Entwicklungspsychologie 2006

Nina Holzinger, Astrid Berta Buchinger & Veronika Ploner

Wie wirkt sich der Einfluss der Peergruppe auf das Suchtverhalten Jugendlicher aus?

Sehr viele Raucher haben mit Ihrer Sucht bereits im Jugendalter begonnen. Wir möchten in unserer Arbeit auf das Verhalten dieser Jugendlichen eingehen. Im Besonderen interessieren wir uns dabei dafür, inwieweit die Peergroup auf das Verhalten dieser Jugendlichen Einfluss nimmt. Jedoch stellt sich für uns auch die Frage, ob nicht auch das Verhalten der Erzieher auf die Jugendlichen Einfluss nehmen kann. Ob es beispielsweise für Kinder von Rauchenden Eltern weniger Hemmschwellen gibt, selber zur Zigarette zu greifen, als für Kinder von Nicht-Rauchenden Erwachsenen. Dasselbe gilt analog auch für den Umgang mit Alkohol.

Begriffsdefinition der „Peer Group“

Die „Gleichaltrigengruppe“ ist die deutsche Übersetzung des Begriffes „peer group“. Gleichaltrig sagt dabei lediglich, dass man in etwa im gleichen Alter sein muss, um so bezeichnet werden zu können. Ein „peer“ hingegen ist mehr als nur ein Mensch von gleichem Alter, es leitet sich aus dem französischen ab, und bedeutet Gleichsein, von gleichem Rang oder Status sein. (vgl. Naudascher 1977, S 13).

Zur Funktion der „Peer Group“

Ortner und Dreher gehen in ihrem Text auf folgende Funktionen der Peergroup ein (vgl Ortner & Dreher 2002, S.310)

Zur Rolle der Eltern

Beim Übertritt vom Kindesalter in das Erwachsenenalter durchleben die Jugendlichen eine so genannte Zwischenstellung. Zum Einen der Eintritt in einen unbekannten Lebensbereich zum Anderen müssen sie mit dem körperlichen Reifungsprozess fertig werden. Oft besteht die Annahme, dass im Jugendalter der Einfluss der Eltern keine Rolle mehr spielt, jedoch widerlegen Untersuchungen diese Theorie. Es herrscht lediglich eine Aufteilung des Einflusses zwischen den Eltern und der Peer Group. Für die spätere Entwicklung ist die elterliche Bindung in der frühen Phase der Pubertät sehr wichtig. Je stärker die Bindung zu den Eltern ist, desto geringer ist der Hang zur Depression und sozialen Ängstlichkeit. Mit zunehmenden Alter steigt die Orientierung der Jugendlichen in manchen Sektoren (Kleidung, Ausgehen,..) des täglichen Lebens an Gleichaltrigen, doch hinsichtlich wichtiger Entscheidungen bleiben Eltern stets zentralere Bezugspersonen und Ansprechpartner. In den günstigsten Fällen zieht der Jugendliche zur Entscheidungshilfe den Rat der Eltern sowie den der Peer Group hinzu.

Ein zentraler Punkt im Übergang ins Erwachsenenalter besteht in der Lösung von der Ursprungsfamilie und dem Aufbau eines selbstständigen, unabhängigen Lebens. Während dieser Transformation unterscheidet man drei Modies, zum Einen den Bindungsmodus in dem die Eltern ihre Kinder nicht loslassen wollen, zum Anderen den Ausstoßungsmodus bei dem das Kind vernachlässigt wird. Und der Delegationsmodus, dabei erfolgt zum Einen eine Bindung an die Eltern und zugleich erhalten die Jugendlichen genügend Freiraum

Probleme treten meistens auf, wenn Eltern und Kinder unterschiedliche Ansichten von Situationen haben. Kinder fühlen sich nicht akzeptiert, das Vertrauen der Eltern sinkt und die Sorgen werden mehr. Ein weiterer Konfliktpunkt ist gegeben, wenn das Verhalten der Peer Group wesentlich von den Einstellungen der Eltern abweicht und keine enge Eltern-Kind-Beziehung gegeben ist.

Die Ursache für die meisten Konflikte im Jugendalter sind auf Probleme im Kindesalter zurückzuführen welche noch nicht aufgearbeitet und gelöst wurden. Die Hauptaufgabe der Eltern und der Peer Group besteht darin, den Jugendlichen zu unterstützen um zu mehr Selbstständigkeit zu kommen und somit eigene Entscheidungen treffen zu können.

Verwendete Literatur

Oerter, R. & Dreher, E.(2002). Jugendalter. In R. Oerter & L. Montada (Hrsg.), Entwicklungspsychologie (S. 258-318). Weinheim: Beltz.

Naudascher, B. (1977). Die Gleichaltrigen als Erzieher: Fakten – Theorien – Konsequenzen – zur Peer-Group-Forschung. Bad Heilbrunn, Obb.: Klinkhardt.


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Entwicklungspsychologie WS 2005/06


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