Präsentationen 2008

Auswirkung von Scheidung und Trennung auf Kinder

„Children are not strangers to stress …

… The trauma for children of potential separation with its

accompanying loss of parents or significant surrogates

has a near universal stress quality”

(Kardas & Langenmayr 1996, S. 1)

 

1. Scheidungsrate in Österreich

Im Jahr 2005 wurden 19.453 Ehen rechtskräftig geschieden, um 137 bzw. 0,7% weniger als im Vorjahr. Dennoch stieg die Gesamtscheidungsrate von 46,1% (2004) im Jahr 2005 auf den neuen Rekordwert von 46,4%. Eine Gesamtscheidungsrate von 46% lässt sich damit wie folgt interpretieren: Bei den im Jahr 2005 ermittelten ehedauerspezifischen Scheidungsraten enden 46 von 100 gegenwärtig geschlossenen Ehen vor dem Scheidungsrichter.

Die Scheidungen des Jahres 2005 betrafen 14.740 Minderjährige (unter 18 Jahre). Darüber hinaus gab es noch 5.142 Kinder, die bereits volljährig waren, als sich die Eltern scheiden ließen.

Scheidungsrate Österreich Ehescheidungen seit Statistik AUstria 

2. Faktoren für die positive Anpassungsfähigkeit von Scheidungskindern

Laut Wallerstein und Kelly gibt es jedoch mehrere Bereiche, die einen positiven Effekt auf die Anpassungsfähigkeit des Kindes erzielen können (vgl. Kardas & Langenmayr 1996, S.107):

- die elterliche Fähigkeit, mit der Nachscheidung verbundenen Ärger und Konflikte zu lösen

- die erfolgreiche Übernahme der elterlichen Rolle durch den sorgeberechtigten Elternteil

- die Fähigkeit des nicht-sorgeberechtigten Elternteils, ein beiderseitig befriedigendes Verhältnis zum Kind aufzubauen

- die Fähigkeit des Kindes, eigene Stützsysteme zu entdecken und zu nutzen

- die Verringerung depressiver oder aggressiver Zustände durch das Kind selbst

(vgl. Kardas & Langenmayr 1996, S.103)

3. Reaktionsformen von Scheidungskindern

Reaktionen auf der Verhaltensebene

Emotionale Reaktionen

Psychosomatische Reatkonen

- Hyperaktivität

- Weglaufen von zu Hause

- Verlust von Freunden

- Zunahme kleiner Unfälle

- enger Körperkontakt

- Schulverweigerung

- Schulprobleme

- vorbildliches Verhalten

- verstärkte Besorgnis um das Wohlergehen der Eltern

- Versuch, die Eltern wieder zu vereinen

- Verleugnung der Situation (z.B. Vater auf Reisen)

- Wutanfälle

- Kämpferische Aggression

- Aufbau von Fantasiewelten

- Kummer, innere Unruhe

- Scham, Schuldgefühle

- verstärkte Masturbation

- anhaltende Trauer

- Alpträume

- Ängstlichkeit, vermehrtes Weinen

- Besitzgier (zB bei Gefühlen)

- größere Sensibilität

- Vermissen des gegangenen Elternteils

- Schlafstörungen

- Kopfschmerzen

- Esssucht

- Appetitverlust

- Neurodermitis

- Asthma

- Krampfanfälle

- Gastro-intestinale Beschwerden

- Nägelkauen

- Daumenlutschen

 (vgl. Kardas & Langenmayr 1996, S. 93)

Verwendete Literatur

Statistik Austria (2005). Bevölkerungsentwicklung im Jahre 2005.

WWW: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bevoelkerung/scheidungen/index.html (07-06-01).

Kardas, J. & Langenmayr, A. (1996). Familien in Trennung und Scheidung. Ausgewählte psychologische Aspekte des Erlebens und Verhaltens von Scheidungskindern. Stuttgart: Ferdinand Enke Verlag.

 

In diesem Zusammenhang haben wir die Auswirkungen auf die Psyche und die Schulleistung der Kinder genauer in Betracht genommen. Weiters war es uns wichtig Möglichkeiten zu finden, um die Trennung oder Scheidung für Kinder so einfach wie möglich zu gestalten. Außerdem haben wir recherchiert, welche Institutionen in Österreich Hilfestellung für Kinder anbieten. Hier muss man erwähnen, dass diese Möglichkeiten und Angebote in Österreich sehr rar sind in Anbetracht der stets steigenden Scheidungsrate.

