Entwicklungspsychologie 2006

Marion Haidinger, Daniela Himsl & Cornelia Lehner

Allgemeines Rauchverbot in Schulen

Aufgrund der Aktualität des Themas „Allgemeines Rauchverbot in Schulen“ haben wir uns entschlossen eine empirische Untersuchung an den Handelsakademien in Linz-Auhof und Schärding zu machen, dadurch war uns ein Vergleich zwischen Stadt- und Landschulen möglich. Um in Erfahrung bringen zu können wie die ProfessorInnen der jeweiligen Schule zu diesem Thema stehen, wurde die Untersuchung auf das Lehrerkollegium ausgeweitet.

Welche Wirkung hat das Rauchen auf die Gesundheit und die Lebensqualität?

Jeder weiß, Rauchen ist ungesund, dennoch gibt es noch immer zu viele, die sich dieser gefährlichen Leidenschaft hingeben. Doch wie gefährlich kann das Rauchen von Zigaretten sein? Dieses Kapitel soll einen kurzen Einblick in die Thematik geben.

Die Tabakpflanze und deren Inhaltsstoffe

Die Tabakpflanze (lat. Nicotiana tabacum) ist ein Nachtschattengewächs das ursprünglich nur in den Tropen Amerikas wuchs. Die getrockneten Blätter dieser Pflanze enthalten etwa ein bis zwei Prozent Nikotin und andere Alkaloide und wurden früher zu medizinischen Zwecken eingesetzt. Im Tabakrauch hingegen befinden sich einige tausend giftige Substanzen, genau genommen befinden sich im Rauch einer Zigarette über 3.000 verschiedene Verbindungen, darunter:

Wirkung von Nikotin auf den menschlichen Körper

Nikotin zählt zu den narcotoxischen Substanzen, die Besonderheit daran ist, dass es direkt über die Lunge vom Körper aufgenommen wird und daher sehr rasch in die Blutbahn und von dort in das Gehirn gelangt. Dort wird das Hormon Dopamin freigesetzt, das unter anderen das Gefühl von Wohlbefinden auslöst jedoch auch für den so genannten „Rauchgenuss“ verantwortlich ist. Die Wirkung von Nikotin lässt aber sehr rasch nach.

Durch den raschen Abbau des Nikotins lassen auch die beim Rauchen positiv empfunden Effekte sehr rasch nach, was jedoch meist durch das neuerliche Rauchen einer Zigarette wieder ausgeglichen wird. Betrachtet man nun einen Suchtraucher, so kann man hierbei beobachten, dass bei eben diesen, wenn er nicht regelmäßig bzw. in diesem Fall ständig raucht – im daher Nikotin entzogen wird – er Entzugserscheinungen aufweisen kann.

Mögliche Entzugserscheinungen beim Nikotinkonsum können sein:

Rauchen und Gewohnheit sind zwei Begriffe, die nicht voneinander zu trennen sind. Daraus resultieren auch Begriffe, wie Nikotinabhängigkeit und Nikotinsucht. Betrachtet man diese beiden Begriffspaare genauer so lässt sich folgendes erkennen:

Rauchen wird zur Gewohnheit, aus der Gewohnheit kann Abhängigkeit werden, und Abhängigkeit führt zu Suchtverhalten!

Also kann man abschließend nur noch vermerken: Nicht alles was einem „schmeckt“ ist ohne gesundheitliches Risiko.

Diskussion der Ergebnisse im Vergleich zur Ausgangsliteratur

Insgesamt wurden an den beiden Schulen (HAK Auhof und HAK Schärding) 83 SchülerInnen, und 27 Lehrer befragt und an der Johannes Kepler Universität Linz wurden für die Stichprobe 15 StudentInnen herangezogen, was eine Gesamtstichprobe von n = 125 ergibt. Die zum Zweck der Stichprobenerhebung ausgearbeiteten Fragebögen beinhalteten Fragen zum Rauchverbot an der jeweiligen Institution und Fragen zum Rauchverhalten der ProbandInnen.

Die Ausgangsliteratur zeigt, dass es eine große Anzahl an Entzugserscheinungen gibt, wenn auf den Zigarettenkonsum verzichtet werden muss.

Einige dieser Merkmale bestätigte auch unsere empirische Befragung an den Handelsakademien in Schärding und in Linz, sowie an der Johannes Kepler Universität in Linz. Auf diesen Vergleich werden wir nun näher eingehen.

Bei der Frage, ob sich die Konzentration im Unterricht verändert hat, kamen wir zu folgenden Ergebnissen:

SchülerInnen

StudentInnen

Die SchülerInnen in Schärding verzeichneten keine Veränderungen, hingegen die Linzer eine Verschlechterung ihrer Konzentration, was wir auch der Ausgangsliteratur entnehmen konnten. Bei den StudentInnen ist das Verhältnis zwischen Verschlechterung und Verbesserung ausgeglichen.

