, Einstellungen und Ängste hierfür optimal.

Zu den Befragten gehörten jeweils 3 Probanden aus den zu vergleichenden Bereichen Schule, Lehre und Universität. Bei der Auswahl unserer Probanden gingen wir grundsätzlich per Zufall vor, jedoch achteten wir auf die Erfüllung einiger Kriterien, wie z.B. Lehrlinge und Schüler zwischen 15 und 19 Jahren, Studenten zwischen 20 und 24 Jahren.

3 FAZIT DER ERGEBNISSE DER BEFRAGUNG

Um schlussendlich auf ein zusammenfassendes Ergebnis unserer Untersuchung der „Entwicklung von Existenzängsten nach dem Schulabschluss versus Lehrabschluss versus Hochschulabschluss“ zu kommen, versuchen wir nun unsere Erkenntnisse nochmals kurz zu erläutern und die Unterschiede von Entwicklungen bei Existenzängsten zwischen unseren 3 Lehrlingen, 3 SchülerInnen und 3 StudentInnen herauszufiltern.

Im Großen und Ganzen ließ sich erkennen, dass sich alle 9 InterviewpartnerInnen durchaus vor einer zukünftigen möglichen Arbeitslosigkeit fürchten. Das Wissen über die ständig sinkende Beschäftigungsquote gab allen Grund zum Nachdenken und erweckte auch bei Personen mit höherem Bildungsstand ein Gefühl der Unsicherheit. Eigentlich ließe sich vermuten, dass gerade Lehrlinge persönliche Existenzängste im Hinblick auf ihre berufliche Zukunft hegen, da deren Bildungsgrad gegenüber den SchülerInnen und StudentenInnen am niedrigsten ist. Jedoch ließ sich diese Vermutung anhand unserer Untersuchung nicht eindeutig bestätigen. Vielmehr ließen die Aussagen der Befragten den Schluss zu, dass die konkrete Arbeitslosenquote in der jeweiligen Berufssparte entscheidend war, inwiefern jemand Befürchtungen hinsichtlich einer Arbeitslosigkeit hegte.

Im Allgemeinen und ebenso statistisch gesehen, war jedoch allen Befragten bekannt, dass der Ausbildungsgrad ein wesentlicher Faktor für die Erhaltung einer Arbeitsstelle ist. Das ist unserer Meinung nach auch der Grund, warum unsere 3 befragten StudentInnen tendenziell nur wenige Anzeichen einer Existenzangst im Bezug auf deren zukünftigen Eintritt in die Berufswelt aufwiesen. Bei den 3 interviewten SchülerInnen zeigte sich ein ähnliches Phänomen, da diese ebenso eine höhere Schulbildung genossen und großteils vorhatten danach weiterzustudieren. Aber auch jener HAK-Schüler, der es in Erwägung zog, nach der Matura in die Berufswelt einzusteigen, machte sich diesbezüglich weniger Gedanken, da er seine schulische Ausbildung als optimale Vorraussetzung für einen gelungenen Berufseinstieg sah. Die Kernaussage in der sich sowohl Lehrlinge, Schüler als auch Studenten einig waren ist jedoch die, dass sie alle Angst hatten, eines Tages arbeitslos zu werden und dann in finanzielle Schwierigkeiten zu gelangen.

Beim schlussendlichen Abgleich unserer Ergebnisse mit der eingangs verarbeiteten Literatur, haben wir glücklicherweise festgestellt, dass wir keine Probanden mit schwerwiegenden Ängsten finden konnten. Vielleicht wäre es im Zuge unserer Forschung interessant gewesen, wenn wir tatsächlich größere Probleme aufdecken hätten können. Besser gefällt es uns allerdings, dass wir herausfinden konnten, dass unsere Befragten sehr wohl mit einem gesunden Angstanteil durchs Leben gehen und durchwegs positiv hinsichtlich ihrer beruflichen Zukunft gesinnt sind.

Literatur


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Entwicklungspsychologie SS 2006


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