Zahlen und Fakten:          

Die Zahl der Ehescheidungen stieg in den letzten Jahren kontinuierlich. 2001 wurde dabei ein Höhepunkt mit 20.582 Scheidungen im Jahr erreicht. Danach gingen die Ehescheidungszahlen wieder zurück; im Jahr 2006 wurden 20.336 Ehen geschieden (vgl. Statistik Austria 2007).

Auswirkungen auf die Psyche:    

Scheidung kann die beste Lösung für eine destruktive Familiensituation sein und Kindern einen Ausweg bietet um persönlich zu wachsen. Trotzdem erleben fast alle Kinder sie als schmerzhaft (vgl. Kardas 1996, S. 68).       

Das Trennungserlebnis selber löst zunächst bei den meisten Kindern kurzfristig Trauer, Niedergeschlagenheit und Verunsicherung aus. Sie ziehen sich zurück, werden aggressiv oder entwickeln andere Verhaltensauffälligkeiten. Dies ist die normale Reaktion auf eine unsichere Lebenssituation. Kritisch werden diese Verhaltensweisen erst, wenn sie sich stabilisieren. Scheidungskinder schneiden bei Leistung, Sozialverhalten, emotionaler Befindlichkeit und Gesundheit meist schlechter ab. Die Scheidungsfolgen für Kinder sind abhängig von der Scheidungsvorgeschichte (vgl. Österreichisches Institut für Familienforschung 1997).  

Die Konfrontation mit der Trennung kann spontan eine ganze Reihe von Ängsten, Gefühlen und Gedanken hervorrufen, wie zum Beispiel die Angst, einen Elternteil nie mehr sehen zu können, dass die Eltern aufhören das Kind zu lieben, Angst davor allein zurückzubleiben, Wut und Zorn, da die Kinder sich verlassen und verraten fühlen, Schuldgefühle oder auch Loyalitätskonflikte. Eltern sollen den Kindern vermitteln, dass sie beide liebhaben dürfen und von beiden geliebt werden (vgl. Sartori, S. 2f).

„Trennung kann zu vielen verschiedenen Reaktionssymptomen führen: Schulschwierigkeiten, Aggressionen, depressive Verstimmungen, Rückzug, regressive Tendenzen (Entwicklungsrückfälle), psychosomatische Erkrankungen (starke Kopfschmerzen, Bauchweh, Hauterkrankungen etc.), Einnässen, Einkoten und noch weitere“ (vgl. Sartori, S. 2).

„Den Kindern muss der „Raum“ für Schmerz und Trauer gegeben werden. Nur der „offenbarte“, gezeigte Schmerz kann bewältigt und verarbeitet werden. Unterdrückter Schmerz hinterlässt deutliche Narben in der Seele der Kindes“ (Sartori, S. 1f).

Auswirkungen auf die Schulleistung:      

Bei Scheidungskindern treten in der Schule meist starke Reaktionen wie Leistungsabfall oder negativ verändertes soziales Verhalten auf. LehrerInnen reagieren darauf oft mit negativen Einstellungen und verringerter Leistungserwartungen, bzw. es erfolgt eine Verschlechterung der Beziehung. Manchmal werden zu geringe Anforderungen gestellt und es wird übermäßig Rücksicht genommen, dabei wird das Gefühl der Hilflosigkeit bei Kindern bestärkt. LehrerInnen helfen, indem sie Probleme kindgerecht ansprechen, über mögliche Reaktionen von Scheidungskindern informiert sind und die Kinder fördern (vgl. Sartori, S. 1).

„Eltern fühlen sich in der für sie schwierigen Zeit meist überfordert. Der Bedarf an außerfamiliären Betreuung und Unterstützung der Kinder steigt. Eine große Stütze können Horte, aber auch die Schule selbst bieten. In Kooperation der Schule mit den Eltern oder dem Elternteil ist eine gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Erziehungsvorstellung von großer Bedeutung: Integration statt Isolation, Hilfe zur Bewältigung statt Tabuisierung des Problems“ (Sartori, S. 3).

