Entwicklungspsychologie 2006

Es ist unbestritten, dass Kinder und Jugendliche lebenszeitlich früher anfangen zu trinken und sich zu betrinken, aber im Unterschied zu früher haben viele Heranwachsende das Gefühl dafür verloren, wann sie mit dem Trinken aufhören sollten, und überfordern bzw. schädigen dadurch ihren Körper. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Freunde und der Gruppendruck beim Kampftrinken, denn man will in Stimmung kommen, stachelt sich an. Der Alkoholkonsum gibt ein Gefühl der Gemeinsamkeit, man fühlt sich gut, scheint unbesiegbar, vergisst im Konsens der Gruppe das Gefühl von Gefahr. Das im Umbau befindliche Gehirn des Heranwachsenden will Spaß und unmittelbare Bedürfnisbefriedigung. Verweise auf spätere Schädigungen verhallen häufig ungehört und werden als Belästigung oder Belehrung zurückgewiesen. Nach neueren Untersuchungen nimmt der Alkoholkonsum zwar insgesamt ab, insgesamt trinken immer weniger Heranwachsende Alkohol, diese wenigen aber immer mehr. Heranwachsende wissen wenig über die Auswirkungen des Filmrisses, z.B. häufig unterkühlt zu werden, im Erbrochenen zu liegen und daran zu ersticken, sich komplett zu entleeren und in seinen Exkrementen zu liegen. Außerdem werden langfristige gesundheitliche Schädigungen nicht gekannt oder verdrängt. Das Elternhaus kann entscheidend mithelfen, den übermäßigen Alkoholkonsum der eigenen Kinder wenn schon nicht zu verhindern, so doch einzugrenzen. Vor allem auf die Gruppe der Kampftrinker und Suchtgefährdeten sollte präventive Maßnahmen gezielt ausgerichtet werden.

Der Jugendalkoholismus

Das Jugendalter ist eine Zeit im Leben eines Menschen, das Auswirkungen auf den Rest seiner Existenz hat. Hier getroffene Entscheidungen sind Weichenstellungen für die Zukunft. Dies betrifft auch angewöhnte Verhaltensweisen wie eben süchtiges Verhalten und damit dem Alkoholismus. Meistens wird in diese Lebensphase der Grundstein für den Umgang mit Alkohol gelegt, eher selten wird eine Person, die in Jugendjahren abstinent oder einen gemäßigten Umgang mit der Droge hatte, später alkoholkrank wird (vgl. Haushahn, 1996, S.84f).

Die Typologie des Jugendalkoholismus

Da es wichtig ist, den jugendlichen Alkoholismus nicht einfach mit dem der Erwachsenen gleichzusetzen, ist auch eine einfache Übernahme der Erwachsenentypologien nach Jellinek nicht ziel führend. Vielmehr hat sich eine spezifische Einteilung als sinnvoll herausgestellt, die mehr auf den Jugendlichen abgestimmt ist:

Die Motive des Alkoholkonsums Jugendlicher

Zwei verschiedene Unterteilungen von Motiven sollen hier erwähnt werden. So formuliert Bärsch:

Gerade beim Jugendlichen gibt wie bereits erwähnt eine Vielzahl von möglichen Einflussfaktoren, die aus Konsum in nächster Stufe Missbrauch und zuletzt eine Alkoholsucht macht. Seit Jahrzehnten beschäftigen sich Mediziner, Psychologen und Soziologen mit der Frage, warum manche Menschen süchtig werden, wenn sie einen Wirkstoff zu sich nehmen und manche eben nicht.

Das Ursachengeflecht des Jugendalkoholismus

Es existiert eine Ursachendreieck bestehend aus Droge, Persönlichkeit und Umwelt. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass die Persönlichkeit den Hauptausschlag für die Entstehung einer Sucht gibt. Die Umwelt ist für sich allein betrachtet, keine Ursache im eigentlichen Sinn, sonder hat vielmehr eine mehr oder weniger starken Einfluss auf die Persönlichkeit. Die Droge selbst ist im Wesentlichen austauschbar und steht für eine Lebensunfähigkeit (vgl. Haushahn, 1996, S.123).

Einflussfaktor Droge

Zwar ist der Grund warum Drogen genommen werden, fast immer ein Problem, das man mit sich selbst hat, dennoch haben die verschiedenen Wirkstoffe auch unterschiedliche Effekte, auch abhängig von der Dosis, der Griffnähe und der Art der Verabreichung. Man kann sich gut vorstellen, dass jemand, der seine Leistungsfähigkeit erhöhen möchte, nicht zu Wirkstoffen wie Heroin oder Marihuana greifen wird, sondern eher zu Kokain oder Amphetaminen. Außerdem muss hier die Frage gestellt werden inwieweit Jugendschutzbestimmungen etwas bewirken können (vgl. Haushahn, 1996, S.124ff).

