Übergänge II … Von der Kindheit zur Jugend

Von Anfang an zu Selbstständigkeit erzogen

Bei mir liegt der Zeitpunkt der Kindheit schon etwas länger zurück und ich habe versucht mich zu erinnern, was mich damals bewegte.

Ich wechselte von der Volksschule ins Gymnasium. Ich lernte dort ziemlich schnell neue Freunde kennen, war aber trotzdem sehr traurig darüber, dass meine beste Freundin in die Hauptschule ging. Ich versuchte beide Freundeskreise zu verbinden, was aber nicht immer gelang, aufgrund unterschiedlicher Stundenpläne und Interessen. Zum Glück konnte ich den Kontakt mit meiner „besten Freundin“ bis heute aufrechterhalten.

Eine große Umstellung im Gymnasium waren die vielen neuen Fächer und die Tatsache in jedem Fach einen anderen Lehrer zu haben, auf den man sich neu einstellen musste. Ich finde das war ein erster Schritt um etwas flexibler im Umgang mit anderen Personen zu werden. Zum Glück wurde ich von meinen Eltern von Anfang an zu Selbstständigkeit erzogen und deshalb viel mir eigenständiges Lernen nicht sehr schwer.

Für mich war allerdings ein Problem, dass meine ältere Schwester einen ziemlich „bleibenden Eindruck“ bei den Lehrern dieser Schule hinterlassen hatte. Und auch mein Vater, selbst Lehrer, war gut bekannt bei allen Lehrkräften. Ich wurde alle 4 mit meiner Schwester verglichen und wollte deshalb immer besser sein als sie. Ich hatte das Gefühl keine eigenständige Persönlichkeit zu sein, obwohl ich sonst sehr selbstsicher war und bin. Mit dem Wechsel in eine HBLA nach Linz, war dieses Problem Gott sei Dank gelöst. In der neuen Schule war ich unbekannt und ich konnte mir selbst einen Namen machen.

Ich kann mich aber noch gut erinnern, dass mit dem Wechsel in die neue Schule meine Kindheit abrupt geendet hat. Wir Schüler wurden dort nicht mehr wie Kinder behandelt, sondern wie „kleine Erwachsene“. Mir fehlten am Anfang die Herzlichkeit und der Humor bei den Lehrern. Alles wurde todernst aufgerollt, da es sich ja um Wissen für den Beruf handelt. Ich glaube, wenn ich im Gymnasium geblieben wäre, wäre der Übergang etwas fließender gewesen.
Obwohl ich niemanden in der neuen Schule kannte, fiel mir die Integration in die neue Klasse nicht schwer und ich fand schnell neue Freundinnen, die sie bis heute geblieben sind.

Ein weiteres einschneidendes Erlebnis mit 11 Jahren war der Tod meiner Oma. Sie starb an den Folgen eines schweren Unfalls. Ich merkte erst nach einiger Zeit wie sehr mich ihr Tod beschäftigt, als ich bei einem Film in der Schule nicht mehr zu weinen aufhören konnte. Das schlimmste war für mich die Tatsache, dass ich mich nicht verabschieden konnte. Bis heute tut es mir leid, dass sie an so vielen wichtigen Dingen meines Lebens nicht teilhaben kann.

Für meine Handlungen und Taten verantwortlich

Wie erlebte ich den Übergang von der Kindheit in das Jugendalter oder anders ausgedrückt welche Veränderungen nahm ich wahr? Diese Gedanken lassen mich wieder an meine Kindheit zurück denken. Einer der einschneidensten Momente war, glaube ich, der Schulwechsel. Der Wechsel von der Volksschule in die Hauptschule war die erste Veränderung, die ich durchleben musste. Von nun an war ich annähernd jeden Tag über Mittag nicht zu Hause und hatte auch teilweise Nachmittagsunterricht. In dieser Zeit fing auch meine Mutter wieder zu arbeiten an, dies ich als große Umstellung empfand. Von nun an war meine Mutter oft nicht zu Hause wenn ich von der Schule kam. Doch mit der Zeit gewöhnte ich mich auch an diese Situation und genoss es sogar auf mich alleine gestellt zu sein.

Der Schulwechsel brachte natürlich auch einige positive Aspekte mit sich. Mein Freundeskreis erweiterte sich und ich genoss Freiheiten, die ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht kannte. Ich durfte am Abend länger weg bleiben, bekam Taschengeld und meine Eltern gaben mir das Gefühl ein „kleiner" Erwachsener zu sein. Von nun an war ich aber auch für meine Handlungen und Taten verantwortlich.

In dieser Zeit waren vor allem meine Freunde und insbesondere meine Schwester die wichtigsten Personen. Sie durchlebten auch diese Veränderungen und dies war vermutlich auch der Grund warum ich auf deren Meinung mehr hielt als auf die meiner Eltern. In dieser Zeit gab es einige Meinungsverschiedenheiten, die meine Eltern und ich durchlebten. Ich rebellierte auch oft, wenn meine Eltern versuchten, mit etwas vorzuschreiben.

Meine Interessen veränderten sich ebenfalls ein wenig. Vor allem Jungs wurden während der Pubertät immer interessanter. Die Gespräche mit den Freundinnen drehten sich vorwiegend nur um Jungs. Aber auch ich veränderte mich in dieser Zeit, vor allem körperliche Veränderungen waren dominierend. Dies wurde wiederum mehr mit den Freundinnen als mit den Eltern besprochen. Die äußere Erscheinung bekam während dieser Zeit einen ganz anderen Stellenwert.

All diese Veränderungen ließen mich Schritt für Schritt zu einem jungen Erwachsenen heranreifen.


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