Unterstützung, Hilfen und Möglichkeiten zur Minderung des Trennungsschmerzes

Weinfurter (1999, S. 27) bemerkte, dass in Zusammenhang mit Hilfestellungen außerinstitutioneller Art, es kaum Einrichtungen oder sonstige Ansprechmöglichkeiten gibt, die konkret auf Kinder und Jugendliche konzentriert sind. Die meisten Hilfszentren fassen bei ihrer Arbeit die Konfliktbewältigung der Erwachsenen ins Auge. Diese Tatsache stellt zweifellos eine Notwendigkeit dar, dass auch Kinder jeder Altersklasse eine Anlaufstelle haben, in welcher sie mit Gleichbetroffenen ihr Schicksal aufarbeiten können.

4.1 Kindspezifische Einrichtungen in Österreich

4.1.1. Das Linzer Modell: Trennung – Scheidung – Neubeginn (TSN- Modell)  
Das TSN- Modell ist vor ca. 4 Jahren gegründet worden und hat als Zielgruppe Kinder im Alter zwischen 8 und 12 Jahren. Die Kinder werden in Gruppen eingeteilt und verarbeiten mit  Gleichgesinnten ihr Schicksal (vgl. Weinfurter 1999, S 97).

4.1.2. Rainbows          
Dieser Verein ist in allen Bundesländern in Österreich vertreten. Das Ziel ist, Kindern und Jugendlichen bei der Trauer hinsichtlich eines Verlustes wichtiger Bezugspersonen durch Scheidung, Trennung oder Tod zu unterstützen. Auch hier werden die Kinder in Gruppen eingeteilt und verarbeiten das zentrale Thema altersgerecht durch Malen, Geschichten erzählen, etc. (vgl. Weinfurter 1999, S. 99f).

4.1.3. Kinderbegleitung           
Dieses Programm wurde vom BMUJF und BMJ, aufgrund alarmierender Scheidungszahlen, für Kinder und Jugendliche ins Leben gerufen. Hier zielt man darauf ab, ein Orientierungsgespräch oder eine Gruppenpädagogische Therapie zu führen (vgl. Weinfurter 1999, S. 100f).

Phase der Normalisierung           
Etwa 2 Jahre nach der Trennung der Eltern haben sich die meisten Kinder bereits mit der neuen Lebenssituation ganz gut zurecht gefunden. Dennoch kann es leider bei ca. einem Drittel der betroffenen Kinder zu mittel- und langfristigen Beeinträchtigungen kommen (vgl. Weinfurter 1999, S. 21).

Scheidungskinder haben auch weniger Ausdauer

Offenbar wird diese Eigenschaft auch durch das Elternhaus geprägt, resümierten Psychologen um Karen Rudolph von der Universität Illinois im Jahr 2001. Für ihre Studie befragten die Wissenschaftler über 1000 Schüler im Alter von zehn bis zwölf einerseits zu ihren schulischen Leistungen und dem Verhältnis zu ihren Mitschülern, andererseits zu ihrem Elternhaus: Kinder, deren Eltern getrennt leben oder geschieden sind, zeigten in der Schule am wenigsten Ausdauer.

Verwendete Literatur:

Kardas, J. (1996). Familie in Trennung und Scheidung: ausgewählte psychologische Aspekte des Erlebens und Verhaltens von Scheidungskindern. Stuttgart: Ferdinand Enke Verlag.

Weinfurter, I. (1999). Möglichkeiten der Reduktion und Verarbeitung des Problems der Scheidung bei Kindern. Unveröff. Diplomarbeit am Institut für Soziologie. Abteilung für Methoden der Empirischen Sozialforschung. Linz: Johannes Kepler Universität.

Sartori, A. (unbekannt). Trennung der Eltern.
WWW: http://schulpsychologie.lsr-noe.gv.at/downloads/trennung_scheidung.pdf (08-05-17)

Statistik Austria (2007). Statistik der Ehescheidungen.            
WWW: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bevoelkerung/scheidungen/index.html (08-05-19)

Österreichisches Institut für Familienforschung (1997). Scheidung: Wo sind die „Chancen“ der Kinder?.
WWW: http://www.oif.ac.at/presse/bzw/artikel.asp?Rubrik=3&ID_Art=1&BZWArtikel=206 (08-05-17)

 


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