Einflussfaktor Persönlichkeit

Viele Alkoholiker haben eine bestimmte Persönlichkeitsstruktur, die die Entstehung einer Alkoholabhängigkeit begünstigt. Diese Tatsache macht eine Therapie, die sich auf eine reine Entgiftung beschränkt, nahezu wirkungslos, da dabei eben die Persönlichkeit nicht berücksichtigt wird. Vielmehr braucht es für eine sinnvolle Behandlung auch eine Psychotherapie, die auf den jeweiligen Süchtigen eingeht (vgl. Haushahn, 1996, S.126ff).

Einflussfaktor soziales Umfeld

Anders als die beiden anderen Faktoren, Sucht und Persönlichkeit ist die letzte des Ursachendreiecks, das soziale Umfeld, in mehrere verschiedene Untergruppen zu unterteilen. Dies sind im Wesentlichen das Elternhaus, die Peer-Gruppe, Schule und Beruf sowie die Medien. Dies sind die wichtigsten Bereiche in denen die Persönlichkeitsbildung stattfindet und in denen die Existenz bestimmter sozialer Bedingungen das Auftreten des jugendlichen Alkoholkonsums begünstigt.

Das erste und wichtigste Umfeld, das ein Jugendlicher in seinem Leben erlebt und das einen Einfluss auf ihn hat, ist die Familie. Üblicherweise erlebt der Jugendliche dort ein geschütztes und vertrautes Klima und kann zu einer starken Persönlichkeit heranreifen. Jedoch ist dies nicht immer der Fall und wenn der Jugendliche dieses Vertrauen nicht erfährt oder es gar zu einer Ablehnung kommt, die Eltern ein negatives Vorbild sind (vor allem im Bezug auf den Alkoholkonsum), der verwendete Erziehungsstil, die gelehrten Konfliktlösungsstrategien und natürlich auch wie der Jugendliche seinerseits zu seiner Familie steht. Jedoch spielt auch hier wieder die Persönlichkeit des Jugendlichen eine große Rolle, wie er mit diesen Problemen umgeht (vgl. Haushahn, 1996, S.130f).

Die Heredität beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit sich der Alkoholismus vererbt. Diese Frage ist bis heute immer noch umstritten, unbeschritten ist jedoch dass eine gewisse genetische Disposition besteht. Vor allem Zwillingsforschung und Forschungen mit Adoptivkindern bestärkten diese Annahme.

Eine weitere wichtige Einflussgruppe für Jugendliche ist die Peergruppe. Die verschiedenen Funktionen die diese Gruppe auf den Jugendlichen hat sind vor allem individuelle Entwicklungsmöglichkeiten, das Finden von Freunden, die Möglichkeit des sozialen Lernens und das weitgehende Übereinstimmen von Interessen. Die Peergruppe hat prägenden, leitenden und verstärkenden Charakter auf das jugendliche Trinkverhalten. Dies ist durch die Tatschache ersichtlich, dass Trinken Anerkennung bringt.

Die Schule und der Beruf haben ebenfalls einen Einfluss auf den Jugendlichen. Dabei können aber Unterschiede beobachtet werden, da Lehrlinge viel früher mit realeren Lebensproblemen konfrontiert werden. Schüler jedoch befinden sich im Wesentlichen länger in einem geschützten Umfeld und müssen sich noch nicht so schnell mit Geldverdienen und Verantwortung für andere beschäftigen. Ist für den arbeitenden Jugendlichen sein Arbeitsalltag aber eintönig und sinnentleert, kann auch dies zu einem Alkoholmissbrauch führen. Auch der finanzielle Faktor spielt eine Rolle, da Schüler üblicherweise mit einem Taschengeld auskommen müssen und daher eher zuhause trinken.

Der letzte hier genannte Faktor ist die Werbung die, durch das zunehmen der Konsumation von Massenmedien, vor allem von Fernsehen und Internet, ebenfalls eine große Auswirkung auf den Jugendlichen hat. Dabei müssen primär die Gefühle, die im Bezug auf den Konsum von Alkohol hervorgerufen werden sollen, kritisch betrachtet werden (vgl. Haushahn, 1996, S.142f).

Verwendete Literatur

HAUSHAHN, H.(1996). Jugendalkoholismus. Frankfurt am Main: Peter Lang GmbH.

BROCKHAUS, der (2000). Das Lexikon in 5 Bänden. Leipzig: FAB Verlag.


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