Laut Literatur kommt es zu erhöhter Aggressivität, wenn der Zigarettenkonsum unterbunden wird. Diese Annahme konnten nur die SchülerInnen bestätigen: Den Aussagen der StudentInnen zufolge kam es bei ihnen zu keiner Veränderung des Verhaltens. Dies kann man wahrscheinlich darauf zurückführen, dass das Rauchverbot an der Universität kaum eingehalten wird. In Linz- Auhof sowie in Schärding kam es bei jeweils 3 Schülern zu aggressiveren Verhalten.

In Schärding bewegte die Einführung des allgemeinen Rauchverbots an Schulen zwei SchülerInnen dazu, das Rauchen aufzugeben. Diese zwei Personen hatten zusätzlich vier Fragen bezüglich Veränderungen der Konzentration, des Gesundheitszustand, der Noten und des Verhaltens zu beantworten. Veränderungen bemerkten die beiden aber nur im Hinblick auf ihre Konzentration. Da die SchülerInnen die in der Literatur erwähnten Entzugserscheinungen überwunden haben, können sie sich nun besser konzentrieren.

Auch die Professoren wurden bezüglich Klassenklima; Konzentration und Verhalten befragt und dabei kamen wir zu folgenden Ergebnissen:

Veränderung des Klassenklimas Veränderung der Konzentration

Die Aussagen zu dieser Frage bestätigten ebenfalls die Ausgangsliteratur. Laut den Angaben der ProfessorInnen hat sich das Klassenklima verändert, es kommt zu vermehrter Aggressivität (nur in Schärding) und eine erhöhte Aufmerksamkeit wurde verzeichnet. Bezüglich der Konzentration bemerkten nur die ProfessorInnen in Schärding eine Veränderung, welche sich in einer Verbesserung der Konzentration zeigt. Bezüglich des Verhaltens gab niemand an eine Veränderung verspürt zu haben.

Siehe auch Wie höre ich mit dem Rauchen auf?

Literatur

Kollehn, K.: Die wirtschaftlichen Aspekte des Rauchens. In Kollehn K. & Noack K.-A. (Hrsg.), Rauchen und Erziehung (S. 28 - 36). Pfaffenweiler: Centaurus-Verl.-Ges. 1991 

Kollehn, K. & Noack, K.-A.: Erziehung zum Nichtrauchen? In Kollehn K. & Noack K.-A. (Hrsg.), Rauchen und Erziehung (S. 10 – 18). Pfaffenweiler: Centaurus-Verl.-Ges. 1991 

Kracke, B.: Pubertät und Problemverhalten bei Jungen. Weinheim: Beltz Verlag 1993 

Krenke-Seiffge, I.: Gesundheit als aktiver Gestaltungsprozess im menschlichen Lebenslauf. In Oerter R. & Montada L. (Hrsg.), Entwicklungspsychologie (S. 833 - 844). Weinheim: Beltz Verlag. 5., vollständig überarbeitete Auflage 2002 

Krüger, A.: Sucht – Ursachen, Wirkungen, Auswege: Hinweise für Pädagogen, Eltern und Jugendliche. Wuppertal: Blaukreuz-Verlag 1989 

Noack, K.-A.: Zur Geschichte des Rauchens. In Kollehn K. & Noack K.-A. (Hrsg.), Rauchen und Erziehung (S. 20 - 27). Pfaffenweiler: Centaurus-Verl.-Ges. 1991 

Oerter R. & Dreher E.: Jugendalter. In Oerter R. & Montada L. (Hrsg.), Entwicklungspsychologie (S. 258 - 317). Weinheim: Beltz Verlag. 5., vollständig überarbeitete Auflage 2002 

Lexikon der Fremdwörter; Tandem Verlag GmbH, Königswinter 

Wormer, Eberhard J., Dr. med. & Bauer, Johann A., Prof. Dr. med. (Hrsg.): Medizin und Gesundheit – Neues großes Lexikon. Köln: Lingen Verlag 2004 

http://ris.bka.gv.at/bundesrecht; Abfragedatum: 29.03.2006 

http://de.wikipedia.org/wiki/Hauptseite; Abfragedatum: 29.05.2006 

http://de.wikipedia.org/wiki/Zigaretten; Abfragedatum: 31.05.2006 

http://de.wikipedia.org/wiki/Tabakrauch#Reizende_Substanzen_.
28Gefahrstoffsymbol:_Xi.29
Abfragedatum: 31.05.2006 

http://www.tabakfrei.de/nikotin.htm; Abfragedatum: 31.05.2006


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